Donnerstag, 14. Juni 2012

Tag 6: H-Day

Es ist kalt in Deutschland. Kalt und unangenehm, Der Wind treibt die Regenschauer über verödete Strassen. Es ist H-Day. Holland-Tag.

Gut, dass meine Frau den Doppelschirm für zwei Personen mit echtem Perlmut-Griff bestellt hat, so kann ich den in die Ecke stellen, weil ich sowieso nicht ´rausgehe. Stattdessen ist vorhin die Cheerleaderin eingetroffen, die meine Frau netterweise für das heutige Spiel bestellt hat., mit schwarz-rot-güldenen Pompons. Sie hat auch so Anfeuerungssprüche drauf wie „Mit Jogi Löw und Miro Klose geht die EM nicht in die Hose, wer wird Meister, ist doch klaa, Deutschland-Allemania“ oder auch „wir haben Lahm und Ihr habt Robben, drum werden wir Euch Deppen stoppen“, nicht so gut fand ich allerdings „Das war wohl ein Griff ins Klo, im Sturm spielt Gomez Mario“.

Als Vorgruppe des heutigen Spiels simulieren die Portugiesen mit den Dänen so etwas wie ein Fussballspiel. Die Dänen haben einen Sieg, die Portugiesen eine Niderlage auf dem Buckel. Dies bedeutet, dass wenn die Portugiesen heute unentschieden spielen, dann müssten die Dänen im letzten Spiel verlieren, damit die Holländer gegen die Portugiesen gewinnen, sofern sie heute verlieren. Wenn aber die Dänen durchsetzen, dass die Regel „drei Ecken gibt einen Elfer“ ab heute, 20.45 Uhr gilt, dann würde das bedeuten, dass Deutschland wenigstens im Elfmeterschiessen nach Verlängerung nicht Lukas Podolski an den Ball lassen darf, weil der schlechter Elfer verwandeln kann, als Robben, wobei er eigentlich alles nur schlechter als Robben kann und ich mich frage, was Jogi Löw geritten hat, diesen Ruhrpottparaolympioniken ausgerechnet nach Polen mitzunehmen, vielleicht hofft er ja, die behalten ihn da – aber jetzt bin ich abgeschweift in die Fussballarithmetik, entschuldigung.

In jedem Fall beginnen die Portugiesen so, als wären sie eine der Fussballmannschaften, die man bei diesem Turnier auf dem Schirm haben sollten und spielen netten und ansprechenden Fussball – oder das, was sie dafür halten. Für die erschrockenen Nordmannen, die wie die sprichtwörtlichen Nordmanntannen herumstehen, ist das eine böse Überraschung und sie kassieren aus Unfähigkeit und Entsetzen nach 24 Minuten (immerhin!) das 1:0.

Für die Dänen ist das jetzt eine Aufforderung. Leider hören sie diese nicht und die Portugiesen machen gut gelaunt nur 12 Minuten später das 2:0.

Den Portugiesen reicht das. Den Dänen reicht es jetzt. Während man sich in Portugiesien schon mit Häppchen und Käseigeln geistig auf die Halbzeit einstellt, macht irgendein Däne, keiner weiss wie, den Anschlusstreffer und es geht mit einem charmanten 2:1 in die Pause.

In der Halbzeit gibt der portugiesische Trainer die Parole „GEWONNEN“ aus und die Portugiesen ziehen sich infolgedessen selbstzufrieden in die eigene Hälfte zurück und selbst wenn sie auf Konter lauern sollten, so sieht man das nicht. Das ist jetzt etwas bräsig aus, Ronaldo nimmt eine warme Mahlzeit zu sich und die armen Dänen zappeln sich einen weg. Höhnisch vergeben die Portugiesen, wenn sie schon gelegentlich vors dänische Tor kommen, Großchancen en gros.

Bis zur 80sten Minute: da mogelt sich der kleine Däne Bendtner in einem unbeobachteten Moment zwischen ein paar portugiesische Abwehrspieler (das sind zu diesem Zeitpunkt 10 Mann) und locht zum Ausgleich ein.

Alles wieder offen.

Schade. Für die Portugiesen. Die ja schon gewonnen hatten. Jetzt rennen plötzlich beide Mannschaften wie die Gestörten, bis der portugiesische Trainer die ´nauze voll hat und einen No Name namens Varela einwechselt. Und weil der noch frisch ist, ist er auch ungestört und macht 7 Minuten nach dem Dänentor das 3:2. Das ist ungerecht, das ist Pech und das ist ärgerlich für die Dänen. Die Portugiesen holen am tragischen Schluss 3 Punkte.

Und Olli kahn kritisiert in der Spielpause Ronaldo, weil nicht der getroffen hat, die Flasche.

Danach das Kracher-Spiel des heutigen Abends: Geheimtipp Holland gegen Offizielltipp Deutschland, ein Fussballleckerbissen, ein ewiges Duell, eine ewige Rivalität, Orange gegen Schwarz/weiß, das ist Völler gegen Rijkjard (oder wie der Idiot geschrieben wurde), das ist WM 1974 und das ist – nun ja – etwas krampfig.

Gomez, die alte Flasche, die viel geweint hat wegen Frau Scholl, spielt von Anfang an das was, was er kann, nämlich gut aussehen und beide Mannschaften beginnen nervöser als ein Selbstmordattentäter, der in Badehose ein Schwimmbad sprengen will. Löw vertreibt sich die Zeit mit Kaugummi-Kauen und Balljungen ärgern, weil sich auf dem Platz nichts tut. Klar, ist ja auch Gomez im Sturm und Podolski auf dem Platz.

Das ändert sich in der 24sten Minute. Robben hatte soeben den dritten Ballkontakt und scheint, Gewohnheit ist Gewohnheit, Schweinsteiger den Ball zugepasst zu haben, der schiesst einfach mal drauf los, trifft den unglücklichen Gomez und der macht das 1:0. Tooooooor. Erste Silvesterraketen steigen auf, in der Ferne ist ein himmlischer Chor zu hören und mein Nachbar dreht das „Halleluja“ von Händel (nicht „Hendl“, wie fälschlicherweise oft geschrieben wird) bis zum Anschlag auf. Gomez, der Suoertyp, Gomez der Held, Gomez Fussballgott. Im ARD-Studio wird Scholl mit vereinter Kraft daran gehindert, sich die Pulsadern aufzuschneiden.

Aber damit nicht genug!

Plötzlich sieht es tatsächlich so aus, als wollten unsere Jungs das Spiel gewinnen und die erstaunten Niederländer sehen plötzlich Deutsche im Vorwärtsgang und schneller als Schrittgeschwindigkeit. Um das zu verhindern, werfen sie gelegentlich ein paar deutsche Spieler um, aber während 50% der Deutschen noch am Boden liegen, haben sie vergessen, Schweinsteiger und Gomez umzuwerfen und ausgerechnet die beiden machen in trauter Zweisamkeit das 2:0. Gomez, der Fussballgott, der Held der Helden, der Franz Beckenbauer der Nationalmannschaft, der Mann mit dem Fuße Gottes locht zum zweiten Mal ein. Klose beginnt, sein Trikot zu fressen, Mehmet Scholl wird erwischt, wie er sich an einem Balken im Studio zu erhängen versucht und aus der orangenen Resignation wird Verzweiflung. Ich habe ja immer an Gomez geglaubt. Immer!

Alleine: die Holländer haben es heute eher rustikal als spielerisch. Aus Zorn wird gefoult, was die Beine hergeben, getreten wie auf der Kneipp-Kur, nur Torschüsse – die sind rar. Die deutsche Verteidigung ist besser als die Heeresgruppe Kurland ´45 und die Holländer laufen sich ein- ums andere Mal fest.

So ein Lullenfussball schlaucht mit der Zeit. Und so versinken Jogis Jungs gegen Ende der Partie in einer kleinen Lethargie, was der Holländer Van Persie dreckig ausnutzt und 17 Minuten vor Schluss den Anschlusstreffer erzielt. Mit einem bösen Grantenschuss aus der Distanz.

Jetzt wird es noch einmal eng. Die Deutschen (außer Podolski, an dem die Partie mal wieder vorbeiläuft, irgendwie habe ich das Gefühl, die schneiden den da) rennen in Richtung holländisches Tor, jetzt nicht noch den Ausgleich fangen. Und so werden es noch sehr lange 17 Minuten, bis es mal wieder heißt: am Ende gewinnt Deutschland.

Oliver Kahn wird Kathrin Müller-Dingens nach dem Spiel fragen, was Gomez so weit hinten macht, er soll sich gefälligst in der Spitze aufhalten und redet damit das direkte Gegenteil von Scholl, der sich beschwerte, dass sich Gomez zu wenig um Aushilfe in der Abwehr bemüht. So viel zum Thema „Experten“.

Prügeln wir also ab jetzt auf Podolski ein, die alte Flasche.

Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn Mehmet Scholl sagt „die Impulse müssen aus dem Mittelfeld kommen“.

Kommentare:

  1. Hmmm..ging leider nicht weiter. Was seine Frau wohl noch gekauft hat?

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  2. ich find's auch schade, dass es n icht mehr weiter ging...

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  3. Ich habe wieder eingeschaltet, aber da war leider keine Mehmet Scholl mehr!

    Mit der Bitte um Weiterführung bis zum Finale!

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