Sonntag, 22. Juni 2014

Thilos WM-Tagebuch 2014, Zusammenfassung der Vorrunde vor den letzten Gruppenspielen

Zuerst einmal muss ich mich entschuldigen. Weil ich meinen Nachbarn wegen seiner blöden sechs Deutschlandfahnen am Citroen-Picasso ausgelacht hatte, hat er mich eine Woche in seinen Keller gesperrt, wo ich in der Endlosschleife Iran gegen Nigeria ansehen musste, und erst, nachdem ich gelobte, nicht mehr zu behaupten, Leute mit einem Deutschlandfähnchen am Auto hätten einen kleinen Penis, durfte ich wieder ´raus.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich wirklich draussen bin, denn im Moment simulieren Algerien und die andere Mannschaft da, wo alle Kim heißen, ebenfalls ein Fussballspiel, bei dem ich lieber Farbe beim Trocknen zu sehe, als diesem enttäuschend tranigen Ballgeschiebe. Da, eben hat der eine Motzlem ein Tor gestolpert. Gähn. Jetzt noch eines. Sind die Süd-Kims noch auf dem Platz?

Tja, was gibt es bis jetzt zu sagen? 

In der Gruppe A stehen Brasilien und Mexiko an der Spitze der Gruppe, Brasilien, weil es gnädige Schiedsrichter hat, Mexiko, weil die anderen noch viel weniger Fußball spielen können.

Insgesamt eine enttäuschende Gruppe mit einem bisher im Mittelmass versinkenden Titeltranspiranten, gönnen würde ich den Titel keiner der Mannschaften da. Begeisterter Fußball geht anders.

Die Niederlande und Chile führen überraschenderweise die Gruppe B an, nachdem sich die Spanier hartnäckig der Mitarbeit an dieser WM verweigert haben und, sind wir ehrlich, so endgeil war PipiKaka auch nicht, als dass man das noch einmal 4 Jahre hätte ertragen wollen, Geschichtlich war allerdings auch nichts anderes zu erwarten - die Spanier wurden schlicht einmal mehr aus ihren Kolonien geschmissen.

Überraschend bisher die Niederlande und erfreulich motoviert aufspielende Chilenen und die obwohl untergegangenen Australier, die sich zur Quali ja gegen Giganten wie Mikronesien oder Takatuka-Land durchsetzen mussten, haben wenigstens einen sympathischen Eindruck hinterlassen. 

Gruppe C hat sich hingegen als absolute Hammer-Gruppe herausgestellt. Gleich vier Nicht-Mannschaften sind hier vertreten, ich schwöre, bei jedem einzelnen Spiel bin ich eingeschlafen. Kolumbien führt die Gruppe mit 6 Punkten und 5:1 Toren an, was ein Armutszeugnis für die anderen Gruppenteilnehmer ist. Wenn es stimmt, dass die Leistung einer Nationalmannschaft die Wirtschaftsleistung des vertretenen Landes steigert, dann wird Griechenland auf Jahrzehnte hinaus europäischer Patient bleiben. Japan und die Elfenbeinküste sind auch mehr Spielplanfüllmasse als wirklich gute Teilnehmer. Wie schaffen es diese Mannschaften in so ein Turnier?

Spannend hingegen Gruppe D: Da ist mit England Deutschland schon der erste natürliche Fressfeind abhanden gekommen und wenn es Gott so will, dann werden die Italiener den Engländern zu recht hinterher fahren. Mauerfußball, Schwalben und wenigstens eine große Fresse - im italienischen Spiel hat sich seit 2000 nichts geändert. Allerdings hat auch Uruguay bisher eher debrilliert, einzig das als Kanonenfutter gedachte Costa-Rica zeigt den gemächlich Satten, wo der Hammer hängt. Ich würds den Costa-Ricaniern (however) gönnen, weit zu kommen. Und sähe auch lieber Uruguay als Italien weiter. Oder, um es mit Thomas Hajo zu sagen: "Irrtalien, Dein Walk hat mich bis jetzt nicht überzeugt". 

In der Gruppe E hingegen läuft alles wie erwartet. Die Franzosen führen souverän, die Schweiz und Ecuador haben pflichtgemäss die Hondurianer, oder, wie sie zu Hause heissen, "die Unbesiegbaren" kurz und gar nicht mal so knapp abgefertigt und der erste Verlierer steht auf jeden Fall schon fest. Allerdings spielt bei den Franzosen auch nur Benzema gegen den Rest der Welt, um es klar zu sagen. Trotzdem gönn ich den Schweizern das Weiterkommen, weil ich den Ottmar Hitzfeld mag.

Gruppe F - oder, wie wir sie hier intern nennen, die "Argentinische Punktelieferantengruppe". Die Argentinier müssen sich nicht wirklich Mühe gegen ihre harmlosen Trottelgegner geben und selbst da tun sie sich schwer. Die Bosnier sind blutige Anfänger, die Iraner blutige Außenseiter und Nigeria blutleere Fußballer. Ganz wenige Tore, ganz wenige spannende Szenen, Iran und Nigeria sind sogar so schlecht, dass sie gegeneinander nur ein 0:0 zusammengeblödelt haben. So wirds nix, mit der Weltmeisterschaft. Wenn die Gruppe F spielt - Leute, geht schwimmen oder essen, das Ergebnis steht morgen auch ohne verschwendete Lebenszeit in der Zeitung.

Unsere Gruppe, die Gruppe G, die "G-Group". "G" wie "Germany" oder "Grabbeltisch". Nachdem Jogis Bären ja die Portugalesier mit 4:0 vom Platz geföhnt hat, haben sie sich erstaunlich dämlich gegen die Ghanaiker angestellt und Miroslav Klose ist nach seinem Rekordtor beim Salto auf dem Arsch gelandet. Hoffentlich kein Omen für den Rest der Mannschaft. Klinsis Amis hingegen haben wiederum Ghana mit 2:1 weggeputzt, was logischerweise bedeuten würde, dass sie Deutschland besiegen müssten. Aber logisch wäre auch eine WM in England oder mal in den skandinavischen Staaten. Stattdessen geht es nach Katar. Von daher hat Deutschland durchaus Chancen, immer noch als Gruppenerster abzuschliessen, sofern Jogi sein Glückspopeln am Spielfeldrand nicht aufgibt. 

Überhaupt habe ich immer mehr das Gefühl, dass die Nationalmannschaft nicht nach Können (wer war noch mal Stefan Kiesling?), sondern nach Randgruppenproporz zusammengestellt ist. Wie die Ministerposten in der bayerischen Regierung. Wenigstens ein Farbiger, ein Bayer, ein Dortmunder, ein nativer Pole und wenigstens ein Moslem sowie ein nativer "irgendwas" müssen auf dem Platz stehen. Und ich wette, wenigstens ein Homosexueller. Damit alle Randgruppen vertreten sind. Über den Homo  können wir noch spekulieren, beim Rest ist es klar. Aber gut, solange sie treffen und uns Party bescheren, hat auch dieses Mannschaftsäquivalent zu Conchita Wurst seine Daseinsberechtigung. Allerdings, und das ist etwas schade, wurden unsere Jungs von "super" nach dem gestrigen Abend ja auch auf "nicht schlecht" zurückgestuft. Oder, wie der Fachmann sagt, "ein Dämpfer zur rechten Zeit". Haben sich aber auch wirklich gewehrt, die Ghanasen. Meint man gar nicht.

Last but least die Gruppe H. Was immer die FIFA dazu bewogen hat, diese traurigen Treter zu dieser WM zuzulassen - es müssen gigantische Summen gewesen sein. Die Belgier sind schlicht unfähig, langweilig und ohne Biss, die Russen ein trauriges Abziehbild einer Fussballmannschaft und Algerier und die Typen, die alle Kim heissen, haben bis zu ihrem Spiel gegeneinander auch nicht so richtig was auf die Beine gestellt. Aber wenigstens zwischen diesen beiden Häufchen Elend steht es im Moment 3:1, was bisher 40% aller Tore in dieser enttäuschend langweiligen Gruppe sind.

Mal sehen, wie diszipliniert ich diese Woche dranbleiben kann. Denn nur einer kann Worlds next Football-Champion werden. Nur einer bekommt den lukrativen  Werbevertrag mit Bitburger und darf aufs Cover des nächsten Kicker.

Sonntag, 15. Juni 2014

Thilos WM-Tagebuch - Tag 3

Mein Kaff verändert sich rapide. An den Fahnenmasten wachsen plötzlich deutsche Flaggen und ich habe das gefühl, Angela Merkl wird mein Nest bald besuchen. Die ganz Harten mit dem Monatsvorrat Bitburger erkennt man an wenigstens 4 Fähnchen auf dem SUV und wer keinen Fahnenmast hat, der hängt sich die Fahne eben aus dem Dachfenster.

Es ist nicht so, dass ich mich nicht auch auf das erste Spiel „unserer“ Mannschaft von Opportunisten freue, aber diesen klebrigen Patriotismus finde ich aufdringlicher als eine CSU-Veranstaltung in einem Bierzelt. Vielleicht schließe ich mich der örtlichen Dorfguerilla an und flagge mit holländischen Fähnchen...

Die langweiligste Mannschaft der Welt

Im ersten Match treffen der Geheimfavorit Uruguay auf den Geheimfavoriten Costa Rica, der so geheim ist, dass ihn nicht einmal die Costa-Ricanischen Spieler kennen.

Uruguay hat irgendwann, als Mussolini noch Staatschef von Italien war, mal die Weltmeisterschaft gewonnen und dann nochmal, als Adenauer Kanzler war, also so lange schon her, dass man sich fragt, warum die überhaupt Geheimtipp sind. Immerhin aber wurden sie gelegentlich mal Vierter und das scheint dann schon als Eintrittskarte in die Welt der „Großen“ zu reichen. Costa-Rica hat schon mal ein- oder zwei Spiele fast gewonnen. Das ist die Ausgangslage.

Am Anfang läuft alles erwartungsgemäß: Die „Urus“ machen nach einigem hin und her ihr Tor und stellen dann die Mitarbeit ein. Sie hängen in der eigenen Hälfte herum und versuchen, irgendwie die Zeit totzuschlagen. Ständig fliegt der Ball zum Gegenspieler, ins Aus, ins Publikum, halt irgendwohin, solange er nur nicht das eigene Tor trifft. So kann man auch über die Zeit kommen. Glauben die Urus. Insgesamt verbringen beide Mannschaften mehr Zeit neben als auf dem Platz. Ich bin zwischendurch eingeschlafen.

Costa-Rica hingegen verweigert sich dieser Anti-Haltung und kommt folgerichtig nach der Pause zuerst zum Ausgleich, dann zum Führungstreffer und während sich die Uruguayer erstaunt die Augen reiben, dass sie anscheinend verlieren, setzen die Kicker aus dem Zwergstaat in Mittelamerika noch einen drauf und gewinnen 3:1, was zumindest für Costa-Rica eine kleine Sensation ist. Aber Uruguay hat sich die Niederlage auch ehrlich verdient, die überschätzen Langweiler.

Rasenschach gegen Unfähigkeit

Die zweite Partie des Abends sieht den offiziellen Geheimtipp Italien gegen den anderen offiziellen Geheimtipp England. Beide Mannschaften sind schon öfte böse aufeinandergetroffen, die Italiener haben immer gewonnen – zumindest aber seit 1945.

Es beginnt wie erwartet. Zuerst einmal fallen die Italiener wie üblich reihenweise um, wenn ein Engländer an ihnen vorbeiläuft. Die wiederum geben sich ordentlich und redlich Mühe, das seit 2000 Jahren bekannte italienische „Carnaccio“ (was nichts anderes bedeutet, als hinten zu stehen, wahlweise den Gegner umzutreten oder sich selbst fallen zu lassen) zu knacken und erspielen sich ein- ums andere Mal gar nicht so schlechte Chancen, leiden aber immer noch unter der Krankheit, Tore nicht treffen zu können.

Die Italiener spielen derweil Rasenschach und kommen so in der 35sten Minute zum ersten Torschuss, der auch prompt reingeht und auch noch – surprise surprise – gegeben wird.

In dieser Situation sind die Blauen tatsächlich auch ein einziges Mal unorganisiert und prompt mogelt sich Sturridge nach vorne in den italienischen Schlafraum und gleicht aus.

Die Italiener bleiben sicher und entspannt. So etwas kann vorkommen. Auch in der Folge bieten sie das, was im Fachjargon „Leckerbissen für Taktikfans“ genannt wird, was bedeutet, dass sie sich den Ball zu schieben und behäbig bleiben. Keine Dribblings, keine Soli, simples und gefahrloses Querpassspiel und es bleibt ein italienisches Geheimnis, warum sich Balotelli, der Muskulöse, selbst so feiert, zumal er eigentlich völlig abgemeldet ist.

Und während sich die Italiener so entnervend aufreizend in Richtung englischen Strafraum bewegen, um sich dort fallen zu lassen, schläfern sie die Engländer ein, Balotelli kommt irgendwie zum Schuss und die Italiener führen wieder. Mit der zweiten Torchance.

Ich gebe zu – diese erschreckende Effizienz muss den Italienern erst einmal jemand nachmachen. Während die Engländer, die gegen Italien zum plötzlichen Sympathieträger (ähnlich wie Holland gegen Spanien) mutieren, eine Großchance nach der anderen vergeben, beschränken sich die Italiener auf kräftesparendes und an des Gegners Nerven zehrenden Ballgeschiebe und gelegentliches Rochieren.

Gut, gegen eine noch relativ junge und unerfahrene Mannschaft wie England genügt das heute und das Spiel endet zwar ungerecht, aber effizient mit 2:1 für Italien, die grinsend vom Platz gehen, während die Engländer das tun, was sie die letzten 90 Minuten getan haben: Wayne Rooney suchen.

War was?


Nachts um drei haben die Elfenbeiner die Japaner mit 2:1 besiegt, aber da habe ich geschlafen. Der Rest der Welt zu Recht auch.

Samstag, 14. Juni 2014

Thilos WM-Tagebuch 2014 - Tag 2

Je näher das erste deutsche Spiel rückt, desto aufdringlicher werden die Fähnchenträger. Auf den 10 Kilometern ins Büro kamen mir heute schon zwei Fahrzeuge mit Staatsbeflaggung entgegen – ein Corsa mit Rückspiegelfäustlingen und ein Mercedes mit Deutschlandstander statt des Mercedes-Stern. Beides ältere Fahrzeuge mit älteren Fahrern, die die Dinger wahrscheinlich an der Tanke für einen Kasten Bitburger gratis dazubekommen haben.

Überhaupt kann ich derzeit nicht einmal eine öffentliche Toilette betreten, ohne dass man da für fünf Mal Kacken unter dem Motto „Wenn der Druck hinten zu groß wird“ ein „Fanpaket für Sanifair-Benutzer“ bekommt. Fehlt das Toilettenpapier in schwarz-rot-gold. Apropos Schiss:

Schieße Drei, bekomme Eins

Im ersten Spiel der heutigen langen Nacht treffen die Mexikaner, „die gelegentlich gewinnenden Adler“, die als Geheimfavorit gelten , auf die Mannschaft von Kamerun, die bei sich zu Hause auch „die unbezähmbaren Löwen“ genannt wird und als Geheimfavorit gehandelt wird. Allerdings gilt da auch bereits ein Weg von unter einem Kilometer zum nächsten Wasserhahn als Fortschritt. Den Dompteur für die Löwen darf ein deutscher Trainer geben

Es gibt Spiele, die finden bei Regen statt. Und es gibt Spiele, die finden bei Flutlicht statt. Und es gibt Spiele, die finden in einer Sintflut statt. Das heutige Match gehört in die letzte Kategorie. Die Afrikaner, mit einem derart stolzen Namen, geben vor Spielbeginn die Schwimmflügel ab, es schifft wie aus Kübeln und bereits vor dem Anstoß sind sämtliche Spieler nasser als ein Kinderwaschlappen am Samstag Abend.

Die Afrikaner möchten es eigentlich eher geruhsam angehen, Regen kennt man in Kamerun nicht und möchte das ein wenig genießen, aber die Mexikaner verweigern sich. Bereits in der ersten Viertelstunde zeigt die „Goal-Control“ ganz deutlich, dass die Mexikaner den Ball über die Torlinie gebracht haben. Aber weil es so regnet, sehen die Schiedsrichter das nicht und haben Wahnvorstellungen von Abseitspositionen, weil es kein „Abseitsposition-Control „ gibt.

Während die grinsenden Kameruner locker auf dem Platz herumtraben, bleiben die Mexikaner diszipliniert und die „Goal-Control“ zeigt in der 30sten Minute schon wieder, dass der Ball über die Torlinie der Kameruner gerollt ist und wahrscheinlich ist es eine Trotzreaktion der Schiedsrichtergewerkschaft gegen das neue System, dass sie auch diesen Treffer wegen eines Phantomabseits nicht anerkennen.

Die Mexikaner kommen dann nach der turnusmäßigen Viertelstunde zu einem Pfostenschuss, der aber auch nicht gezählt hätte weil wegen Abseits. Wenigstens gibt es diesmal keine „Goal-Control“-Animation.

„Die unbezähmbaren Löwen“ gehen daher fröhlich, die „gelegentlich gewinnenden Adler“ etwas frustriert in die Pause, in der sich unter den Spielern kleine Pfützchen bilden.

Nach der Pause scheinen einige Kameruner Löwen realisiert zu haben, dass es doch um etwas gehen könnte und geben sich ein wenig mehr Mühe, ihr Tor zu machen, aber nachdem das auf Anhieb nicht funktioniert, fallen die Löwen wieder in einen mehr gemächlichen Trott, in der Gewissheit, unbezähmbar zu sein.

Pünktlich nach einer weiteren Viertelstunde schießen die Mexikaner wieder ins Tor und zur bösen Überraschung der Kameruner wird der Treffer diesmal gegeben, was nicht zuletzt auch die Mexikaner überrascht, die auch nicht mehr damit gerechnet hätten.

Der Rest ist noch ein relativ ödes Hin- und Hergekicke und zum Schluss sind die Löwen handzahm. 1:0 für Mexiko

Die Königlichen sind tot, es leben die Königlichen

Im zweiten Spiel des Abens treffen der amtierende Weltmeister und Geheimfavorit Spanien auf den amtierenden Vizeweltmeister und Geheimfavoriten Niederlande. Man darf also einiges erwarten, zumal Spanien nahezu unverändert zu den letzten beiden Titelgewinnen aufläuft. Wir freuen uns auf wunderbares Tiki-Taka, Ole-Gesänge und La-Ola-Wellen auf den Rängen, auf begeisterndes Kurzpassspiel und eine hohe Niederlage der Niederländer. Aber es soll alles ganz anders kommen.

Am Anfang läuft es so, wie es soll und wie es sich gehört. Die Spanier stürmen lustlos vor sich hin, machen ihr Elfmetertor und sind mit sich zufrieden.
Leider sind sie so zufrieden, dass sie beginnen, die Holländer zu ignorieren, die sich nach 40 Minuten in Erinnerung bringen und ausgleichen.

In der Pause gibt es bei den Spaniern Häppchen, denn auch ein Unentschieden wäre in Ordnung und außerdem sind sie gesetzter Favorit wie schon seit 2008, da kann man schon beruhigt in die zweite Halbzeit gehen.

Aber nicht bei den Holländern. Die sinnen auf Rache und hätte es bei den Spaniern Geschichtsunterricht gegeben, dann hätte man dort ahnen können, dass es seit 500 Jahren ein holländisches Hobby ist, den Spaniern in den Arsch zu treten.

Und genau das passiert in der zweiten Halbzeit.

Während die Spanien immer noch deutlich entspannt mit ihrem Kurzpassspiel über den Platz traben, haben die Holländer anscheinend Blut gerochen und Robben macht in der 52sten Minute überraschend das 2:1. Es riecht nach einer ärgerlichen Niederlage, aber noch ist ja Zeit. Zeeeiiiit.

Endlich kommt Stimmung in die Bude. Die Holländer ihrerseits haben anscheinend beschlossen, sich für das Endspiel 2010 zu rächen und heben über lange Pässe über die Köpfe der kleinen Spanier hinweg ein ums andere Mal hohe und weite Pässe, denen die spanischen Stars konsterniert nachsehen.

Nach der nächsten Ecke springt ein Holländer den konsternierten spanischen Torwart Cassillas an und de Vrij locht zum 3:1 ein. Und was bisher nach einer ärgerlichen Niederlage aussah, sieht jetzt nach einer klaren Niederlage aus.

Spanisches Aufbäumen, irgendwie zappeln sich die Spanier noch einmal vor das Tor, schaffen es aber nur, aus dem Abseits einzuschieben, was berechtigterweise nicht gilt und während sich die spanische Armada wie weiland im Ärmelkanal verzweifelt zu sortieren versucht, vergreift sich Casillas nicht nur im Ton, sondern auch im Ball sortieren, wird von van Persie ausgespielt und kann nur noch traurig dabei zusehen, wie eigentlich sein Ball, wunderbar bestätigt von „Goal-Control“, hinter die Linie seines Tores kullert. Und was bisher nach einer klaren Niederlage aussah, mutiert zur hohen Niederlage.

Dieses Tor wird den Widerstand der Spanier endgültig zernieren. Es herrscht bei den Spaniern jetzt mehr nackte Angst und blanke Panik als unter Hühnern, in deren Stall ein Wolfsrudel eingefallen ist.

In einer wunderbaren Aktion schiebt in dieser Phase der sich anscheinend auf einem persönlichen Vergangenheitsbewältigungskreuzzug befindliche Robben den Ball zum 5:1 ein und was bisher nur eine hohe Niederlage war, wird zum Desaster.

Die Spanier sind komplett zerlegt, ein rauchender Trümmerhaufen, eine Schande für ihr Land, während feixende Holländer anscheinend immer noch nicht genug haben und weiter auf den bedauernswerten Cassillas einrennen und nur die Latte und ein gnädiger Schlusspfiff retten die Spanier davor, statt eines Desasters eine Apokalypse zu erleben.

Mit dem Schlusspfiff verlässt eine einstmals unschlagbare Weltklassemannschaft wie geprügelte Hunde mit eingeklemmtem Schwanz das Feld. Ein fast schon tragischer Abgang, wären da nicht Holländer, die den Sieg wie einen WM-Sieg feiern – der ihnen in dieser Form durchaus zuzutrauen ist.

Im Westen nichts Neues

Im letzten Spiel des Abends stehen sich der Geheimtipp Chile und der Geheimtipp Australien gegenüber, die schon gegen so grandiose Mannschaft wie West-Samoa, Osterinseln-Ost und Takatuka-Land Triumphe feiern konnte.

Ich hab mir nur die erste Halbzeit angesehen, da war dann schon klar, dass die durchaus sympathischen Aussis gegen Chile nicht wirklich etwas reißen werden. Die sind halt auch mit dabei, dürfen auch mal zur WM, waren sowieso nur mit kleinem Gepäck angereist und werden folgerichtig von den Chilenen mit 3:1 fertig gemacht und deren Fans ungefähr 99% des Publikums ausmachen – und zwar inklusive der Servicekräfte.

Die Aussis tun mir etwas leid, die treten aber trotzdem mit der Gewissheit ab, nicht so wie Spanien zerlegt worden zu sein, was ja auch ganz nett ist. Ich gehe ins Bett und bin gespannt, ob ich mein Grinsen morgen früh immer noch auf dem Gesicht habe.

Schalten Sie also auch morgen wieder ein, wenn es heißt „Die Mannschaffft ffffft bereided sisch högscht konschendrierd gäge Bortugall voor un ob där Manuäl fffft schbiele kann, desch enscheided sisch erscht in letschder fffft Minude“.



Freitag, 13. Juni 2014

Thilos WM-Tagebuch 2014 - Tag 1, abends: Brasilien vs Kroatien

Ich wollte an dieser Stelle eigentlich die Eröffnungsfeierlichkeiten kommentieren, habe es mir aber dann anders überlegt. Dann habe ich aber nachgedacht und gefunden, ich solle doch etwas dazu sagen. Denn was der Dings recht ist, ist mir billig. Also aufgemerkt: Ja, war nett. Kann man lassen. Wenigstens haben keine Russen die komplette brasilianische Geschichte nachgetanzt, was allerdings sowieso kurz gewesen wäre.

Im ersten des Spiel dieser überragenden und so ersehnten WM treffen der Gastgeber Brasilien und der Geheimtipp Kroatien aufeinander und egal, was bei dieser WM auch passieren mag: die Braslianer werden auf keinen Fall nach Hause fahren. Weil sie schon da sind.

Die Kroaten gelten ja als eine sehr unangenehme Mannschaft, was aber nicht daran liegt, dass sie zum Großteil aus unangenehmen Menschen bestünde, sondern daran, dass sie hässliche Trikots haben. Auffallend übrigens: wenn die Spieler eingeblendet werden, dann drehen sich da alle um und verschränken die Arme. Wird das jetzt neue Mode?

Nachdem es die Kroaten durch die eigens für sie eingerichteten Waffenkontrollen geschafft haben, dürfen sie ihrer Rolle als gedachtes brasilianisches Kanonenfutter gerecht werden, denn bereits nach 10 Minuten schießen die Brasilianer das erste Tor. Allerdings auf der falschen Seite und während die Kroaten noch feiern und der brasilianische Torwart den Ball zwei Meter hinter der Torlinie aus dem Netz fischt, zeigt sich, dass „Goal Control“ tatsächlich funktioniert, denn eine Computersimulation (oder was immer das auch war) bestätigt, dass der brasilianische Torwart zu Recht ein trauriges Gesicht macht.

Der Torschütze Marcelo schießt somit nicht nur das erste Tor dieser WM, sondern das erste Eigentor Brasiliens ever bei einer Weltmeisterschaft und geht so in die Geschichtsbücher ein. Schätzungsweise kann er dies nur durch den Siegtreffer im Endspiel wieder wett machen. Wenn es denn so weit kommt.

In der Folge feiern die Kroaten, während die Brasilianer in der vierundzwangzigsten Minute die gelbe Karte gegen Neymar mit dem Schiedsrichter auszudiskutieren versuchen und einen kleinen Knäuel bilden. Das ganze stellt sich aber als gut gemachter Bluff heraus, denn während die Kroaten noch nach ihren beschlagnahmten Waffen suchen, gleicht der eben Verwarnte aus Rache auf 1:1 aus.

Im Anschluss mühen sich die Brasilianer redlich und wehren sich die Kroaten mit dem Mut der Verzweiflung und zu meiner Überraschung ist Olic, der älteste der kroatischen Feldspieler (sagt Bela Rethy) auch der agilste und taucht mehr als einmal zum Entsetzen der brasilianischen Verteidiger vor deren Strafraum auf.

Nach dem Seitenwechsel zappeln und wackeln sich die Brasilianer einen ab, scheitern aber immer wieder an den Kroaten und wenn man die Augen zusammenkneift, sieht es ein wenig so aus, als würde der BVB gegen die Bayern spielen.

In der 69sten Minute schließlich verlassen einen Brasilianer die Kräfte und er sinkt ermattet zu Boden. Da er dies aber im kroatischen Strafraum tut, bekommt Brasilien einen Elfmeter geschenkt. Und weil die Kroaten heute kein Glück haben, kommt noch Pech dazu, denn der kroatische Torwart hält. Fast jedenfalls, denn der Ball geht doch rein, die WM hat gleich im ersten Spiel ihren ersten Skandal, ich wünsche mir ein „penalty-control“ und der japanische Schiedsrichter verliert für den Rest des Spiels die Bezeichnung „Unparteiischer“.

Obwohl sich die Kroaten wirklich und ehrlich bemühen – aber gegen Brasilien und den Schiedsrichter ist das brotlose Kunst. Folgerichtig machen die Brasilianer versehentlich noch das 3:1 in den letzten fünf Minuten und die Kroaten können zumindest Sachen, die sie nicht GANZ DRINGEND brauchen, bereits wieder packen.

Insgesamt ein munteres Spiel, die Brasilianer haben 4 Tore geschossen, die Kroaten 3 kassiert und wenigstens in Sao Paolo kann heute Abend gefeiert werden.

Morgen geht es dann weiter mit dem Geheimtipp Mexiko gegen den Geheimtipp Kamerun und ich schalte ab, als Oliver Welke herumzuexperteln beginnt. Und womit schalte ich ab? Mit Recht. Ich will keine 20 Kameraperspektiven für ein Tor. Drin ist drin.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Thilos WM-Tagebuch 2014 - Tag 1, morgens: Heute geht’s lohoooos...

Jaaaaa, hurra, es ist wieder so weit. Die Hausmesse des internationalen Fußballs findet wieder statt, die Menschen rund um den Fußerdball waren schon so gelangweilt, dass sie sich gegenseitig mit Kriegen überzogen haben. Zumindest da, wo das Fußballspielen aus religiösen Gründen verboten ist.

Die Fifa hat es gut gemeint, aber „fußballverrückt“ mit „fußballübergeschnappt“ verwechselt und diese WM versehentlich ins Mutterland des Fußballs, nach England vergeben. Leider hat sie das nicht kommuniziert, weswegen sich die Völkerballspieler der Welt in Brasilien getroffen haben. Die Bevölkerung dort freut sich derart, dass sie immer wieder spontan Freudenfeuer entzündet. Aus Reifen, Autos, Häusern oder Polizisten.

Ich für meinen Teil muss sagen, dass dies für mich die pessimistischste WM meines bisherigen Lebens ist und tendenziell nur noch von der WM in Katar getoppt werden wird: Jogi Löw ist immer noch Trainer, Podolski immer noch ein „Talent“ und Klose immer noch aktiv. Es scheint sich bei unserer Mannschaft weniger um eine Nationalmannschaft als vielmehr um Jogis Freundeskreis zu handeln. Wenigstens haben die Leute darauf verzichtet, einen WM-Song einzuspielen. Und Ballack ist immer noch nicht wieder Kapitän. Aber vielleicht gestattet es die Fifa mit etwas gutem Zureden ja, den deutschen Spielern die Benutzung sogenannter „Gehfreis“ zu gestatten.

Aus diesem Grunde habe ich mich dieses Jahr nur am Rande mit so brennenden Fragen wie hängenden Achtern, falschen Sechsern, Doppelnullen, Dreikäsehochs, Mittelfeldrauten, Angriffsdreiecken und der kalten Schulter von Manuel Neuer beschäftigt. Ich tippe auf Viertelfinale und dann Rückflug, es sei denn, es ginge gegen England, weiß aber, dass ich mir vermutlich in 14 Tagen erstaunt die Augen reibe, weil sich Jogis Jungs anyhow ins Halbfinale getaumelt haben. Wo sie auf Italien treffen werden.

Jeder, der behauptet, Deutschland könne Weltmeister werden, sollte sich umgehend auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen und Co-Moderator im ZDF werden. Machen wir uns nichts vor: Löw legt augenscheinlich mehr Wert auf Außenwirkung als auf spielerische Klasse. Wer es nicht glaubt, der mag Stefan Kießling fragen. Aber sie haben ein nettes Hotel in Brasilien mit vielen lustigen Insekten, die da wohnen.

Was wird uns sonst noch erwarten? Oliver Kahn. Oliver Kahn wird wieder herumanalysieren, wenn Mehmet Scholl verhindert ist. Beckenbauer dürfte bei Jauch vor sich hin experteln und Urs Meyer die Schiedsrichterallzweckwaffe sein. Und wenn es blöd läuft, dann müssen wir auch Waldemar Hartmann wieder ertragen. Oder, schlimmer, Lothar Matthäus.

Die Kanzlerin wird sich wieder, hihihi, im rosa Glücksblazer ausgelassen freuen (sie wird lächeln), Löw wieder beim Nasenbohren erwischt werden, Maradona kurz beim Heulen zu sehen sein und gebe der Fußballgott, dass wir auf die USA treffen und gegen Klinsis Showtruppe gewinnen.

Und da die Türkei nicht mitspielen darf, müssen wir dieses Jahr auch keinen Bürgerkrieg fürchten. Allerdings müssen wir auch wieder alle Spiele in voller Länge gucken und nicht immer nur die letzten 5 Minuten, in denen die Türken traditionell ihre Tore machen. Außerdem werden die Italiener wieder wie die Kegel im Strafraum fallen, die Engländer „die beste Mannschaft aller Zeiten“ haben, die Niederländer unsympathisch sein und weiterkommen, übrigens im Gegensatz zu den Australiern, bei denen es umgekehrt sein wird. Sämtliche „Geheimtipps“ werden nach der Vorrunde nach Hause fahren und das könnte durchaus Deutschland einschließen, ferner werden wir die Kroaten bei ihrem 11-0-0-0 System bewundern können.

Ansonsten gibt es dieses Jahr das „Goal-Control“-System, das ganz klar anzeigt, ob der Ball im Tor war. Wenn sie Strom haben, was in Brasilien nicht immer so ganz selbstverständlich ist. Ansonsten raten wir einfach wieder.

In diesem Sinne verspreche ich hiermit, mir ab Viertelfinale diese lustigen Rückspiegelfäustlinge in den Nationalfarben an den Renault zu hängen und mich so in das große Heer der „we support our troops in Brasilia“-Anhänger einzureihen. Aber erst dann. Es gibt nämlich Dinge, die sogar mir peinlich sind.

Montag, 2. Juni 2014

Geschichten aus der Gruft

Also das war so: eine sehr gute Bekannte drückte mir eine mysteriöse Einladung in die Hand, auf der stand „Mitbring-Party – jeder bringt jemanden mit, der nicht sein Partner ist“. Und „Beginn 22.00 Uhr im Laser-Tag-Zentrum“ stand drauf. Und „Eintritt 20,- €“. Wobei nicht klar war, ob das der Eintritt pro Person oder für beide zusammen oder der Beitrag für die Pflegeversicherung jedes Besuchers sein sollte.

Nachdem ich meiner Bekannten meiner Ansicht nach noch einen Gefallen schuldete, fragte ich an, was da passieren würde und sie meinte, ich solle mich überraschen lassen und Getränke und Essen wären frei, was ich auf jeden Fall schonmal cool fand, weil, wenn´s nix ist, dann könnte ich ja wenigstens den Gegenwert des Eintritts essen. Also erklärte ich meiner Frau sehr wortreich, warum ich sie leider nicht mitnehmen könne, obwohl sie mir in einem Moment geradezu rührender Naivität anbot, mir einen Kartoffelsalat mitzugeben, was ich aber ablehnte, da ich für 20 Euronen nicht auch noch mein Essen mitbringe. So etwas mache ich aus prinzipiellen Erwägungen heraus nicht! Außerdem bestand vielleicht die Möglichkeit, dass ich zum Tanzen käme und das einzige Mal, dass ich meine Frau tanzen sah, war, als der Jüngste Nasenbluten auf der neuen Couch bekam.

Ich habe also meinen Geschäftspartner mitgenommen, was nur so halb gemogelt war, da ich heterosexuell bin, er also nicht wirklich mein Partner in einem sexuellen Sinn ist. Der ist ungefähr gleich alt wie ich, zusammen brachten wir jedenfalls ganz hart 100 Lenze auf den Kalender. Wir trafen uns mit den Autos außerhalb, er fuhr dann zu jenem sympathischen kleinen Shooting-Center, somit konnten wir beide schonmal keinen Alkohol trinken. Was ein Glück war.

Wir kamen gerade rechtzeitig, um beim Aufbau des Buffets zuzusehen, wir waren also, mit anderen Worten, zu früh. Ich habe mir so einen seltsamen Gummibärensaft a lá Red Bull geschnappt, weil das noch das Zeug mit dem wenigsten Zuckergehalt war, weil man da als Diabetiker aufpassen muss, und da dann der Dinge geharrt, von denen ich mich überraschen lassen sollte.

Ich vermute nun Folgendes, und von der Idee her war das ja auch nicht schlecht: Meine Bekannte wollte eine Art 80er-Jahre-Disco simulieren, mit guter alter 80er-Jahre-Musik. Das Problem dabei war aber, dass da auch nur 80er-Jahre-Leute eingeladen waren. Und die bewegen sich nun einmal heute zwischen 40 und scheintot. Auch, wenn der Versuch meiner Bekannten aller Ehren wert war – sie hat anscheinend das Phlegma ihrer Altersgenossen, um 10 Uhr Nachts noch einmal auf eine Party zu gehen, sauber unterschätzt, denn da schlafen die meisten Mittvierziger schon, wenn sie nicht mit Fernsehgucken beschäftigt sind. Aber nichtsdestotrotz tröpfelte mit der Zeit ein wackeres Häufchen Partywilliger ein. Hurra. Es nutzt ja alles nix, wir müssen drüber reden.

Lasst es mich so sagen: ich würde gerne in Würde altern. Ich fand die 80er klasse, ich habe da auch wenig ausgelassen und ich höre die Musik immer noch gerne. Im Auto. Vom Ipad. Aber jetzt ist es 2014 und ich habe Übergewicht und Falten und sehe weit weit weniger attraktiv aus als 1984, wenn gleich ich mutmaßlich an jenem Abend noch der Typ mit den meisten echten Haaren auf dem Kopf war. Oder, anders: die meisten Herren waren kahlrasiert, was aber nicht daher kam, dass sie Nazis waren, sondern dass Mann heute den berühmten „Haarkranz“ nicht mehr stehen lässt. Da standen nun also diese gealterten Deoroller mit so Angeberfreizeithemdchen von Jockey oder Boss um mich herum und ich wette, die, die von zu Hause keinen Kartoffelsalat mitbekommen hätten, hatten dafür aufgrund ihrer Promiskuität Geschlechtskrankheiten dabei. 

Und dann waren da die Görls. Ich bin sicher, die anwesenden Damen waren 1984 der Kracher. Das waren damals bestimmt echte Fackeln, Göttinnen, die ich mutmaßlich nie angesprochen hätte, Königinnen des Ballsaals, Herrscherinnen der Nacht, Ruler of the Dancefloor, Predigerinnen der Wollust bei 120 beats per minute, Frauen, für die ich mir den Arm hätte ausreißen lassen (was irgend so ein Arsch ´84 tatsächlich mal probiert hat), wenn sie nur einmal mit mir ausgegangen wären, geschweige denn in der Kiste gelandet wären. 

Aber 1984.

Jetzt ist 2014.

Das sind 30 Jahre mehr. Die machen was aus. Die verändern einen Menschen. Es nutzt nix. Das ist so. Und es ist nicht schön, was die Schwerkraft mit uns Menschen so anstellt. Das Leben hat uns alle gezeichnet. Manchmal mit Wachsmalkreide. Und ohne Radiergummi. Da geht es zur Sache. Auf der improvisierten Tanzfläche schafft es auch ein knallhart nach unten gedämmtes Licht nicht, bei „Thriller“ den Eindruck zu vermeiden, dass da tatsächlich Zombies tanzen. Das ist altes, welkes Fleisch, das da zittert. Ich weiß, das ist nicht nett und nicht fair, aber es ist leider die Wahrheit, Was will ich machen? Ich wusste schon, warum ich nicht tanzen gehen will. Das sieht idiotisch aus, wenn ein alter dicker Mann das Fett schwingt, wo früher seine Hüften waren. Ich weiß das. Ich sitze lieber an einem Tisch, trinke Kaffee und gebe schlaue Sprüche von mir. Das darf ich machen, mit 47. Aber nicht herumhopsen. Auch nicht zu Depeche Mode. Das sieht ungesund aus. Und was mit 30 noch lustig anzuschauen war, ist ab 45 nunmehr dramatisch zu nennen.

Meine Bekannte forderte mich zum Tanzen auf, was jetzt euphemistisch ausgedrückt war. Vielmehr jagte sie mich durch den Schuppen, gemeinsam mit noch zwei anderen IT-Girls aus der Reihe der Geschiedenen, bis sie mich auf der Tanzfläche einkreisten und ich halt nolens volens einen Discofox zum besten geben musste, weil das die einzigen Tanzsschritte sind, die ich noch kann. Dafür schwitzte ich mir die Klamotten durch und bekam Applaus und ein Groupie.

Mein Groupie hatte die 40 schon lange hinter sich gelassen und dürfte einen Promillepegel adäquat zu seinem Alter gehabt haben und war, so schien es mir, ziemlich riemig und konfrontierte mich schlagartig mit dem Thema Alterssexualität. Nun finde ich es ja grundsätzlich nett, trotz „dem ein- oder anderen Pfund zu viel“ noch angeschmachtet zu werden – aber doch nicht..., ich meine..., das war nicht „Jeff, ich heisse Jeff“, sondern „Oma machts“ und das hat mich, ich gebe das zu, sehr verstört. Auch mein deutlich sichtbarer Ehering scheint kein Signal gewesen zu sein oder wurde übersehen oder ignoriert oder was weiß ich, auf jeden Fall hat mir die alte Frau Angst gemacht. Ich wollte dann heim. Man bereut zwar am Lebensende immer das, was man nicht getan hat – aber es gibt Ausnahmen!

Mein Kollege war zwar auch noch am Flirten, aber er war dann doch so nett und hat Rücksicht genommen und mich zum Auto gefahren. Ob er danach zurück ist, werde ich nie erfahren – aber ich war froh, wieder in meiner vertrauten, sicheren, intellektuell einwandfreien und weiblich höchst attraktiven Umgebung zu sein. Wenngleich mit Kartoffelsalat. Aber „scharfe Frauen“ hatte ich in den 80ern genug und diejenigen, die mich damals nicht wollten – jetzt, wo Ihr alt seid, braucht Ihr auch nicht mehr kommen. Chance verpasst!

Montag, 20. Januar 2014

100 Regeln, wie man ein einem Fantasy-Film oder Spiel überlebt

1) Nimm nie ein Drachenei mit nach Hause – niemals. Drachen reagieren auf Eierklau unentspannt
2) Wenn Du einen Ring findest – wirf ihn weg. Zieh ihn nicht an und spiele nicht damit herum, wirf ihn einfach weg. Husch.
3) Zwerge bindest Du bei weiten Strecken am Besten auf ein Pferd – oder auf den Stärksten Deiner Gruppe
4) Wenn Du den Verdacht hast, ein Weib könnte eine Hexe sein – dann ist sie das mit 90%tiger Sicherheit auch. Töte sie, 10% Kollateralschaden sind angemessen.
5) Schau nie in einen Palandir und fasse ihn auch nicht an: er schaut zurück, das ist anders als ein Fernseher. Tut aber genauso weh.
6) Wenn Dir jemand erklärt, „hier bist Du in Sicherheit“ - lauf, so schnell und so weit wie Du kannst!
7) Die Typen mit den spitzen Ohren sind Elben – keine Vulkanier. Die haben es auch nicht mit Logik, sondern mit sehr spitzen Pfeilen. Wenn sie nicht Deine Verbündeten sind - lauf!
8) Bitte keinen Drachen, Dir „mal Feuer“ für Deine Pfeife zu geben, außer, Du willst gegrillt werden
9) Wenn Elben wie betrunken vor sich hin nuscheln, dann sprechen sie wahrscheinlich gerade einen Zauberspruch. Schlag zu, bevor sie fertig sind
10) Zwerge werden nach dem Genuss von Alkohol nicht geselliger, sondern ungeschickt. Fessle sie, wenn Dir Deine Einrichtung lieb ist
11) Wenn Dir der Bösewicht erklärt, „beim nächsten Mal“ werde er keine Gnade zeigen – sei unbesorgt. Der Typ ist zu weich – warum hätte er Dir sonst dieses mal Gnade gezeigt, die Lusche?
12) Es ist vollkommen sinnlos, mit Orks eine Streitigkeit auf sachlicher und intellektuell-akademischer Ebene ausdiskutieren zu wollen.
13) Bevor Du das Artefakt von dem unzugänglichen Berggipfel holst, schau, ob Du nicht einen anderen Dummen damit beauftragen kannst.
14) Solltest Du in Deiner Gruppe einen lustigen und niedlichen Gesellen als Sidekick haben – töte ihn. Er nutzt Dir nicht wirklich und geht Dir nach 10 Kilometern nur noch auf die Nerven.
15) Besteige Deinen Flugadler nie von hinten. Vögel haben keine Schließmuskel.
16) Wenn Du ECHTE Orks kennenlernen willst – dann buche beim nächsten Heimspiel der örtlichen Bundesligamannschaft einen Stehplatz in der Fankurve.
17) Gehe nie in geschlossene Minen oder verbotene Keller – es hat seinen Grund, dass man sie verschlossen hat.
18) Nur sehr große Spinnen weben sehr große Netze. Wenn Du also ein sehr großes Netz siehst – geh davon aus, der Bewohner des Netzes wird schlecht auf Dich zu sprechen sein. Lauf!
19) Wenn Dein Schwert die Farbe wechselt, wenn ein Feind in der Nähe ist – dann kannst Du das dann nicht sehen, wenn Du es in der Scheide hast.
20) Die Person Deiner Gruppe, die die die Heilzauber kann, schickst Du als Erste gegen die Monster – die Du dann erledigen kannst, während sie sich über die leichte Beute hermachen.
21) Vergewissere Dich, dass der Typ, der sich Dir als Zauberer anschließen will, auch wirklich einer ist. Kartentricks gelten nicht. Lass ihn Geld zaubern, das ist immer sinnvoll.
22) Wenn Dich jemand bittet, den Müll herauszubringen, dann ist das schlicht Terror und keine Nebenquest.
23) Du kannst kein Krieger durch „learning bei doing“ werden. Wenn Du kein Krieger bist, dann beschränke Dich darauf, Zivilisten, Unbeteiligte oder Hobbits zu meucheln.
24) Trinke Zaubertränke nur dann, wenn Du den Beipackzettel oder den Heiler oder Magier Deiner Wahl ausführlich zu Risiken und Nebenwirkungen befragt hast. Das Zeug nennt sich nicht umsonst „Zaubertrank“.
25) Wenn Die Hintergrundmusik in eine Moll-Tonart wechselt – kehre um. Es steht Dir Ärger bevor
26) Bitte die leicht bekleideten Frauen Deiner Gruppe, sich was überzuziehen – die Erwartung, dass sie sich im Kampf einen Busenblitzer leisten, lenkt Dich von Deinem Gegner ab.
27) Jemand, der Dir anbietet, an seiner Seite das Königreich/die Welt zu regieren, ist gar nicht so stark. Warum würde er sonst einem Typen wie Dir so ein Angebot machen?
28) Das alte Schwert des Vaters/Königs ist genau das: alt. Es wird nicht schneiden und wahrscheinlich zerbrechen. Lass Dir lieber ein neues schmieden.
29) Solltest Du unbedingt einen Dieb in Deiner Gruppe haben wollen – beschwere Dich nicht, wenn hinterher was fehlt. Beispielsweise die Beute oder das Artefakt. Diebe handeln ausschließlich aus finanziellem Interesse. Wahrscheinlich wird er auch Deine Gruppe an den Feind verraten. Zu Recht!
30) Lockere Sprüche während eines Kampfes wie „hoppla“ oder „ist das alles?“ machen einen Gegner nur unnötig aggressiv. Konzentriere Dich lieber auf den Kampf.
31) Wenn das schlimmste Schimpfwort, das Dir ein Dämon oder Bossgegner entgegenschleudert, „Du törichter Narr“ ist – schlag ihn tot. Wenn er nicht einmal bessere Schimpfworte als Dein dreijähriger Bruder drauf hat, dann ist er kein Gegner!
32) Pfeile sind gegen Skelette sinnlos – hier tut es allerdings ein handelsüblicher Entkalker in einer Kinderspritzpistole.
33) Solltest Du auf einen Typen mit lustigen Knubbeln im Gesicht treffen, dann handelt es sich entweder um einen Pestkranken, einen Ork oder einen Klingonen. Im letzteren Fall hast Du Dich im Genre verlaufen und solltest zurück gehen, in den beiden anderen Fällen töte ihn.
34) Sollte Dich ein Fremder mit den Worten „ich habe eine wichtige Nachricht/ein Geheimnis, das Dich interessieren könnte, aber...“ belästigen – diskutiere nicht lange herum, sondern prügle die Information einfach aus ihm heraus. Er ist nicht in der Position, Forderungen zu stellen.
35) Sofern Du in Drachenblut badest – nimm eine zweite Person mit, die Dich auf Lindenblätter oder Ähnliches untersucht.
36) Wenn Deine Festung mit Katapulten und Ballisten beschossen wird, dann bleib nicht wie ein Ölgötze auf dem höchsten Turm stehen, sondern suche einen adäquaten Schutzraum auf.
37) In diesem Zusammenhang: sich gegen ein sich nach innen öffnendes Tor zu stemmen ist in etwa so sinnvoll wie der Versuch, Wasser auszupeitschen. Flieh!
38) Ein Einhorn erlegst Du am Besten mit einer automatischen Schusswaffe. Hast Du keine zur Hand – vergiss es einfach.
39) Kleinere Feen machen sich hübsch in Einmachgläsern auf dem Wohnzimmerboard.
40) Wenn Du eine Frau triffst, die Frösche küsst, dann sucht sie wahrscheinlich einen Prinzen, auf jeden Fall aber ist sie geisteskrank. Lass die Finger weg.
41) Wenn Dir irgendjemand erzählt, Du seist der „Auserwählte“, lass ihn ausreden und höre Dir die komplette Prophezeiung bis zum Ende an.
42) Sollte die Prophezeiung sagen, dass der Auserwählte zwar die Welt rettet und den Bösewicht besiegt, dabei aber verstümmelt oder getötet wird, dann überzeuge den Dümmsten Deiner Gruppe, dass mit der Prophezeiung nur er gemeint sein könne.
43) Sofern Dir an einem ganz normalen schönen Sommertag unerwartet ein Zauberer begegnet – schmeiße ihn raus oder geh selbst, wenn Du keine strapaziöse und gefährliche Reise mit ungewissem Ausgang machen möchtest.
44) Wenn Du ein altes, wertvolles, geheimnisvolles und seltsames Amulett oder Erbstück findest – verkaufe es auf ebay und experimentiere nicht damit herum, sofern Dir Dein bisheriges Leben lieb ist.
45) Wenn die Beschwörung Jungfrauenblut verlangt – dann meint der Beschwörungszauber auch Jungfrauenblut und kein Substitut wie Hühnerblut, Ketchup oder Lebensmittelfarbe
46) Sollte die Beschwörung wirklich unbedingt nötig sein und Du unbedingt Jungfrauenblut benötigen, dann wende Dich an das orientalisch anmutendste Mitglied Deiner Gruppe und frag es, ob eine Schwester hat.
47) Falls sich jetzt Deine Freundin meldet und die Beschwörung nicht funktioniert, dann hast Du umsonst wegen „des ersten Mals“ gewartet...
48) Nimm grundsätzlich nicht-tropfende Kerzen, wenn Du den Rest des Adventures nicht damit verbringen willst, Wachs von den Möbeln zu kratzen
49) Sollte ein Mitglied Deiner Truppe während des Marsches plötzlich innehalten und auf Nachfrage die Antwort „ach nichts, ich habe mich wohl getäuscht“ antworten – suche Deckung auf oder flieh. Gleich gibt’s Ärger
50) Sofern jemand hinter Deinem Rücken komische Gesten oder Faxen machen – töte ihn. Entweder er war ein Gaukler oder ein Zauberer. Im ersten Fall hast Du die Welt von einer Landplage befreit, im Zweiten Dein Leben gerettet.
51) Wenn Dir jemand während des Essens mit der Bemerkung „nicht – es könnte vergiftet sein“ in den Arm fällt – zwinge den Gastgeber, den Fraß zu probieren.
52) Orte, die grauenhaft und düster wirken, sind es in der Regel auch. Wegbleiben.
53) Als Laie auf Friedhöfen Beschwörungen durchzuführen ist keine sehr gute Idee.
54) Sofern Dich ein Fremder im Feindesland fürstlich bewirtet und Dir anbietet, bei ihm zu übernachten – nimm eines seiner Kinder als Geisel. Vermutlich wird er Dich verraten.
55) Gegner greifen in der Regel in aufsteigenden Stärkewellen an. Nutze das zu Deinem Vorteil und schicke die Gruppenschwächsten vor. Schone Deine Kräfte für die wirklich üblen Burschen. Außerdem kannst Du Schwächlinge leichter ersetzen als trainierte Profikiller.
56) Hobbits mögen es nicht, wenn man ihnen auf die Füße tritt.
57) Sollte ein Gruppenmitglied „ich glaube, das ist eine Falle“ raunen – dann ist es auch eine.
58) Wenn Dein alter Lehrmeister meint, Du seist nun bereit für den Kampf - dann bist Du es normalerweise nicht.
59) Wenn Dir ein König zur Belohnung die Tochter und das halbe Königreich anbietet – sieh Dir zuerst die Tochter an und verhandle gegebenenfalls nach und
60) bestehe auf der Hälfte des Königreichs, in der die Minen, die Schwerindustrie und die Finanzdienstleister sitzen. Bauern erwirtschaften zu wenig Profit und mit genug Militär kannst Du Dir dann die andere Hälfte auch noch schnappen. Das Leben ist nun einmal hart.
61) Apropos: wenn zuerst die ältere Tochter verheiratet werden muss, bevor Du die junge Knackige kriegst – biete Dein Pferd oder das dümmste Gruppenmitglied als Ehemann an.
62) Gruppenmitglieder machen sich im Übrigen gut als lebendige Schutzschilde gegen Pfeile und magische Fernangriffe.
63) Menschliche Gegner tragen sehr oft Bärte oder haben andere körperliche Auffälligkeiten wie Narben oder Augenklappen. Bitte also Deine Mitglieder, sich immer zu rasieren und achte auf manierliches Aussehen, töte dann alle Bartträger. Ausnahmslos.
64) Solltest Du im Lauf der Geschichte auf einen Farbigen treffen – halte Dir immer vor Augen, dass es in der nordischen Mythologie und im Mittelalter keine Farbigen in Europa gibt und gab. Ich meine nur... sicher ist sicher!
65) Sollte Dir der Tempelpriester nach Deiner langen und gefahrvollen Reise traurig erklären, dass das gesuchte Artefakt erst vor kurzem entwendet wurde – bestrafe ihn für seine Nachlässigkeit und Dummheit.
66) Gehe immer davon aus, dass Höhlen und Gewölbe, die über Jahrtausende allen Katastrophen standgehalten haben, just in dem Moment zusammenfallen werden, in dem Du auch nur einen Huster von Dir gibst, geschweige denn durch sie fliehst
67) Wichtige Gewölbe und Gruften haben meist fiese Fallen eingebaut. Für Dich bedeutet das, dass Du besser immer am Ende der Gruppe gehst
68) Alte und blinde Druiden bieten eine hervorragende Einnahmequelle. Bestehle sie entweder oder lege einfach einen leeren Helm mit der Öffnung nach oben vor sie. Nimm ihn mit, sobald er voll ist (den Helm, nicht den Druiden)
69) Rauchwolken am Horizont bedeuten IMMER Ärger. Nimm die Gegenrichtung, wenn Dir Dein Leben lieb ist.
70) Bevor Du es wirklich auf einen Kampf anlegst, versuche es erst mit Überredung, dann mit Bestechung. Das ist meist effektiver und unblutiger.
71) Rechne damit, in Geheimgängen allerlei Leute zu treffen. Ganz besonders geheime Geheimgänge sind in der Regel belebter als jeder Bahnhof zur Rush-Hour.
72) Sollte Dir jemand eine Abkürzung empfehlen, dann gehe davon aus, dass diese a) gefährlicher, b) besser überwacht und c) länger als der eigentliche Weg ist
73) Den Ruf „flieht, Ihr Narren, solange Ihr noch könnt“ solltest Du als einmaliges Angebot begreifen und davon auch Gebrauch machen.
74) Weder Rache noch Liebe sind gute Motivatoren für ein Abenteuer, höchstens fröhliches Bonus-Feature. Lass Dir Deinen Einsatz ruhig teuer bezahlen – im voraus natürlich.
75) Das gesuchte Artefakt ist im Schloss entweder oben im höchsten Turm oder ganz tief im Keller. Du kannst die Zwischengeschosse also beim Suchen auslassen.
76) Solltest Du ein Kettenhemd aus Mithril oder anderem Zwergenkram angeboten bekommen – teste deren Schutzwirkung am Besten mit einer handelsüblichen Splittergranate oder einer 45er Magnum – und zwar am unwichtigsten Gruppenmitglied. Oder dem Verkäufer.
77) Angebote, Dir „mal den Zauberstab zu zeigen“, sind, außer in der Winkelgasse, in der Regel unmoralisch. Erst recht, wenn Du heterosexuell bist.
78) Kaufe kein Pferd, das auf so einen klangvollen Namen wie „Sturmwind“ oder einen anderen Geschwindigkeit suggerierenden Namen hört. Normalerweise bist Du nämlich dann zu Fuß schneller.
79) Apropos Reittiere: Finger weg von Wargs. Sie sind hässlich, unkomfortabel und stinken und wahrscheinlich bist Du ihr Frühstück.
80) Wenn Du einer Hexe versehentlich die Gelegenheit gibst, zu sagen „ich verfluche Dich“, so falle am Besten auf die Knie und winsle um Gnade. Die meinen es normalerweise ernst.
81) Alte Gemäuer reinigst Du am Besten von bösen Geistern, in dem Du sie komplett bis auf die Grundmauern niederbrennst. Das gleiche gilt für das königliche Schatzamt.
82) Das Gleiche gilt auch, wenn Du einen Ort mit einem Namen wie „Düsterwald“ oder Ähnlichem besuchen sollst. Mach ihn zur „Lichtwiese“ oder zu einem Parkplatz.
83) Sollte Dir eine wunderschöne schwarzhaarige Frau in einem sexy-Lederkostüm, aus dem ihre Oberweite quillt, entgegentreten, dann handelt es sich wahrscheinlich um eine Hauptgegnerin, die sich darüber hinaus auch noch tarnt. Entweder Du fackelst nicht lange und legst sie um – oder Du verbündest Dich mit Ihr und legst den Rest Deiner Gruppe um.
84) Blondinen, vor allem, wenn sie ein wenig doof sind, kannst Du hingegen leben lassen, die gehören zu den Guten.
85) Dass Vampire kein Knoblauch mögen, ist ein Gerücht. Denke nur mal an die vielen Finanzbeamten und Bankberater!
86) Solltest Du in ein Dorf kommen, in dem die Bewohner vor einer halben Stunde ausgelöscht wurden, dann ignoriere das Wimmern der versteckten Kinder. Sie nutzen Dir nichts, Du musst sie mitnehmen, sie essen Deinen Proviant und gehen Dir auf den Nerv. Als Weltenretter hast Du auch Wichtigeres zu tun, als Babysitter zu spielen!
87) Jemand, der Dir eine „geheime Schatzkarte“ anbietet, ist ein Betrüger. Schatzkarten sind nämlich immer geheim und warum sollte dann jemand davon wissen? Oder sie sogar verkaufen?
88) Du solltest niemals aus irgendeinem höheren Gebäude auf den Rücken Deines Pferdes springen – es sei denn, Du legst keinen Wert auf biologischen Nachwuchs.
89) Denk immer dran: im Mittelalter gibt es kein Asthmaspray. Also rege Dich nicht auf und strenge Dich nicht an. Du machst Dich sonst zur Witzfigur.
90) Bevor Du die Türe oder das Tor eintrittst oder zertrümmerst – probiere es erst mit Klopfer oder Klingel und sag so etwas wie „Tach, ich bin von der Gebühreneinzugszentrale“. Das funktioniert auch und ist wesentlich kräfteschonender.
91) Typen mit hohen Stehkrägen sind IMMER Feinde. Erst recht, wenn sie auf einer Orgel spielen.
92) Irres Gelächter konterst Du am Besten mit einem „Danke für meinen neuen Handyklingelton“.
93) Blinde alte Frauen können in der Regel prima in die Zukunft sehen. Nutze das sinnvoll und frag sie nach den Lottozahlen der nächsten Ziehung. Töte alle die, die mitgehört haben, die Quote wird sonst verdorben.
94) Sobald Du das Artefakt hast: binde es Dir mit Klebeband um den Oberkörper. Zwei Mal drumwickeln. Mehr als ein Held musste umkehren und nochmal von vorne mit der Suche anfangen, weil ihm das Ding aus der Satteltasche geplumpst war.
95) Auf die Frage „wie ist Dein Plan“ zu antworten „wir müssen hier raus“ ist kein Plan, sondern Schwachsinn.
96) Weil wir gerade dabei sind: Diskussionen im Hohen Rat über die beste Strategie beendest Du damit, dass Du den Anwesenden die Zungen herausschneidest. Wo sind wir denn?
97) Sollte Dir jemand spontan und beeindruckt „bedingungslose Treue“ schwören, so bitte ihn, sich einen der kleinen Finger abzuschneiden. Nur so als ersten Test.
98) Das dümmste Gruppenmitglied erkennst Du daran, dass er einem Rudel schwerbewaffneter und hoffnungslos überlegener Feinde ein „Kommt doch her, wenn Ihr Euch traut“ entgegenschleudert
99) ...und das Intelligenteste daran, dass es sich bereits vor Ende des Satzes verdrückt hat
100) NÄHERE DICH SCHLACHTFELDERN ERST, WENN DER LÄRM VERKLUNGEN IST UND DIE RABEN KREISEN!