Montag, 20. Januar 2014

100 Regeln, wie man ein einem Fantasy-Film oder Spiel überlebt

1) Nimm nie ein Drachenei mit nach Hause – niemals. Drachen reagieren auf Eierklau unentspannt
2) Wenn Du einen Ring findest – wirf ihn weg. Zieh ihn nicht an und spiele nicht damit herum, wirf ihn einfach weg. Husch.
3) Zwerge bindest Du bei weiten Strecken am Besten auf ein Pferd – oder auf den Stärksten Deiner Gruppe
4) Wenn Du den Verdacht hast, ein Weib könnte eine Hexe sein – dann ist sie das mit 90%tiger Sicherheit auch. Töte sie, 10% Kollateralschaden sind angemessen.
5) Schau nie in einen Palandir und fasse ihn auch nicht an: er schaut zurück, das ist anders als ein Fernseher. Tut aber genauso weh.
6) Wenn Dir jemand erklärt, „hier bist Du in Sicherheit“ - lauf, so schnell und so weit wie Du kannst!
7) Die Typen mit den spitzen Ohren sind Elben – keine Vulkanier. Die haben es auch nicht mit Logik, sondern mit sehr spitzen Pfeilen. Wenn sie nicht Deine Verbündeten sind - lauf!
8) Bitte keinen Drachen, Dir „mal Feuer“ für Deine Pfeife zu geben, außer, Du willst gegrillt werden
9) Wenn Elben wie betrunken vor sich hin nuscheln, dann sprechen sie wahrscheinlich gerade einen Zauberspruch. Schlag zu, bevor sie fertig sind
10) Zwerge werden nach dem Genuss von Alkohol nicht geselliger, sondern ungeschickt. Fessle sie, wenn Dir Deine Einrichtung lieb ist
11) Wenn Dir der Bösewicht erklärt, „beim nächsten Mal“ werde er keine Gnade zeigen – sei unbesorgt. Der Typ ist zu weich – warum hätte er Dir sonst dieses mal Gnade gezeigt, die Lusche?
12) Es ist vollkommen sinnlos, mit Orks eine Streitigkeit auf sachlicher und intellektuell-akademischer Ebene ausdiskutieren zu wollen.
13) Bevor Du das Artefakt von dem unzugänglichen Berggipfel holst, schau, ob Du nicht einen anderen Dummen damit beauftragen kannst.
14) Solltest Du in Deiner Gruppe einen lustigen und niedlichen Gesellen als Sidekick haben – töte ihn. Er nutzt Dir nicht wirklich und geht Dir nach 10 Kilometern nur noch auf die Nerven.
15) Besteige Deinen Flugadler nie von hinten. Vögel haben keine Schließmuskel.
16) Wenn Du ECHTE Orks kennenlernen willst – dann buche beim nächsten Heimspiel der örtlichen Bundesligamannschaft einen Stehplatz in der Fankurve.
17) Gehe nie in geschlossene Minen oder verbotene Keller – es hat seinen Grund, dass man sie verschlossen hat.
18) Nur sehr große Spinnen weben sehr große Netze. Wenn Du also ein sehr großes Netz siehst – geh davon aus, der Bewohner des Netzes wird schlecht auf Dich zu sprechen sein. Lauf!
19) Wenn Dein Schwert die Farbe wechselt, wenn ein Feind in der Nähe ist – dann kannst Du das dann nicht sehen, wenn Du es in der Scheide hast.
20) Die Person Deiner Gruppe, die die die Heilzauber kann, schickst Du als Erste gegen die Monster – die Du dann erledigen kannst, während sie sich über die leichte Beute hermachen.
21) Vergewissere Dich, dass der Typ, der sich Dir als Zauberer anschließen will, auch wirklich einer ist. Kartentricks gelten nicht. Lass ihn Geld zaubern, das ist immer sinnvoll.
22) Wenn Dich jemand bittet, den Müll herauszubringen, dann ist das schlicht Terror und keine Nebenquest.
23) Du kannst kein Krieger durch „learning bei doing“ werden. Wenn Du kein Krieger bist, dann beschränke Dich darauf, Zivilisten, Unbeteiligte oder Hobbits zu meucheln.
24) Trinke Zaubertränke nur dann, wenn Du den Beipackzettel oder den Heiler oder Magier Deiner Wahl ausführlich zu Risiken und Nebenwirkungen befragt hast. Das Zeug nennt sich nicht umsonst „Zaubertrank“.
25) Wenn Die Hintergrundmusik in eine Moll-Tonart wechselt – kehre um. Es steht Dir Ärger bevor
26) Bitte die leicht bekleideten Frauen Deiner Gruppe, sich was überzuziehen – die Erwartung, dass sie sich im Kampf einen Busenblitzer leisten, lenkt Dich von Deinem Gegner ab.
27) Jemand, der Dir anbietet, an seiner Seite das Königreich/die Welt zu regieren, ist gar nicht so stark. Warum würde er sonst einem Typen wie Dir so ein Angebot machen?
28) Das alte Schwert des Vaters/Königs ist genau das: alt. Es wird nicht schneiden und wahrscheinlich zerbrechen. Lass Dir lieber ein neues schmieden.
29) Solltest Du unbedingt einen Dieb in Deiner Gruppe haben wollen – beschwere Dich nicht, wenn hinterher was fehlt. Beispielsweise die Beute oder das Artefakt. Diebe handeln ausschließlich aus finanziellem Interesse. Wahrscheinlich wird er auch Deine Gruppe an den Feind verraten. Zu Recht!
30) Lockere Sprüche während eines Kampfes wie „hoppla“ oder „ist das alles?“ machen einen Gegner nur unnötig aggressiv. Konzentriere Dich lieber auf den Kampf.
31) Wenn das schlimmste Schimpfwort, das Dir ein Dämon oder Bossgegner entgegenschleudert, „Du törichter Narr“ ist – schlag ihn tot. Wenn er nicht einmal bessere Schimpfworte als Dein dreijähriger Bruder drauf hat, dann ist er kein Gegner!
32) Pfeile sind gegen Skelette sinnlos – hier tut es allerdings ein handelsüblicher Entkalker in einer Kinderspritzpistole.
33) Solltest Du auf einen Typen mit lustigen Knubbeln im Gesicht treffen, dann handelt es sich entweder um einen Pestkranken, einen Ork oder einen Klingonen. Im letzteren Fall hast Du Dich im Genre verlaufen und solltest zurück gehen, in den beiden anderen Fällen töte ihn.
34) Sollte Dich ein Fremder mit den Worten „ich habe eine wichtige Nachricht/ein Geheimnis, das Dich interessieren könnte, aber...“ belästigen – diskutiere nicht lange herum, sondern prügle die Information einfach aus ihm heraus. Er ist nicht in der Position, Forderungen zu stellen.
35) Sofern Du in Drachenblut badest – nimm eine zweite Person mit, die Dich auf Lindenblätter oder Ähnliches untersucht.
36) Wenn Deine Festung mit Katapulten und Ballisten beschossen wird, dann bleib nicht wie ein Ölgötze auf dem höchsten Turm stehen, sondern suche einen adäquaten Schutzraum auf.
37) In diesem Zusammenhang: sich gegen ein sich nach innen öffnendes Tor zu stemmen ist in etwa so sinnvoll wie der Versuch, Wasser auszupeitschen. Flieh!
38) Ein Einhorn erlegst Du am Besten mit einer automatischen Schusswaffe. Hast Du keine zur Hand – vergiss es einfach.
39) Kleinere Feen machen sich hübsch in Einmachgläsern auf dem Wohnzimmerboard.
40) Wenn Du eine Frau triffst, die Frösche küsst, dann sucht sie wahrscheinlich einen Prinzen, auf jeden Fall aber ist sie geisteskrank. Lass die Finger weg.
41) Wenn Dir irgendjemand erzählt, Du seist der „Auserwählte“, lass ihn ausreden und höre Dir die komplette Prophezeiung bis zum Ende an.
42) Sollte die Prophezeiung sagen, dass der Auserwählte zwar die Welt rettet und den Bösewicht besiegt, dabei aber verstümmelt oder getötet wird, dann überzeuge den Dümmsten Deiner Gruppe, dass mit der Prophezeiung nur er gemeint sein könne.
43) Sofern Dir an einem ganz normalen schönen Sommertag unerwartet ein Zauberer begegnet – schmeiße ihn raus oder geh selbst, wenn Du keine strapaziöse und gefährliche Reise mit ungewissem Ausgang machen möchtest.
44) Wenn Du ein altes, wertvolles, geheimnisvolles und seltsames Amulett oder Erbstück findest – verkaufe es auf ebay und experimentiere nicht damit herum, sofern Dir Dein bisheriges Leben lieb ist.
45) Wenn die Beschwörung Jungfrauenblut verlangt – dann meint der Beschwörungszauber auch Jungfrauenblut und kein Substitut wie Hühnerblut, Ketchup oder Lebensmittelfarbe
46) Sollte die Beschwörung wirklich unbedingt nötig sein und Du unbedingt Jungfrauenblut benötigen, dann wende Dich an das orientalisch anmutendste Mitglied Deiner Gruppe und frag es, ob eine Schwester hat.
47) Falls sich jetzt Deine Freundin meldet und die Beschwörung nicht funktioniert, dann hast Du umsonst wegen „des ersten Mals“ gewartet...
48) Nimm grundsätzlich nicht-tropfende Kerzen, wenn Du den Rest des Adventures nicht damit verbringen willst, Wachs von den Möbeln zu kratzen
49) Sollte ein Mitglied Deiner Truppe während des Marsches plötzlich innehalten und auf Nachfrage die Antwort „ach nichts, ich habe mich wohl getäuscht“ antworten – suche Deckung auf oder flieh. Gleich gibt’s Ärger
50) Sofern jemand hinter Deinem Rücken komische Gesten oder Faxen machen – töte ihn. Entweder er war ein Gaukler oder ein Zauberer. Im ersten Fall hast Du die Welt von einer Landplage befreit, im Zweiten Dein Leben gerettet.
51) Wenn Dir jemand während des Essens mit der Bemerkung „nicht – es könnte vergiftet sein“ in den Arm fällt – zwinge den Gastgeber, den Fraß zu probieren.
52) Orte, die grauenhaft und düster wirken, sind es in der Regel auch. Wegbleiben.
53) Als Laie auf Friedhöfen Beschwörungen durchzuführen ist keine sehr gute Idee.
54) Sofern Dich ein Fremder im Feindesland fürstlich bewirtet und Dir anbietet, bei ihm zu übernachten – nimm eines seiner Kinder als Geisel. Vermutlich wird er Dich verraten.
55) Gegner greifen in der Regel in aufsteigenden Stärkewellen an. Nutze das zu Deinem Vorteil und schicke die Gruppenschwächsten vor. Schone Deine Kräfte für die wirklich üblen Burschen. Außerdem kannst Du Schwächlinge leichter ersetzen als trainierte Profikiller.
56) Hobbits mögen es nicht, wenn man ihnen auf die Füße tritt.
57) Sollte ein Gruppenmitglied „ich glaube, das ist eine Falle“ raunen – dann ist es auch eine.
58) Wenn Dein alter Lehrmeister meint, Du seist nun bereit für den Kampf - dann bist Du es normalerweise nicht.
59) Wenn Dir ein König zur Belohnung die Tochter und das halbe Königreich anbietet – sieh Dir zuerst die Tochter an und verhandle gegebenenfalls nach und
60) bestehe auf der Hälfte des Königreichs, in der die Minen, die Schwerindustrie und die Finanzdienstleister sitzen. Bauern erwirtschaften zu wenig Profit und mit genug Militär kannst Du Dir dann die andere Hälfte auch noch schnappen. Das Leben ist nun einmal hart.
61) Apropos: wenn zuerst die ältere Tochter verheiratet werden muss, bevor Du die junge Knackige kriegst – biete Dein Pferd oder das dümmste Gruppenmitglied als Ehemann an.
62) Gruppenmitglieder machen sich im Übrigen gut als lebendige Schutzschilde gegen Pfeile und magische Fernangriffe.
63) Menschliche Gegner tragen sehr oft Bärte oder haben andere körperliche Auffälligkeiten wie Narben oder Augenklappen. Bitte also Deine Mitglieder, sich immer zu rasieren und achte auf manierliches Aussehen, töte dann alle Bartträger. Ausnahmslos.
64) Solltest Du im Lauf der Geschichte auf einen Farbigen treffen – halte Dir immer vor Augen, dass es in der nordischen Mythologie und im Mittelalter keine Farbigen in Europa gibt und gab. Ich meine nur... sicher ist sicher!
65) Sollte Dir der Tempelpriester nach Deiner langen und gefahrvollen Reise traurig erklären, dass das gesuchte Artefakt erst vor kurzem entwendet wurde – bestrafe ihn für seine Nachlässigkeit und Dummheit.
66) Gehe immer davon aus, dass Höhlen und Gewölbe, die über Jahrtausende allen Katastrophen standgehalten haben, just in dem Moment zusammenfallen werden, in dem Du auch nur einen Huster von Dir gibst, geschweige denn durch sie fliehst
67) Wichtige Gewölbe und Gruften haben meist fiese Fallen eingebaut. Für Dich bedeutet das, dass Du besser immer am Ende der Gruppe gehst
68) Alte und blinde Druiden bieten eine hervorragende Einnahmequelle. Bestehle sie entweder oder lege einfach einen leeren Helm mit der Öffnung nach oben vor sie. Nimm ihn mit, sobald er voll ist (den Helm, nicht den Druiden)
69) Rauchwolken am Horizont bedeuten IMMER Ärger. Nimm die Gegenrichtung, wenn Dir Dein Leben lieb ist.
70) Bevor Du es wirklich auf einen Kampf anlegst, versuche es erst mit Überredung, dann mit Bestechung. Das ist meist effektiver und unblutiger.
71) Rechne damit, in Geheimgängen allerlei Leute zu treffen. Ganz besonders geheime Geheimgänge sind in der Regel belebter als jeder Bahnhof zur Rush-Hour.
72) Sollte Dir jemand eine Abkürzung empfehlen, dann gehe davon aus, dass diese a) gefährlicher, b) besser überwacht und c) länger als der eigentliche Weg ist
73) Den Ruf „flieht, Ihr Narren, solange Ihr noch könnt“ solltest Du als einmaliges Angebot begreifen und davon auch Gebrauch machen.
74) Weder Rache noch Liebe sind gute Motivatoren für ein Abenteuer, höchstens fröhliches Bonus-Feature. Lass Dir Deinen Einsatz ruhig teuer bezahlen – im voraus natürlich.
75) Das gesuchte Artefakt ist im Schloss entweder oben im höchsten Turm oder ganz tief im Keller. Du kannst die Zwischengeschosse also beim Suchen auslassen.
76) Solltest Du ein Kettenhemd aus Mithril oder anderem Zwergenkram angeboten bekommen – teste deren Schutzwirkung am Besten mit einer handelsüblichen Splittergranate oder einer 45er Magnum – und zwar am unwichtigsten Gruppenmitglied. Oder dem Verkäufer.
77) Angebote, Dir „mal den Zauberstab zu zeigen“, sind, außer in der Winkelgasse, in der Regel unmoralisch. Erst recht, wenn Du heterosexuell bist.
78) Kaufe kein Pferd, das auf so einen klangvollen Namen wie „Sturmwind“ oder einen anderen Geschwindigkeit suggerierenden Namen hört. Normalerweise bist Du nämlich dann zu Fuß schneller.
79) Apropos Reittiere: Finger weg von Wargs. Sie sind hässlich, unkomfortabel und stinken und wahrscheinlich bist Du ihr Frühstück.
80) Wenn Du einer Hexe versehentlich die Gelegenheit gibst, zu sagen „ich verfluche Dich“, so falle am Besten auf die Knie und winsle um Gnade. Die meinen es normalerweise ernst.
81) Alte Gemäuer reinigst Du am Besten von bösen Geistern, in dem Du sie komplett bis auf die Grundmauern niederbrennst. Das gleiche gilt für das königliche Schatzamt.
82) Das Gleiche gilt auch, wenn Du einen Ort mit einem Namen wie „Düsterwald“ oder Ähnlichem besuchen sollst. Mach ihn zur „Lichtwiese“ oder zu einem Parkplatz.
83) Sollte Dir eine wunderschöne schwarzhaarige Frau in einem sexy-Lederkostüm, aus dem ihre Oberweite quillt, entgegentreten, dann handelt es sich wahrscheinlich um eine Hauptgegnerin, die sich darüber hinaus auch noch tarnt. Entweder Du fackelst nicht lange und legst sie um – oder Du verbündest Dich mit Ihr und legst den Rest Deiner Gruppe um.
84) Blondinen, vor allem, wenn sie ein wenig doof sind, kannst Du hingegen leben lassen, die gehören zu den Guten.
85) Dass Vampire kein Knoblauch mögen, ist ein Gerücht. Denke nur mal an die vielen Finanzbeamten und Bankberater!
86) Solltest Du in ein Dorf kommen, in dem die Bewohner vor einer halben Stunde ausgelöscht wurden, dann ignoriere das Wimmern der versteckten Kinder. Sie nutzen Dir nichts, Du musst sie mitnehmen, sie essen Deinen Proviant und gehen Dir auf den Nerv. Als Weltenretter hast Du auch Wichtigeres zu tun, als Babysitter zu spielen!
87) Jemand, der Dir eine „geheime Schatzkarte“ anbietet, ist ein Betrüger. Schatzkarten sind nämlich immer geheim und warum sollte dann jemand davon wissen? Oder sie sogar verkaufen?
88) Du solltest niemals aus irgendeinem höheren Gebäude auf den Rücken Deines Pferdes springen – es sei denn, Du legst keinen Wert auf biologischen Nachwuchs.
89) Denk immer dran: im Mittelalter gibt es kein Asthmaspray. Also rege Dich nicht auf und strenge Dich nicht an. Du machst Dich sonst zur Witzfigur.
90) Bevor Du die Türe oder das Tor eintrittst oder zertrümmerst – probiere es erst mit Klopfer oder Klingel und sag so etwas wie „Tach, ich bin von der Gebühreneinzugszentrale“. Das funktioniert auch und ist wesentlich kräfteschonender.
91) Typen mit hohen Stehkrägen sind IMMER Feinde. Erst recht, wenn sie auf einer Orgel spielen.
92) Irres Gelächter konterst Du am Besten mit einem „Danke für meinen neuen Handyklingelton“.
93) Blinde alte Frauen können in der Regel prima in die Zukunft sehen. Nutze das sinnvoll und frag sie nach den Lottozahlen der nächsten Ziehung. Töte alle die, die mitgehört haben, die Quote wird sonst verdorben.
94) Sobald Du das Artefakt hast: binde es Dir mit Klebeband um den Oberkörper. Zwei Mal drumwickeln. Mehr als ein Held musste umkehren und nochmal von vorne mit der Suche anfangen, weil ihm das Ding aus der Satteltasche geplumpst war.
95) Auf die Frage „wie ist Dein Plan“ zu antworten „wir müssen hier raus“ ist kein Plan, sondern Schwachsinn.
96) Weil wir gerade dabei sind: Diskussionen im Hohen Rat über die beste Strategie beendest Du damit, dass Du den Anwesenden die Zungen herausschneidest. Wo sind wir denn?
97) Sollte Dir jemand spontan und beeindruckt „bedingungslose Treue“ schwören, so bitte ihn, sich einen der kleinen Finger abzuschneiden. Nur so als ersten Test.
98) Das dümmste Gruppenmitglied erkennst Du daran, dass er einem Rudel schwerbewaffneter und hoffnungslos überlegener Feinde ein „Kommt doch her, wenn Ihr Euch traut“ entgegenschleudert
99) ...und das Intelligenteste daran, dass es sich bereits vor Ende des Satzes verdrückt hat
100) NÄHERE DICH SCHLACHTFELDERN ERST, WENN DER LÄRM VERKLUNGEN IST UND DIE RABEN KREISEN!

Dienstag, 17. Dezember 2013

Weihnachtspost

Weihnacht ist´s wieder im Lande und eine gewisse Art von Organisationen scheint dem Glauben zu unterliegen, dass mit dem vorweihnachtlichen Öffnen der Herzen der Menschen sich gleichzeitig auch der Geldbeutel öffnen sollte. Wir tun Gutes, reden darüber und wollen Dein Geld dafür. 

In meiner Post finde ich jetzt vorweihnachtliche, leicht surreal-kubistisch-naiv-expressionistisch-impressionistische Kunstkarten, die mit viel Phantasie irgendein klassisches Weihnachtsmotiv darstellen sollen und der Grund, warum die Bilder so scheußlich aussehen, ist der, weil der Künstler sie mit dem Mund, dem Fuß oder anderen Körperteilen gemalt hat, die ich lieber nicht kennenlernen möchte. Schlimmstenfalls mit der Hand. Dafür aber hat mit die „Kunstwerkstatt alles außer Handarbeit“ auch einen Zahlschein mit beigelegt, mit dem ich bedauernswerte Künstler unterstützen kann – was ich aber nicht mache, da ich diese Art der Verbreitung von Kunst grundsätzlich ablehne. 

Auf dem Briefumschlag drunter gucken mich – ooooooohhhhh – süße Hundewelpen vorwurfsvoll an. „Wuffi“, die Organisation für ausgesetzte Köter in Afghanistan, bittet um meine Spenden für kriegsversehrte Afghanen (die Hunde, nicht die Menschen), die in Kabul umherstreunen und leider von der hungernden Bevölkerung gefressen werden, wenn ich nicht subito mit dem beiliegenden Zahlschein spende und das kann ich nicht wirklich wollen. Erst Krieg anzetteln und sich dann nicht um die Afghanen kümmern. Will ich aber doch! 

Gleich daneben bittet mich der grüne Halbmond für die Flutopfer in Kommantanturi in Nepalappland zu spenden, weil es die bei dem letzten Regenguss echt übel erwischt hat. Eine bunte Collage von zerstörten Häusern (in einem glaube ich das Reichluftfahrtministerium in Berlin erkennen zu können, ein anderes sieht wie die alte Innenstadt von Nürnberg 1945 aus) und zahnlos grinsenden Unbekannten mit Plastikeimern an Brunnen zeigt mir, dass es da zwar immer noch übel aussieht, aber schon vorwärts geht. Von meiner Spende in nicht unerheblicher Höhe will der grüne Halbmond Zelte, Heringe (nicht die Fische, sondern wegen der Zelte) und Klappstühle kaufen. Offen bleibt, ob er die den Nepalappländern dann schenkt oder weiterverhökert. Nix gibt´s. 

Als Nächstes bekomme ich Post von der FDP, die auf jeden Fall im Moment jede Spende gebrauchen kann, aber mehr als meine ideelle Unterstützung kann ich hier nicht bieten. Ich nehme mir aber vor, sie in meine Gebete einzuschließen. 

Wem auch vom Leben übel mitgespielt wurde und wird, das sind die Herpeskranken. An Herpes sterben pro Jahr, man möchte es nicht glauben, fast ebenso viele Menschen wie an Blepharokonjunktivitis, was mich zwar ad hoc etwas in Alarmzustand versetzt und schon den Spendenüberweisungsträger ausfüllen lässt, sich aber nach einem kurzen Blick in Wikipedia dann doch als harmlose Augenentzündung herausstellt. Tatsächlich sterben ebenso viele Menschen an Herpes wie an Blephalodingsbums – nämlich 0. Also doch nicht so schlimm und die Herpeskranken sollen eben mit dem Knutschen aufhören und sich waschen. Gute Güte. 

Außerdem muss das Kirchendach renoviert werden. Der örtliche Pfarrer hat mich angeschrieben. Gerade zur Weihnachtszeit wäre es doch schön, wenn Josef, Maria und das Jesuskind nicht schon wieder in einen dreckigen Stall mit einem maroden Dach einziehen müssten und er würde mir auch ein herzliches „Vergelt´s Gott“ ausrichten und ich könne übrigens auf dem Weihnachtsmarkt auch Plätzchen kaufen und Glühwein trinken, wenn und sofern ich mich nur vom Kirchendach fernhalte. Darunter ist auch ein Bild von unserer Kirche hier, allerdings ist es die von den Evangelischen und die Protestanten unterstütze ich erst recht nicht. Lieber spende ich für einen taoistischen Tempel, aber wir haben keine Taoisten im Sprengel. Pech für beide. 

Meine KFZ-Versicherung bei der „Typ, der mit einem Ritterschild herumlaufen muss“-Versicherung hätte, sofern ich nächstes Jahr noch Autofahren möchte, gerne einen Betrag in nicht unerheblicher Höhe, der sogar noch höher als letztes Jahr, denn obgleich ich brav war und nichts kaputt gemacht habe, haben sich die anderen Kunden der Ritterschildversicherung, die zum größten Teil aus Beamten und Rentnern und schlimmstenfalls beidem bestehen, als erstaunlich fahrunfähig und ungeschickt erwiesen, weswegen die Ritterschildversicherung jetzt den Preis für alle nach oben katapultiert. 

Der letzte Brief ist sehr unweihnachtlich gelb, dafür aber auf Umweltpapier gedruckt. Traurige Finanzbeamte sehen mich vor meinem geistigen Auge an und erwarten meine Spende. Schon seit Monaten. Und jetzt kommt zu meiner Pflichtspende auch noch ein fetter Pflichtspendensäumniszuschlag. Falls ich mich immer noch weigere, zu spenden, drohen sie, mich einzubuchten, die traurigen Finanzbeamten. 

Kost, Post- und Logis frei? Urlaub auf Steuerzahlers Kosten? Über Weihnachten? Verdammt – wir sind im Gespräch!

Montag, 21. Oktober 2013

Welchen Teil von Nein haben Sie nicht verstanden?

Eigentlich müsste ich es ja langsam wissen: Geh nicht an eine externe Berliner oder Hamburger Nummer,  es sei denn, Du wohnst in Berlin oder Hamburg. Aber weil ich ein optimistischer und freundlicher, vor allem aber neugieriger Mensch bin, bin ich an die Hamburger Nummer trotzdem drangegangen.

Ja hallo, Frau Susanne Berger von der  Firma Ship and Sail Containerdienst in Hamburg (sie spricht es „Hämborg“ aus) fragt an, ob wir als Finanzdienstleister auch Schiffscontainer vertreiben, wobei ich grundsätzlich schon einen Container vertreiben würde, stünde er bei mir unaufgefordert in der Einfahrt, da ich aber ansonsten nichts von Schiffscontainern als Geldverbrennungsmaschine halte, sage ich zu Frau Berger: nein.

Oh, das wäre aber schade, weilweilweil gerade ich als Finanzdienstleister doch wissen müsse, dass gerade Container in Zeiten dieses unsicheren Marktes Renditen von über 300% erreichen, ganz speziell solche, die an die tunesische Küstenmarine verchartert würden, und zwar aufgrund der großen Nachfrage durch Asylbewerber, die sich darin nach Europa schmuggeln lassen wollen, also das gehört doch eigentlich auf jeden Fall in mein Angebotsportfolio, gell?

Ich antworte, dass ich grundsätzlich keine Produkte anbiete, die ich nicht einmal selbst wenigstens  ansatzweise verstehe und erst recht keine Schiffs-Container, auch, wenn die Sales-Story immer so nett klingt.
Das versteht Susanne Berger natürlich und das wäre ja auch richtig so, genau aus diesem Grunde sollte ich ja sehr dringend das Haus des Ship, Sail and Rail-Containerdienstes in Hamburg kennenlernen, denn die wären aber sowas von ganz anders aufgestellt, zumal sie mit ihrem Premium-Produkt der strahlenisolierten Castor-Container gerade im Raum der soeben zusammengebrochenen Sowjetunion äußerst lukrative Geschäfte mit örtlichen Mafiabossen machen würden, aber hallo, da wären Renditen von 300% keine Seltenheit!
Ich entgegne, dass ich meinen Kunden keine Schiffscontainer anbieten werde, auch keine strahlenisolierten.

Susanne Berger versteht das sehr gut und findet das auch lobenswert, genau deshalb sollte ich mir mal den Ship-Sail-Rail & Fail Containerdienst in Hamburg genau ansehen, denn deren Produkt des Müllraumschiffscontainers für die internationale Orbitalstation Glasnost, die Aserbeidschan nächstes Jahr ins All schießen möchte, würde genau auf mein Klientel passen und rein zufällig wäre Herr Seber (was passender Weise verdammt ähnlich nach „Seebär“ klingt) nächste Woche hier in Unterfranken und da könnte er mich ja mal, wenn ich das unbedingt wollte.
Und ich sage, dass ich weder Zeit noch Interesse habe, weder an dem Herrn Seber, noch an den Altkleiderschiffscontainern.

Susanne Berger kann das gut verstehen, ich würde ja schließlich als Geschäftsmann nur Zeit und Geld in ein wirklich lukratives Produkt und Angebot investieren, weswegen Sie ja anruft und ob es mir am Montag um 15.00 Uhr oder besser am Sonntag um 23.00 Uhr passen würde.
Ich erkläre, dass es mir niemals passen würde, nicht heute, nicht morgen, nicht, wenn die Sonne explodiert und die Hölle zufriert, Sigmar Gabriel Kanzler wird und der Messias kommt. Ich will Herrn Seber nicht sehen, keinesfalls, unter gar keinen Umständen, selbst, wenn er auf einer Wolke mit sexuell attraktiven Mittzwanzigerinnen geritten kommt!
Susanne Berger kann das gut verstehen, schließlich wolle ich als Geschäftsmann und Premium-Vertriebspartner nicht jeden X-beliebigen Verkäufer empfangen, weswegen sie mich zu meinem sehr vernünftigen Entschluss beglückwünscht, Herrn Seber am Montag um 15.00 Uhr zu empfangen, er tränke seinen Kaffee gerne mit Milch und etwas Gebäck und würde mich dann eingehender über das äußerst attraktive Produktangebot des Ship-, Sail-,  Rail-, Fail und Nail-Containerdienstes informieren.
Ich brülle ins Telefon, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht da bin, geplatzt bin, auf Weltreise bin, im Urlaub bin, im Nirwana bin, von Sinnen bin!
Susanne Berger versteht das sehr gut, aber ich müsse mich da schon auch etwas nach Herrn Seber richten, immerhin käme er ja rein zufällig extra aus Hamburg, um mich zu besuchen, daher wäre es sehr gut und wichtig, dass ich den Termin einhalten würde, das würde sie von einem Geschäftspartner wir mir eigentlich schon verlangen dürfen können, ich solle aber Bescheid sagen, wenn es mir nicht passen würde, das wäre einfach eine Sache der Höflichkeit.
Ich sage, es passt mir um 15.00 Uhr nicht, ich hätte da bereits einen Termin, ob wir den Termin um 10 Minuten nach hinten verlegen könnten, bis dahin müsste ich wieder frei sein.

Frau Berger kann das nicht verstehen, Herr Seber käme extra zufällig aus Hamburg in meine Gegend, um mich über die traumhaften Renditen der Big-Brother-Container zu informieren, mir quasi den Weg in eine unbeschwerte, sorgenfreie und glückliche Zukunft mit den Produkten des Ship-, Sail-,  Rail-, Fail-, Nail- und Heil-Containerdienstes   aufzuzeigen und gleich beim ersten Termin würde ich mich als derart unzuverlässig , ja, geradezu unwürdig und undankbar erweisen. Nein, mit jemandem wie mir möchte der Ship-, Sail-,  Rail-, Fail-, Nail- und Heil-Containerdienst keine Geschäftsbeziehung eingehen,  da müsste ich noch etwas an meiner Organisation arbeiten, ich könne gerne wieder auf sie zukommen, wenn ich meine terminlichen Planungsschwierigkeiten besser im Griff hätte, sie wünsche mir ansonsten noch ein schönes Restleben und dann legt sie empört auf, ohne eine Antwort abzuwarten.

Verdammt. Vielleicht wäre das das Angebot meines Lebens gewesen. Und ich habe es verbockt. Manchmal entscheiden 10 Minuten über den Rest unseres Lebens. Ich Zwerg.

Freitag, 13. September 2013

Gott und die Welt


Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. (Genesis 1.Mose, Vers 31)

Als ich Gott das erste Mal traf, saß er auf der Veranda von Joey´s am „Plaza de la Revolution“ in Havanna und nippte an einem Caipirinha. Er trug damals diesen albernen Strohhut, eine Sonnenbrille und ein ausgebleichtes schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck „What the hell“ und hellbraune Bermuda-Shorts. Er war sichtlich entspannt.

„Hallo“ sagte ich „Ich bin Thilo.“ Und er sagte „ich weiß“, was auch klar ist, denn schließlich war und ist er Gott. „Du kannst Jahwe zu mir sagen oder Allah oder Manitu oder Dieter, wie Du willst.“ bot er mir an und ich entschied mich, bei der doch eher unpersönlichen Anrede „Gott“ zu bleiben. „OK, aber das ist eigentlich nur mein Titel. Das ist, als würdest Du mich mit Doktor anreden, aber das ist auch in Ordnung für mich“ meinte er und fügte grinsend ein „mein Name ist Legion“ hinzu. Da mussten wir beide lachen.

Ich setzte mich hin, Gott wischte mit der Getränkekarte ein paar Pizzakrümel vom Tisch und bestellte zwei weitere Caipis. „Also Mann, was kann ich für Dich tun?“ fragte er. „Ich will es endlich wissen: warum gibt es so viel Elend auf der Welt, warum hat die eine Hälfte im Überfluss und andere müssen elend verhungern? Was hast Du Dir dabei gedacht?“

„Ich?“ Gott schien ehrlich verblüfft. „Ich hab damit gar nichts zu tun, ich habe Urlaub.“ „Bitte?“ „Ja klar, es ist der siebente Tag, ich ruhe mich aus, für den Scheiß seid Ihr ganz alleine verantwortlich, mein Job ist getan. Ich habe Euch eine echt klasse Erde gebastelt, mit allem Zipp und Zapp und Fjorden, Urwäldern und Wüsten, damit für jeden Urlaubstypen was dabei ist, aber weil ich Euch anscheinend zu wenig Hirn gegeben habe, macht Ihr nur Mist damit.“ „Moment“ entgegnete ich „Du kannst uns dafür nicht die Schuld gegeben. Du hast uns so gemacht, also beschwere Dich nicht.“ „Tu ich nicht, mir ist das doch wurscht, ich sitze hier in der Sonne bei diesem leckeren Getränk, das ich eine ziemlich clevere Eingebung fand und beantworte Deine Fragen. Du bist derjenige, der sich beschwert.“ 

Ach ja? „Ich dachte, Du liebst alle Menschen und dann sitzt Du hier in der Sonne und schaust zu, wie sie sich gegenseitig das Hirn einschlagen? Alleine schon deswegen, weil sie nicht sicher sind, ob sie Dich Allah oder Jahwe nennen sollen? Nennst Du das Liebe?“ „Jepp.“ Gott nippte an seinem Getränk. „Ich habe Euch einen Verstand gegeben, damit Ihr ihn gebraucht. Wenn mich also überhaupt ein Verschulden trifft, dann das, dass ich Euch keine Gebrauchsanweisung mit dazu in die Hand gedrückt habe. Aber im Grunde bin ich fertig. Mit Euch. Ein bisschen müsst Ihr auch selbst Verantwortung übernehmen.“

„Du könntest Dich vielleicht mal offenbaren, damit jeder weiß, was Sache ist und diese dämlichen Religionsstreitereien aufhören“ schlug ich vor. „Und an was denkst Du da? Soll ich wieder den brennenden Dornbusch machen? Mal wieder 90% von Euch in einer Sintflut ersäufen? Irgendeinen von Euch kreuzigen lassen? Oder ein Buch diktieren? Ihr glaubt doch sowieso nichts.“ sagte er und klang dabei etwas resigniert.

„Ja, bin ich Gott oder Du? Mache eine weltweite Fernsehansprache, reite auf einer Wolke oder brenne Deinen Namen jedem Menschen auf die Stirn, irgendetwas Spektakuläres. Einem Typen, der sich die Fjorde oder Mallorca ausgedacht hat, sollte da doch etwas einfallen, der sollte doch Phantasie genug haben, sich zu offenbaren!“

Gott beugte sich vor, klopfte mir auf die Schulter und zeigte auf das Blumenbeet auf dem Plaza. „Was siehst Du?“ fragte er. „Ein Beet, was denn sonst?“ „Siehst Du?“ Gott lächelte „In diesem Beet befinden sich 63 Tulpen, 168 Bienen, 20 Fliegen, 63 Spinnen verschiedener Gattung, 12 Wespen, 388 Blattläuse und ein paar Millionen Mikroorganismen, Bakterien und Viren. Und alle leben da, sterben da, existieren da und sind da. Das alles habe ich geschaffen. Jetzt sag Du mir: wie viele Offenbarungen braucht Ihr noch?“
Ich schluckte. Da hatte er recht, der Gott. Man musste nur hinsehen. 

Gott stand auf und klopfte mir noch einmal auf die Schulter. „Du zahlst übrigens“ sagte er und tippte grüßend mit dem Zeigefinger an die Hutkrempe. „Man sieht sich“ sagte er auch noch. Dann verschwand er im geschäftigen Trubel auf dem Plaza. Und ich hatte die Rechnung an der Backe. Wie immer, wenn ich mit Gott redete. Elender Schnorrer.

Montag, 9. September 2013

Nach Erlangen ist es nicht so weit

Ich sitze im Speisewagen irgendeines ICE "Eva Braun" zwischen Leipzig und Eisenach und bin so mehr oder weniger gezwungen, den Dialog des alten Ehepaares am Nachbartisch mitzuhören. Beide dürften sich aus irgendeiner kurzen Entfernung den 70 nähern, beide sind leicht überdurchschnittlich gut gekleidet und beide unterhalten sich, nachdem sie beide erst 10 Minuten wortlos aus dem Fenster gestarrt ha...ben, auf eine geradezu lorioteske Weise. Sie legt völlig spontan und komplett ohne Zusammenhang los, da ihr anscheinend ein entsetzlicher Gedanke durch den Kopf schießt:

Sie: Du hast für Obersdorf die richtigen Schuhe an.
Er: Was?
Sie: DU HAST DIE RICHTIGEN SCHUHE AN!
Er: Wofür?
Sie: Für Obersdorf.
Er: Ja.
Sie: Ich habe die falschen Schuhe.
Er: Wieso?
Sie: Ich kann in denen nicht laufen.
Er: Aber Du läufst doch.
Sie: Ja, aber nicht in Obersdorf.
Er: Nein, nicht in Obersdorf.
Danach ca. 60 Sekunden Schweigen. Beide sehen wieder aus dem Fenster. Dann, unvermittelt...
Sie: Erlangen ist auch schön.
Er: Ja, ist auch schön.
Sie: In Erlangen wohnt jetzt auch der Sohn von Frau Nitzschke.
Er: Ja.
Sie: Der studiert da.
Er: ...
Sie: Nach Erlangen könnten wir auch mal wieder.
Er: Ja. Erlangen.
Sie: Ich sach ja immer, von Erlangen aus isses gar nicht so weit.
Er: Wohin?
Sie: Von uns aus.
Er: Dann musst Du das anders sagen.
Sie: Was?
Er: Von uns aus isses gar nicht so weit nach Erlangen.
Sie: Sach ich doch.
Er: Nein. Tust Du nicht.
Pause
Er: Das Paket aus Harrington müsste bald da sein.
Sie: Das ist ein schweres Paket.
Er: Die bringen das.
Sie: Oder wir holen es ab.
Er: Das wird mit dem Roller nicht gehen. Dafür ist es zu schwer.
Sie: Dann müssen die das bringen.
Er: Ja, die Post muss das bringen.
Sie: ...oder die DHL.
Er: Die Post ist die DHL.
Sie: Oder mit UPS.
Er: Heute ist aber Feiertag.
Sie: Dann muss das Frau Nitzschke für uns annehmen.
Er: Du hörst nicht zu, heute ist Feiertag.
Sie: Wir sind ja auch nicht daheim.
Er: Die kommen heute nicht, frühestens morgen.
Sie: Da ist Frau Nitzschke nicht da.
Er: Wir können es auch abholen.
Sie: Aber nicht mit dem Roller.
Er: Nein, dafür isses zu schwer.

Wir erreichten danach Eisenach und die beiden Bekannten von Frau Nitzschke mussten aussteigen. Ich werde nie erfahren, wie es sich in Obersdorf in Damenschuhen läuft, warum es nach Erlangen nicht so weit ist und ob das schwere Paket aus Harrington je ankam. Aber ich bedanke mich bei meinen unbekannten mitreißenden Mitreisenden für den tiefen Einblick in die menschliche Psyche nach 40 Jahren Ehe, wenn man sich einfach auch nur noch mit einfachen Sätzen versteht. Und, an Frau Nitzschke, sollten Sie das je lesen: ziehen Sie weg. Weit weg. Also nicht nach Erlangen! Nach Erlangen ist es nicht so weit.

Freitag, 14. Juni 2013

Da lacht der Außerirdische, der Terraner wundert sich

Auf den Voyager-Sonden sind Schallplatten angebracht, die neben typischen Geräuschen der Erde (Wahlgesänge, Wind, Donner, Autounfälle, Furzkissen, Faxempfang, Toilettenspülung, Streitendes Ehepaar in der Nachbarschaft, Martinshorn, mit-den-Fingernägeln-über-eine-Schultafel-kratzen) auch Grüße in 55 Sprachen an potentielle außerirdische Finder ausrichten.

Die Grüße selbst sind vom Grunde her banal (Deutschland grüßt mit einem postkartenbiederen "Herzliche Grüße an alle", fehlt noch ein "Das Wetter ist fantastisch, aber das Hotel, naja und das Essen ist auch nicht so dolle"), nichtsdestotrotz haben sich einige Sprecher doch sehr - seltsame Grüße einfallen lassen.

Meine persönliche Hitliste:

10) Kurz und bündig die ausgestorbenen Hethiter: "Ashshuli"
Klingt wie eine Erkältung und bedeutet kurz und knackig "Heil" und ist wohl der Hoffnung geschuldet, dass es da draußen doch irgendwie "Reichsflugscheiben" der Hethiter gibt

09) Die Italiener sind begeistert: "Tanti saluti e auguri"
"Viele Grüße und Glückwünsche" - zum Beispiel dafür, die Sonde soeben von der Frontscheibe des UFOS gekratzt zu haben

08) Die Chinesen hingegen sehr höflich, aber direkt: 各位都好吧?我们都很想念你们,有空请到这来玩
Das ist eine sehr konkrete Einladung und bedeutet: "Hoffen, Euch allen geht es gut. Wir denken an Euch alle. Bitte, kommt hierher und besucht uns, wenn Ihr Zeit habt!"
Jo, mal schauen - Supernova gucken am Dienstag, Mittwoch Meteoritenschauer - vielleicht könnten es die Außerirdischen am Donnerstag zwischen der Gravitationsanomalie und dem Warpkernbruch einrichten...?

07) Dieser freundlichen Einladung folgt etwas Ähnliches auf Amoy: "Freunde im Weltraum, wie geht es Euch allen? Habt Ihr schon gegessen? Kommt und besucht uns, wenn Ihr Zeit habt". Das finde ich etwas gruselig. Wen oder was sollen die außerirdischen Finder essen? Ich hab so eine Idee, aber... Nein, nicht im Ernst. Oder doch?

06) Eine Schwedin hat anscheinend die Bänder verwechselt und statt des richtigen Textes ihr Tape mit der Kontaktanzeige gesendet: "Hälsmingar från en data programmerare i den lilla universitats staden Ithaca på planeten jorden"
Tatsächlich: "Grüße von einer Computerprogrammiererin in der kleinen Universitätsstadt Ithaca auf dem Planeten Erde." Sucht hier jemand den ersten exterrestrischen Ehepartner? Das dürfte spannend werden.

05) Auf Radschastani werden die Außerirdischen etwas, hmm, unfreundlich angesprochen. "Hallo an alle. Wir sind hier glücklich, und Ihr seid dort glücklich." Geistiger Nachsatz: "Bitte bleibt, wo Ihr seid und kommt lieber doch nicht zum Essen."

04) Bei den Türken herrschte hingegen orientalischer Optimismus: "Sayın Türkçe bilen arkadaşlarımız, sabah şerifleriniz hayrolsun!", auf Deutsch: "Liebe türkischsprechende Freunde, mögen die Ehrenbezeigungen des Morgens über Euren Häuptern sein". Klar, Außerirdische sind Freunde - wenigstens, wenn sie türkisch sprechen. Das kenn ich aus Frankfurt. Was aber bitte sind "Ehrenbezeigungen der Morgens"?

03) Die Franzosen halten es da eher salopp: "Bonjour tout le monde" - "Guten Tag, allerseits". Das hat was von einem entspannten "Hallo erstmal".

02) Auf Pandschabi wird es gemütlich: "Willkommen daheim. Es ist eine Freude, Euch zu empfangen." Macht es euch auf dem Sofa bequem, lasst aber bitte die Flossen an.

01) Der absolute Oberkracher aber und daher berechtigter Platz 1 ist die indonesische Botschaft: "Selamat malam hadirin sekalian, Selamat berpisah, Sampai bertemu lagi dilain waktu." was bedeutet "Gute Nacht, meine Damen und Herren. Lebt wohl und auf Wiedersehen das nächste Mal." Gab es je einen hübscheren Rausschmiss von extraterrestrischen Lebensformen aus der terranischen Kneipe?

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Grußbotschaften_auf_der_Voyager_Golden_Record)

Montag, 27. Mai 2013

Patsch

Neulich war ich an einem spannenden und unbekannten Ort: meinem Keller. Dieser Gruft meines bisherigen Lebens, in dem all die Dinge aufbewahrt werden, die ich vielleicht noch einmal brauchen könnte, man weiß ja nie, was noch kommt. Beispielsweise die Zahnarztrechnung von 1995. Der damalige Zahnarzt ist zwar schon tot, aber wenn ich in 5 Jahren neue Zähne bräuchte und der Zahnarzt fragen würde, wie alt meine bisherigen Kronen wären, dann könnte ich sagen, „he“. „He“ könnte ich sagen, „hier ist meine Rechnung von 1995, da sehen Sie genau, was gemacht wurde – und was das gekostet hat. Rechnen Sie Ihren Preis einfach mit der Inflationsrate hoch“.

Oder vielleicht kämen die Erben des Zahnarztes und würden behaupten, dass ich die Rechnung von 1995 noch nicht bezahlt hätte, dann könnte ich ihnen meine Rechnung mit meinem Vermerk „bezahlt am 23.7.1995“ unter die Nase halten und wäre fein raus.

Dann habe ich in einem Kästchen noch etwas Spannendes gefunden: einen Stempel mit der Aufschrift „Duplikat“. Ich habe seit Jahrzehnten kein „Duplikat“ mehr abgestempelt. Immer nur auf die Kopie „Kopie“ mit Word geschrieben. Spätestens seit Windows95. Dies bedeutet, dass dieses Kleinod der Buchdruckkunst, dieses gutenbergsche Erbstück aus der Renaissance, dieses wahrhaft archaische Instrument der Verfielfältigungsbeglaubigung seit wenigstens knapp 20 Jahren bei mir im Keller liegt.
Was waren das noch für Zeiten, als sich schlechtgelaunte Postbeamte am schlechtgelaunten Postbeamtenbriefeinlieferungsschalter damit beschäftigten, auf die liebevoll von hinten geleckte Marke mit einem satten Knall einen Postzeichenentwertungsstempelabdruck zu schlagen, quasi als akustisches Zeichen, dass mein Brief mit der Bitte um den väterlichen Scheck nun in der Verfügungsgewalt der Deutschen Bundespost war und seiner Beförderung durch hochkompetente Postbeförderungsbeamte harrte.

Aus und vorbei. Eine unbarmherzige Computerisierung hat dem guten alten, leicht übergewichtigen Postbeamten unbarmherzig den Garaus gemacht und ihn durch die Gemüseverkäuferin im Supermarkt oder, in den Hauptpostämtern, durch den guten alten, leicht übergewichtigen Customer-Client-Relationship-Manager ersetzt, der die Bitte nach einer Rolle selbstklebender Briefmarken mit der Frage kontert, ob ich denn schon die wunderbare Finanzerlebniswelt der Postbank kenne und diesbezüglich dringend eine Beratung wünsche. Was ich aber stets nicht wünsche. Ich wollte nur Briefmarken, sonst nichts.
Ich stecke den Stempel in die Tasche. Gutenbergs Erfindung war für die Welt und ihre Geschichte zu wertvoll, um in meinem Keller ein karges Dasein bis zu seiner Verrottung zu führen.

Und tatsächlich: im nächsten Kundengespräch drücke ich meinen „Duplikat“-Stempel mit dem berühmten satten „Patsch“ auf die Kundenkopie, die ich soeben mit Word ausgedruckt habe und ernte ein erstauntes „das nenne ich aber mal ein antiquiertes Geräusch“.
Mein Gegenüber hat verstanden. Der satte Knall des Stempels signalisiert „Basta. Der Vorgang ist abgeschlossen“.

Seitdem stemple ich wieder. Stempeln macht Spaß, wirkt irgendwie offiziell und lässt keine Wünsche offen. Keine rote Linie unter einem falsch geschriebenen Wort, keine Veränderungen des Schriftgrades möglich, keine Fonts, keinen Irrtum, kein garnichts. Mein Stempel und ich. Immer das gleiche Wort, egal, wie oft ich ihn irgendwo draufhaue, immer in schöner Regelmäßigkeit. Und ich schwöre: so lange es noch Stempelkissen gibt, werde ich allem wenn irgendwie möglich meinen Stempel aufdrücken.
Allerdings beschäftigt mich doch immer noch eine Frage, die mir auch das Internet nicht beantworten konnte: wie bekommt man Stempelfarbe aus dem Hemd, wenn ich mir versehentlich den Ellbogen aufs Stempelkissen gelegt habe?