Mittwoch, 9. August 2017

De Ding aus einer annern Welt

Ich sitze gerade gemütlich vorm EDK beim schnellen Mittagessen mit Hähnchenschlegeln, einer Cola und einer guten Laune, als mir irgendjemand mit voller Wucht auf den Rücken haut und mich „NA, HAMMER MITTACH!!??“ anbrüllt. Ja, hammer und eigentlich will ich in Ruhe gelassen werden und mich irgendeinem dümmlichen Bento-Artikel („Wie ich es einmal mit meinen Putzgeräten trieb“) widmen, aber Henry, den alle seine Freunde Henry nennen, hat gerade blöderweise Zeit und hockt sich ungefragt zu mir.

„NA, SCHMECKTS?“ will er laut wissen und ich sage brav „geht so“, weil es doch der EDK ist und der bei Hähnchenschlegeln für kleines Geld nicht gerade ein 4-Sterne Tempel ist und alles Andere gelogen wäre. „ICH WÄÄSS, WO MER GUT ISST“, verkündet Henry quer über die Gasse und fügt dann hinzu „UNNE BEIM DING!“.

Ich werde hellhörig. Gutes Essen? Wo? „UNNE BEIM DING“ ist als Information zwar laut, aber zu wenig. Also hake ich nach. „Wo genau?“ „Na, da unne…“ sagt Henry merklich leiser, gestikuliert in Richtung Italien und legt die Stirne kraus, „wennde die Ding nunnerfährst, da am… na, wo der Fahrradlade ist… wie hässten des jedzz…“.

Ich kann förmlich hören, wie die Mechanik in Henrys Hirn knirscht, als er sein geistiges Google-Maps hochlädt. „Wennde vom Schloss aus…“ sagt er und hält inne, da ihm anscheinend der Weg vom Schloss zum Ding doch zu kompliziert erscheint. „Annerster!“ sagt er und hebt an: „Wennde unne am Määä…“, dann stoppt er wieder. Auch das scheint die falsche Route zu sein und ich überlege fieberhaft, wo ein „Fahrradlade“ in der Nähe unseres Schlosses sein könnte. Aber mir fällt nichts ein.

Henry stützt seine Stirn auf die Hände und versinkt in Verzweiflung. „Wenn Du obbe am Rathaus stehst…“ holt er erneut aus, ganz langsam, ohne mich anzusehen „…un dann nunner am Ding vorbei gehst…“. Ich habe meinen teuflischen Tag: „An welchem Ding gehe ich vorbei?“. „Ei unne, der Ding, wo immer die Würscht macht…“ erklärt er. „An der Metzgerei?“, helfe ich nach. Henry, erleichtert, „ja genau, Du gehst annde Metzgerei vorbei… aber wadde mal… der is doch fort, da is jedzz en Annerne drin…“. Oha, es wird gefährlich. Wenn Henry jetzt noch darüber nachdenkt, was der Nachfolger der Metzgerei Semmelmann („Qualität seit 1926“) jetzt herstellt, sitzen wir morgen früh noch. Ich helfe nach: „Egal, ich gehe an der ehemaligen Metzgerei vorbei…“ – „Ja genau, annde Metzgerei vorbei…“ echot Henry „und dann dadenach nach links… Nä, nach rechts…“ und er versinkt wieder in tiefes Grübeln. Ich stehe geistig vor der ehemaligen Metzgerei, in deren 70er-jahre gekachelten Wurstverkaufsraum sich heute ein Tattoo-Studio befindet und dessen wenig vertrauenserweckend aussehenden Besitzer sich rauchend öfter vor als im Laden befinden und weiß nicht, wohin ich nun muss. Und meine Mittagspause nähert sich dem Ende.

Ich versuche es mit raten: „Meinst Du den Griechen, drei Häuser weiter?“ Aber Henry schüttelt den Kopf. „Nä, den mään ich nit“, sagt er traurig. Gut, der Versuch war es wert. Ich versuche, Henrys Empfehlung einzukreisen. „Was hat der Laden denn für eine Küche?“, frage ich vorsichtig. Henry interpretiert die Frage aber falsch. „Des macht der Ding, der hat früher aach den Lade in Darmstadt gehabt. Herrgott, wie häässt denn der…“. Na prima. Meine harmlose Frage hat einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht, Henry weiß nicht nur, wie der Laden nicht heißt, sondern auch nicht, wer ihn nicht betreibt und wie ich auf jeden Fall nicht hinkomme. „Ganz bekannte Name…“ schiebt er brummelnd hinterher. Leider nicht bekannt genug, als dass er oder ich mich daran erinnern könnten.

Ich ändere die Taktik: „Du meinst aber nicht den Ding, der da in der Nähe von der Fußgängerzone…“ werfe ich ihm als Appetit-Häppchen hin. Henry schaut mich an, als hätte ich den Verstand verloren. „DER ITALIENER? UNNE AN DER KÖNISCHLUDDPOLLDSTRASSE? DER WO DES „BASILICO E POMODORE DA LEONARDO DA VINCI IN EXCELSIS DEO“ HAT UNN IN UNNERAFFERBACH WOHNT? DER MIT DERRE FISCHBLADDE WO DEN ESSELLKA FÄHRT? ICH HAB VON GUUUUUTEM ESSE GESPROCHE!!!!“ belehrt er mich laut brüllend und bemerkt gar nicht meine Verblüffung über sein plötzlich detailliertes Erinnerungsvermögen. „NÄ, ICH MÄÄN BEIM DING…“ und dann sackt Henry in sich zusammen, als hätte man ihm den Stecker gezogen, zurück in die Nachtschwärze seines Gehirns. An einen Ort, an den ihm niemand folgen kann. Nicht einmal er selbst. Links oder rechts an der ehemaligen Metzgerei vorbei.

Unerbittlich tickt die Uhr.

„Henry, sei mir nicht böse…“ sage ich zaghaft, weil ich gerne weg möchte und sicher irgendwann versehentlich DE DING besuchen werde oder auch nicht, aber Henry lässt nicht locker. Ich will aufstehen, aber Henry hält mich am Arm fest und sieht mir direkt in die Augen. „WÄÄSTE WAS? MIR TREFFE UNS HEUT AWEND UND DANN GEHN MER DA HIII“ schlägt er vor, aber ich habe heute Abend, ehm, schon irgendetwas Wichtiges plötzlich vor und kann nicht und will auch nicht im Freien übernachten, wenn Henry sich in der Altstadt verläuft und sage deswegen, dass ich etwas Wichtiges heute Abend vorhabe und das leider nicht geht.

Ich verabschiede mich von Henry und höre ihn im Weggehen noch „de Ding, de Ding“ wimmern und irgendwie tut er mir auch leid, aber ich muss jetzt echt wirklich…

Ein paar Tage später stehe ich unten am Main, in der Nähe des Fahrradladens und greife mir ans Herz, von dem ich fürchte, dass es stehen bleibt. Vor einer nagelneuen Kneipe hängt ein nagelneues Schild. „DAS DING“ nennt sich der nette Laden mit der netten Speisekarte. Und ich bin Henry jetzt ein verdammtes Essen schuldig!  

Mittwoch, 17. Mai 2017

Essen für den Weltfrieden

Da hänge ich gerade gemütlich in der Mittagspause herum, als mich die beste aller Frauen anwhatsappt, ob ich mit Ihr „Mittag machen“ will. Und weil ich mich ja sehr freue, wenn sie Zeit hat und weil ich mit ihr lieber Mittag als Babys mache, antworte ich mit „ja“. Und keine fünf Minuten später steht sie vor mir und fragt mich, wohin ich möchte. „Malediven“ wäre zwar die korrekte Antwort, aber das schaffen wir nicht in 60 Minuten. Und weil Malediven nicht geht, sage ich „Malediven geht nicht, deswegen weiß ich es nicht. Wo willst Du hin?“ „Da am Eck hat ein Bioladen aufgemacht, das könnten wir mal probieren.“ Und, um es mir   schmackhaft zu machen, was bei einem Bio-Laden per se nicht einfach ist, fügt sie ein „man kann da auch draußen sitzen“ hinzu.
„Draußen sitzen“ ist gut, denn es ist ein warmer Frühlingstag, die Vögel singen, ich könnte nach dem Essen rauchen und außerdem ist die Aussicht auf den Parkplatz vom Aldi während des Essens einfach idyllisch. Vielleicht würden wir ja sogar einen Parkrempler sehen. Außerdem soll ich ja nicht alt und dafür offen sein und beim Edeka würde ich sowieso nur ein ungesundes Leberkäsbrötchen essen und mir eine Cola-Aspartam ´reinziehen. Warum also nicht einmal im gesunden Bio-Laden essen?

Die korrekte Antwort lautet: Weil Bio-Läden Feindesland sind. Wie die Unterwäscheabteilung von Hunkemöller. Oder der Bike-Shop. Oder ein Orion-Laden. Ich scheue aus innerer Überzeugung vor allem zurück, was auch nur im Entferntesten etwas mit Pornographie oder „Nachhaltigkeit“ zu tun hat. Für mich hat beides etwa exhibitionistisches. Eine Art „schaut her, wie ekelhaft tolerant und weltoffen ich bin“. Bin ich ja eigentlich nicht. Also tolerant und weltoffen. Ekelhaft schon. Eigentlich würde ich nämlich jetzt gerne und lieber zu McDonalds. Aber dann wird morgen auf der Waage wieder viel geweint und ich will doch zeigen, wie tolerant und weltoffen ich bin. Ich habe eine Tarnung aufrecht zu erhalten.

Und so finden wir uns keine fünf Minuten später vor der Mittagstheke vom Bioladen wieder. Die Auswahl ist riesig: Es gibt Karotten-Spinat-Quiche (ohne Gluten), Kichererbsen-Mais-Stückchen (ohne Gene), Dinkel-AloeVera-Hörnchen (ohne Allergene), Petersilie-Knoblauch-Dressing (ohne Salat), Avocado-Gries-Falafelbällchen (ohne Spaß) und eine etwas vertrocknet wirkende Bioladenbäckerin (ohne Nüsse und gute Laune).

Es gibt nur nicht etwas, was mir irgendwie im Entferntesten schmecken könnte. Die komplette Auswahl kling nach dem übrig gebliebenen Buffett einer vorzeitig und zu Recht verlassenen Wahlparty der Grünen. Eigentlich fehlt mir nur noch ein Transparent über der Theke, auf dem in großen Lettern „Ja, das Zeug schmeckt scheiße, aber dafür rettet Ihr die Wale und den Regenwald“ steht. Da ich aber nicht gedenke, meinen ökologischen Fußabdruck durch Verhungern der Erde zu entziehen, entscheide ich mich für eine Rhabarber-Ingwer-Nudelholz-Bretzel mit mehrfach gesegnetem Meersalz aus dem Baikal-See und einen Hafer-Weizenkleie-Ananas-Donut. Dazu als Getränk eine biologische Limonade aus natürlichem Mineralwasser in der Geschmacksverirrung Mango-Holunder-Gurke. Für mein gutes-Gewissen-Essen lege ich schlanke zwölf Euronen auf den Tisch des Reformhauses und suche mir ein schattiges Plätzchen (ohne künstliche Aromen) in der Sonne.

Meine Traumfrau hat sich irgendetwas grünschimmelig Gefärbtes aus Teig gekauft, einmal ´reingebissen, angewidert geguckt und mich dann gefragt, ob ich probieren will. Will ich nicht. Sie hat es bestellt, sie soll es zur Strafe ganz alleine essen. Ich helfe ihr nicht! So leicht kommt sie mir nicht davon.

Die besinnliche Zeit vor dem ersten Bissen erlaubt es mir, das biologische Publikum in Augenschein zu nehmen. Jetzt, um die Mittagszeit sind das zwei schlanke Herren im reifen Alter, die so Kasperfahrradanzüge tragen und sich nicht die Mühe gemacht haben, die halben Walnüsschen, die sie als Helm tragen, zum Essen abzunehmen sowie mehrere Damen zwischen 55 und 65 mit „nie-wieder-Sex“-Kurzhaarschnitten, die biologisch einwandfreie und abbaubare silberne Farben haben. Die tragen Kleidung, die selbst KiK peinlich wäre und haben kein Gramm Fett zu viel. Und auch keinen Mann. Typ „emanzipierte Lehrerin für Englisch und Sport“. Genau der Typ Frau, der „meine Pussy gehört mir“ ruft und dem ich als Mann gerne „Genau! Und Ihr dürft sie auch behalten!“ entgegenrufen möchte. Aber ich bin ja total tolerant und rufe nichts entgegen.

Sondern beiße in den Bio-Abfall vor mir.

Sagen wir es so: Ich brauche weder Wale noch Regenwälder. Es schmeckt nach – nichts. Es ist, als würde ich in eine geschmacklose Wolke beißen. Ähnlich wie bei McDonalds, nur ohne den Geschmack von Fleisch, Gurken, Senf, Brot, Salz und Pfeffer und diesem einen Scheibchen traurigen Schmelzkäses. Das Ganze ist eine puristische Offenbarung. Ein Essen, das Haltung und Lebenseinstellung ausdrückt, sofern diese geschmacklos ist. Ein Essen, das den Zweck der Nahrungsaufnahme auf genau das reduziert. Wahrer Genuss liegt nämlich im Verzicht. In der Reduzierung. Im Bewusstsein, nachhaltig gegessen zu haben. Und die Welt ein wenig besser gemacht zu haben. Mit diesem Zeug habe ich den Großkonzernen eins ausgewischt und das Finanzkapital in die Schranken gewiesen. Und aufgrund der Ballaststoffe werde ich später sogar… - aber lassen wir das.

Während die Traumfrau lustlos und geistesabwesend an ihrer biologisch abbaubaren Nahrungssimulation herumbeißt, versuche ich, das Zeug einem streunenden Hund anzudrehen, dessen Herrchen soeben 100,- € in Dosenpfand in den Aldi geschleppt hat, aber der Hund dreht sich angeekelt weg. Er ist Besseres gewohnt. Ich auch.

So bleibt mir nichts Anderes übrig, als das Schaumgummizeug irgendwie mit dem seltsamen Getränk nach unten zu würgen, denn wegwerfen kann ich es nicht, weil dann hungernde afrikanische Kinder böse auf mich sind und die in Griechenland angestrandeten Schutzsuchenden froh wären, wenn sie auf Nichts herumbeißen könnten und ich gelobe, nie mehr über Asiaten zu lästern, die Hunde, Wale oder rohen Fisch verspeisen.


Sie müssen vorher im Bioladen gewesen sein.

Montag, 9. Januar 2017

Bettgeflüster


Der Tag war schön, aber lange und er war lange, aber schön. Deswegen liege ich um Drölf Uhr nachts brav im Bettchen, die Frau des Herzens an meiner Seite, und habe nur einen einzigen Wunsch. Ich will schlafen. Ohne Doppeldeutigkeit. Augen zumachen, System auf „stand-by“, nur noch das vegetative Nervensystem arbeiten lassen. Verdauen und Atmen. Das soll es sein.

Isses aber nicht. Denn ich muss mitten in der Nacht kurz raus, weil a) mein vegetatives Nervensystem einen Job beendet hat und b) mich irgendetwas am Oberarm juckt. Also tu ich, was ein Mann tun muss und auch mit nur halboffenen Augen tun kann und steige zurück in den Hort der Ruhe. Doof ist es, wenn die Frau des Herzens einen leichten Schlaf hat. „Was machst Du?“ fragt sie und ich antworte brav „ich war auf dem Klo“ und schließe die Augen, um da weiter zu machen, wo ich aufgehört habe. Es ist absolut still im Zimmer.

„Du?“ höre ich im Halbeinschlaf. „Duhu? Geht’s Dir gut?“ „Hmm“ brumme ich zurück, weil mir für „ja“ die Kraft fehlt und damit wäre das Thema für mich erledigt. Da bin ich aber der einzige. „Duhu?“ höre ich durch die Halle des Petersdomes, in der ich mich gerade befinde, „Duhu? Geht es Dir WIRKLICH gut?“ „Jagehtgut!“

Anscheinend ist die Antwort aber unbefriedigend. „Duhu? Was juckt Dich? Du kratzt Dich da am Arm…“ Das hatte ich verdrängt, ich war gerade am Einschlafen und was mich juckte, juckte mich eigentlich schon nicht mehr, weil ich mich gekratzt hatte und gerade auf den Arc de Triomphe in Rom zulief. „Dahatmichwohletwasgestochen“ seufze ich und lege ihr vorsichtshalber die Hand auf den Mund. Sie dreht den Kopf aus der Hand. „Duhu? Was hat Dich denn gestochen?“ will sie wissen.

Ich weiß es nicht. Ich will es auch nicht wissen. Ich will schlafen. Ich schaue morgen nach. Nicht jetzt. Vielleicht eine Mücke, vielleicht ein Floh, vielleicht die Gesamtsituation, keine Ahnung. Ich will schlafen. „Weissischnitt“ brummle ich zurück.

Schweigen. Etwa 30 Sekunden. Genau so lange, wie vom Arc de Triomphe links zur Hagia Sophia in Berlin abzubiegen.

„Duhuu? Woran denkst Du gerade?“

Okay.

Der Fachausdruck lautet „Kriegserklärung“. Dann reden wir eben. Ich habe ja gerade nichts Besseres zu tun.

„Ich denke gerade daran, dass das Finanzamt von mir einen Haufen Geld haben will, von dem ich interessiert wäre, woher ich es nehmen soll. Ich denke daran, dass wir die „sichere Drittstaatenregelung“ einführen oder alternativ für unsichere Drittstaaten eine Reisewarnung aussprechen sollten. Ich denke daran, dass trotz der derzeitigen Niedrigzinsphase meine Altersversorgung wegen der Inflation den Bach hinuntergehen wird und ich mir eigentlich eine vermietete Immobilie kaufen müsste, zu der ich durchaus das Eigenkapital hätte, wenn das Finanzamt auf meine Steuern verzichten würde, die es aber dazu braucht, mir später eine Grundhilfe und soziale Absicherung zu finanzieren, weil ja meine Altersversorgung von der Inflation und später dann von der Abgeltungssteuer aufgefressen wird, ich denke daran, dass ich, wenn ich einen handwerklichen Beruf gelernt hätte, morgen problemlos nach Österreich oder Polen auswandern könnte, weil ein Dachstuhl ein Dachstuhl ist und es völlig egal ist, wo er aufgestellt wird, aber da ich in der Finanzdienstleistungsbranche arbeite, eben nicht einfach auswandern kann, weil es in Österreich nicht das BGB gibt und in Großbritannien anglikanisches und nicht römisches Recht gilt und ich komplett umlernen müsste und dafür mit 50 Lenzen schon etwas zu alt bin, ganz abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe, was „Privathaftpflichtversicherung“ auf thai oder „Schadenersatzausfalldeckung“ auf polnisch oder „Unterversicherungsverzichtsklausel“ auf slowakisch heißt, ich also vulgo keine Chance habe, dieses wunderbare Fleckchen Erde hier als „schon immer hier Seiender“ zu verlassen und irgendwo „neu hinzu zu kommen“, was ich ziemlich scheiße finde, da mir dieser Staat und seine Politik böse auf den Schweif gehen, ferner überlege ich, was mich wohl gestochen haben könnte, weil, es juckt wirklich wie Sau und ich könnte mir im Moment die Haut in Fetzen vom Oberarm kratzen und wenn das, mitten im Winter, wirklich eine Stechmücke gewesen wäre, sie ungefähr jetzt die Größe einer Amsel haben müsste, es mit Sicherheit auch kein Flohbiss ist, da ich keine Haustieren halte und Menschen mit Haustieren meide und ich außerdem dann, so habe ich es vorhin bei Wikipedia auf dem Klo gelesen, mehrere Stiche in einer Linie haben müsste, was ich aber nicht habe, es aber auch keine Zecke gewesen sein kann, da ich freie Natur eigentlich nach Möglichkeit meide, was dazu führt, dass ich Übergewicht habe, was mich andererseits wiederum vielleicht sterben lässt, bevor mir das Geld aus der Rente komplett ausgegangen ist, womit sich wieder der Kreis zum Finanzamt und meinem erbärmlichen Kontostand schließt und zu einer tiefsitzenden Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation führt, die mir den Schlaf raubt. Außerdem muss ich, glaube ich, schon wieder pinkeln, weil mir Deine Hand auf die Blase drückt. So sieht das aus. Weitere Fragen?“

Die Antwort ist ein tiefes Schnarchen. Sie ist eingeschlafen. Wahrscheinlich läuft sie gerade von der Hagia Sophia zum Big Ben in Wien. Aber sie hat ja auch eine Gute-Nacht-Geschichte bekommen. Sie hat es gut. Sie kann schlafen. Ich nicht. Ich bin so wach wie ein Solartaschenrechner im Hochsommer.  Ich gehe raus auf die Loggia, zünde mir eine Zigarette an und schreibe mir meine Schlaflosigkeit von der Sssssss… wrkskrftl