Sonntag, 22. Juni 2014

Thilos WM-Tagebuch 2014, Zusammenfassung der Vorrunde vor den letzten Gruppenspielen

Zuerst einmal muss ich mich entschuldigen. Weil ich meinen Nachbarn wegen seiner blöden sechs Deutschlandfahnen am Citroen-Picasso ausgelacht hatte, hat er mich eine Woche in seinen Keller gesperrt, wo ich in der Endlosschleife Iran gegen Nigeria ansehen musste, und erst, nachdem ich gelobte, nicht mehr zu behaupten, Leute mit einem Deutschlandfähnchen am Auto hätten einen kleinen Penis, durfte ich wieder ´raus.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich wirklich draussen bin, denn im Moment simulieren Algerien und die andere Mannschaft da, wo alle Kim heißen, ebenfalls ein Fussballspiel, bei dem ich lieber Farbe beim Trocknen zu sehe, als diesem enttäuschend tranigen Ballgeschiebe. Da, eben hat der eine Motzlem ein Tor gestolpert. Gähn. Jetzt noch eines. Sind die Süd-Kims noch auf dem Platz?

Tja, was gibt es bis jetzt zu sagen? 

In der Gruppe A stehen Brasilien und Mexiko an der Spitze der Gruppe, Brasilien, weil es gnädige Schiedsrichter hat, Mexiko, weil die anderen noch viel weniger Fußball spielen können.

Insgesamt eine enttäuschende Gruppe mit einem bisher im Mittelmass versinkenden Titeltranspiranten, gönnen würde ich den Titel keiner der Mannschaften da. Begeisterter Fußball geht anders.

Die Niederlande und Chile führen überraschenderweise die Gruppe B an, nachdem sich die Spanier hartnäckig der Mitarbeit an dieser WM verweigert haben und, sind wir ehrlich, so endgeil war PipiKaka auch nicht, als dass man das noch einmal 4 Jahre hätte ertragen wollen, Geschichtlich war allerdings auch nichts anderes zu erwarten - die Spanier wurden schlicht einmal mehr aus ihren Kolonien geschmissen.

Überraschend bisher die Niederlande und erfreulich motoviert aufspielende Chilenen und die obwohl untergegangenen Australier, die sich zur Quali ja gegen Giganten wie Mikronesien oder Takatuka-Land durchsetzen mussten, haben wenigstens einen sympathischen Eindruck hinterlassen. 

Gruppe C hat sich hingegen als absolute Hammer-Gruppe herausgestellt. Gleich vier Nicht-Mannschaften sind hier vertreten, ich schwöre, bei jedem einzelnen Spiel bin ich eingeschlafen. Kolumbien führt die Gruppe mit 6 Punkten und 5:1 Toren an, was ein Armutszeugnis für die anderen Gruppenteilnehmer ist. Wenn es stimmt, dass die Leistung einer Nationalmannschaft die Wirtschaftsleistung des vertretenen Landes steigert, dann wird Griechenland auf Jahrzehnte hinaus europäischer Patient bleiben. Japan und die Elfenbeinküste sind auch mehr Spielplanfüllmasse als wirklich gute Teilnehmer. Wie schaffen es diese Mannschaften in so ein Turnier?

Spannend hingegen Gruppe D: Da ist mit England Deutschland schon der erste natürliche Fressfeind abhanden gekommen und wenn es Gott so will, dann werden die Italiener den Engländern zu recht hinterher fahren. Mauerfußball, Schwalben und wenigstens eine große Fresse - im italienischen Spiel hat sich seit 2000 nichts geändert. Allerdings hat auch Uruguay bisher eher debrilliert, einzig das als Kanonenfutter gedachte Costa-Rica zeigt den gemächlich Satten, wo der Hammer hängt. Ich würds den Costa-Ricaniern (however) gönnen, weit zu kommen. Und sähe auch lieber Uruguay als Italien weiter. Oder, um es mit Thomas Hajo zu sagen: "Irrtalien, Dein Walk hat mich bis jetzt nicht überzeugt". 

In der Gruppe E hingegen läuft alles wie erwartet. Die Franzosen führen souverän, die Schweiz und Ecuador haben pflichtgemäss die Hondurianer, oder, wie sie zu Hause heissen, "die Unbesiegbaren" kurz und gar nicht mal so knapp abgefertigt und der erste Verlierer steht auf jeden Fall schon fest. Allerdings spielt bei den Franzosen auch nur Benzema gegen den Rest der Welt, um es klar zu sagen. Trotzdem gönn ich den Schweizern das Weiterkommen, weil ich den Ottmar Hitzfeld mag.

Gruppe F - oder, wie wir sie hier intern nennen, die "Argentinische Punktelieferantengruppe". Die Argentinier müssen sich nicht wirklich Mühe gegen ihre harmlosen Trottelgegner geben und selbst da tun sie sich schwer. Die Bosnier sind blutige Anfänger, die Iraner blutige Außenseiter und Nigeria blutleere Fußballer. Ganz wenige Tore, ganz wenige spannende Szenen, Iran und Nigeria sind sogar so schlecht, dass sie gegeneinander nur ein 0:0 zusammengeblödelt haben. So wirds nix, mit der Weltmeisterschaft. Wenn die Gruppe F spielt - Leute, geht schwimmen oder essen, das Ergebnis steht morgen auch ohne verschwendete Lebenszeit in der Zeitung.

Unsere Gruppe, die Gruppe G, die "G-Group". "G" wie "Germany" oder "Grabbeltisch". Nachdem Jogis Bären ja die Portugalesier mit 4:0 vom Platz geföhnt hat, haben sie sich erstaunlich dämlich gegen die Ghanaiker angestellt und Miroslav Klose ist nach seinem Rekordtor beim Salto auf dem Arsch gelandet. Hoffentlich kein Omen für den Rest der Mannschaft. Klinsis Amis hingegen haben wiederum Ghana mit 2:1 weggeputzt, was logischerweise bedeuten würde, dass sie Deutschland besiegen müssten. Aber logisch wäre auch eine WM in England oder mal in den skandinavischen Staaten. Stattdessen geht es nach Katar. Von daher hat Deutschland durchaus Chancen, immer noch als Gruppenerster abzuschliessen, sofern Jogi sein Glückspopeln am Spielfeldrand nicht aufgibt. 

Überhaupt habe ich immer mehr das Gefühl, dass die Nationalmannschaft nicht nach Können (wer war noch mal Stefan Kiesling?), sondern nach Randgruppenproporz zusammengestellt ist. Wie die Ministerposten in der bayerischen Regierung. Wenigstens ein Farbiger, ein Bayer, ein Dortmunder, ein nativer Pole und wenigstens ein Moslem sowie ein nativer "irgendwas" müssen auf dem Platz stehen. Und ich wette, wenigstens ein Homosexueller. Damit alle Randgruppen vertreten sind. Über den Homo  können wir noch spekulieren, beim Rest ist es klar. Aber gut, solange sie treffen und uns Party bescheren, hat auch dieses Mannschaftsäquivalent zu Conchita Wurst seine Daseinsberechtigung. Allerdings, und das ist etwas schade, wurden unsere Jungs von "super" nach dem gestrigen Abend ja auch auf "nicht schlecht" zurückgestuft. Oder, wie der Fachmann sagt, "ein Dämpfer zur rechten Zeit". Haben sich aber auch wirklich gewehrt, die Ghanasen. Meint man gar nicht.

Last but least die Gruppe H. Was immer die FIFA dazu bewogen hat, diese traurigen Treter zu dieser WM zuzulassen - es müssen gigantische Summen gewesen sein. Die Belgier sind schlicht unfähig, langweilig und ohne Biss, die Russen ein trauriges Abziehbild einer Fussballmannschaft und Algerier und die Typen, die alle Kim heissen, haben bis zu ihrem Spiel gegeneinander auch nicht so richtig was auf die Beine gestellt. Aber wenigstens zwischen diesen beiden Häufchen Elend steht es im Moment 3:1, was bisher 40% aller Tore in dieser enttäuschend langweiligen Gruppe sind.

Mal sehen, wie diszipliniert ich diese Woche dranbleiben kann. Denn nur einer kann Worlds next Football-Champion werden. Nur einer bekommt den lukrativen  Werbevertrag mit Bitburger und darf aufs Cover des nächsten Kicker.

Kommentare: