Donnerstag, 9. Juni 2016

Platzkonzert


In jeder Beziehung kommt der Moment, in dem sich der geliebte Partner, dieser Adonis und weltgewandte James Bond für die Mittelschicht und die Brigitte Bardot für Fernsehillustriertenleser plötzlich als profaner Mensch mit Stärken – aber auch mit Schwächen outet.

Ich hatte mein Coming-out als Mensch anlässlich einer Reise, bei der ich ein kleines, sympathisches und intimes Hotel für Romantik zu Zweit gebucht hatte. Und hätte ich gewusst, wie verdammt intim dieses Hotel ist, ich hätte… Aber der Reihe nach:

Das „Love London Live“ liegt in einer kleinen, verschwiegenen Seitengasse des wahnsinnig romantischen und sympathischen Picadilly Circus, wo sich die Liebenden Londons treffen, um von englischen Taxis gemeinsam überfahren zu werden. Bei diesem sympathischen Boutiquehotel treffen burleske Einrichtung auf den Versuch, auf 10m² ein Doppelbett, eine Toilette, eine Dusche, einen Schrank und ein Waschbecken unterzubringen. Gefangene in Guantanamo haben mehr Platz für sich, aber man will ja auch die Stadt sehen und sich nicht im Hotelzimmer aufhalten, nicht wahr?

Der eigentliche Punkt ist jedoch, dass den Hotelbetreibern ihr kleines Laborrattenexperiment dadurch gelungen ist, dass sie die Wände von Toilette und Dusche derart dünn gehalten haben, dass japanische Innenwände dagegen wie Betonarmierungen wirken.

Und so sieht das aus: Da liegt die schönste aller Frauen neben mir erschöpft im Bett und die Burger des kombinierten Mittag- und Abendessens klopfen ungeduldig beim Pförtner meines Magens an und bitten um Auslass. Nun wäre es ja nicht so, dass man selbst nicht schon öfter in Anwesenheit des Partners mal eben Dinge getan hätte, die man als Mensch nun einmal tun muss, wenn man nicht platzen will, aber da war stets ein atombombensicheres, vor allem aber schalldichtes Refugium in der Nähe, in das man sich gutgelaunt mit Handy und Toilettenpapier hätte zurückziehen können, um so zu tun, als wasche man sich nur schnell die Hände oder pudere sich das Näschen…

Nicht so im „Love London Live“. Hier liege ich ja quasi mit den Füssen sowieso schon in der Toilettenschüssel, wenn ich mich nur fest genug ausstrecke, was ich tunlichst vermeide. Der einzige Lichtblick im Sackdunklen ist, dass Melanie einen Schlaf wie eine Tote hat und in der Regel selbst Luftschutzsirenen und das durchdringende „Kikeriki“ ihres verdammten Android-Handys in ihre Träume einbauen kann, wenn sie nur schlafen kann. Und so liege ich im Dunklen und forsche nach der Verhaltensweise meines Mageninhaltes.

Zuerst bahnt sich ein kleiner, frecher und dankenswerter Weise laut- und geruchsloser Wind seinen Weg nach draußen, ein üblicherweise sicheres Zeichen, dass da noch mehr ist, was ´raus will. Und zwar bald. Ich presse die Pobacken zusammen wie ein Pferdejockey und flüchte vorsichtig und möglichst leise in den Luftschutzbunker aus Pappmaché, der nur eine Armlänge entfernt ist.

Es reicht gerade noch, die Schlafanzughose nach unten zu ziehen. Was jetzt folgt, ist ein wunderbares Crescendo Beethovens 9ter Symphonie, gespielt auf der Arschposaune mit einer überraschenden Klangfülle, wie sie wohl nur die Baked Beans, die zu dem Höllenburger serviert wurden, hervorbringen können. Und mitten in den Teil mit dem „Babababaaaa“ höre ich eine Stimme rufen: „Thilo? Ist alles in Ordnung?“

Ich schätze, dass es Gottes Art von Humor war, mich hier zur Ordnung zu rufen. Die korrekte Antwort wäre jetzt „Nein, nichts ist in Ordnung, weil ich Dich soeben aus dem Schlaf gefurzt habe und noch lange nicht am Ende mit dieser kleinen Symphonie für eine Arschgeige bin und mich die Luft in meinem Bauch wie ein Heißluftballon an der Klodecke schweben lässt. Die Thermik hier im Raum ist wunderbar. Tu mir den Gefallen und verlasse das Gebäude. Nach Calais. Oder Norwegen. Auf jeden Fall weit weg! Wir sehen uns eines Tages wieder, wenn Du diesen Schock überwunden hast. Allerdings werde ich da schon 10 Jahre tot sein und wie so was riecht, erfährst Du, wenn ich die Türe aufmache, um ´rauszukommen…“

Stattdessen entscheide ich mich aber für ein halb-fröhliches, halb gestöhntes „ja, alles prima, alles schick, der, ehm, Toilettendeckel, also die Brille, das Dings da, das, ehm, hehe, knarzt sehr…“

„Bei mir nicht“ antwortet meine Lady Godiva im Halbschlaf, dann ist ein kurzes „wumpf“ zu hören, als ein Körper wieder auf die Matratze fällt, während sich der letzte Wind of Change mit einem leisen Legato verabschiedet.

Ich sitze noch eine Weile vor mich hin, ob noch etwas kommt oder ich mich gefahrlos aus der Kammer des Schreckens entfernen kann. Immerhin will ich mir noch die Hände waschen und muss dabei im Stockdunklen über ein Doppelbett, zwei Koffer und eine leere Rotweinflasche steigen, was schon noch einmal ein veritabler Parcours sein wird, als sich ein neues Geräusch durch die Papierwand hören lässt.

Es ist ein tiefes „Rrrrrrrr“, wie es wohl nur eine Gruppe von Holzfällern mit schweren Kettensägen im brasilianischen Regenwald hervorbringt, wen mal wieder „ein Fußballfeld gerodet wird“. Nur sind wir nicht im brasilianischen Regenwald und nachts um Drei sind auch in London keine Holzfäller unterwegs. Zwischendurch ist immer mal ein kleines Grunzen zu hören, das ich auch von mir kenne, wenn mir irgendwelche Körpersäfte im Rachen hängen…

Eingeschlafen. Tief. Ich schleiche über meine Hindernisbahn, wasche mir leise die Hände und nehme Melanie, die das Geräusch einer Panzerparade auf dem Champs-Elysee imitiert, in den Arm.

Am Ende des Tages und am Beginn des neuen Tages sind wir alle nur Mensch. Leider und Gottseidank.

Mittwoch, 11. Mai 2016

2658O


Neben den üblichen Begleiterscheinungen des Alterns wie der hochflexiblen Bestellung in Restaurants („Das Wiener Schnitzel bitte ohne Panade, weil ich von der Sodbrennen kriege und statt der Pommes bitte Salat, weil ich kein Fett vertrage, aber bitte auch keine Zwiebeln im Salat, da ich von denen Hautausschlag bekomme und wenn Sie statt Schweine- vielleicht Putenfleisch verwenden könnten? Ja, dazu en Wasser, aber bitte still,, sonst muss ich aufstoßen“), habe ich festgestellt, dass die Gedächtnisleistung nachlässt. Zumindest manchmal. Aber vor allem dann, wenn es wichtig ist.

Da stehe ich neulich vor dem Bankautomaten meiner Wahl, um mir Bares zu holen, so lange es Bares noch gibt und ich das auf dem Konto habe, hinter mir eine Schlange bis Lissabon, weil es Samstag ist und ich gebe meine Geheimzahl ein und meinen Wunschbetrag. Ich habe das Portemonnaie schon in freudiger Erwartung des Geldregens geöffnet, als mir der Automat der örtlichen Raiffeisensparkasse mit einem hübschen roten Balken unterlegt hämisch mitteilt: „falsche PIN-Eingabe“. Und, etwas  tröstlich, „PIN bitte erneut eingeben.“

Tja.

Ich habe mir die PIN nur am Anfang gemerkt, seitdem gebe ich ein Muster ein. Ich starre auf die Tastatur. Haben die die ´rumgedreht? Die 1 links oben statt links unten? Oder isses normalerweise umgekehrt? Verdammt… Ich weiß es nicht… Meine Geheimzahl hatte etwas mit dem Kriegsende zu tun. Nur welchem? 1918 oder 1945? Es könnte auch 1815 oder 1866 oder 1871 gewesen sein. Welcher Krieg war es denn?

Ich merke, wie mir der Schweiß auf die Stirn tritt. In meinen Rücken bohren sich die Dolche der Blicke der anderen Kontoplünderer. „Kein Geld auf dem Konto, aber abheben wollen“ sagen die Blicke. „Depp“ sagen die Blicke.

Ich entscheide mich für den zweiten Weltkrieg, aber rückwärts. 5491.

„Falsche PIN-Eingabe“ höhnt mich der Geldautomat an.

Okay. Konzentration. Einen Versuch habe ich noch. Es kam eine 7 drin vor. Oder eine 8. Oder eine 9. Eventuell auch eine 0, eine 1 und eine 3. Aber auch eine 2 oder 4 wäre möglich. Ich habe eine unendliche Zahl von Möglichkeiten  vor mir. Es ist ein Spiel 4 aus 10, was eine höhere Gewinnquote  als beim Lotto ist. Draußen hockt meine Verabredung im Café gegenüber und wartet, dass ich die Rechnung zahle. Drinnen warten die anderen Steuerzahler hinter mir, räuspern sich und scharren mit den Füßen. Irgendeiner knurrt „wird´s bald?“. Es ist aber wie beim Pinkeln. Ich kann nicht, wenn einer neben mir steht. Mein Kopf ist so leer wie die Minen von Moria. Und so voll mit Zahlen, ich könnte ein Universum aus Mathematik schaffen. Aber ich brauch nur 4 Ziffern.

Es ist lächerlich: ich könnte die komplette Schlange hinter mir zum Essen einladen, wenn mir nur die verfickten Zahlen einfallen würden. Ich habe damals, 1992, die PIN der Bank genommen und mir keine eigene herausgesucht. 1945 ist, glaube ich, der Entsperrcode für mein Handy und mir fällt spontan die Telefonnummer 6118 meiner ersten Freundin ein, damals, 1983, aber die nutzt mich jetzt auch nichts. 209 sind die beiden letzten Ziffern meiner Autonummer, zumal es drei Ziffern sind, was immer noch eine zu wenig ist. Ich erinnere mich an die 515 2364, die ist meine erste Handynummer, hilft mir aber genauso wenig wie die Spontaneingebung 3002 als die letzten vier Ziffern meiner Kreditkarte. Es hilft nichts. Mir fällt jede sinnlose Nummer seit 200966 ein, was zufällig mein Geburtsdatum ist und das ich schlauerweise für gar nichts verwendet habe. Ich stehe unter Leistungsdruck.

Ich hatte irgendein Muster bisher. Ich glaube, es war ein Pfeil. Was die Möglichkeiten auf 1579 oder 1597 oder 9524 oder 9542 eingrenzen würde, aber mir sagt das alles nichts. Es könnte auch 7562 oder 7526 oder 3584 oder 3548 sein. Oder aber es war ein L. Eine L-Form. Genau. Ich sortiere meine Gedanken. 9632. Ich bin ganz sicher. Ganz sicher, dass ich noch nie etwas von dieser Nummer gehört habe. Ich meine, es war eher eine Y-Form, weil ich damals noch dachte „oh, eine Y-Form“, aber das dachte ich damals beim Entsperrcode für die SIM-Karte auf dem Handy.

„Bis der fertig ist, haben wir wieder die D-Mark“ höre ich einen Mann mit Schnauzbart hinter mir laut sagen.

„Ich weiß meine Nummer nicht mehr“ gebe ich mich geschlagen und drehe mich um. „Und ich habe nur noch eine Chance.“ „Dann machen Sie halt Platz für die, die ein besseres Gedächtnis haben“ schnauzt der Schnauzbartmann zurück.

Ich überlege, wo ich mir die Nummer notiert haben könnte. Auf dem Handy? Bis ich das durchsucht habe, ist mein Handy-Vertrag abgelaufen. Der Umschlag mit der richtigen PIN liegt in der linken unteren Schublade meines Schreibtisches. Oder oben rechts im Küchenschrank, wo irgendwie immer alles liegt. Genauso gut könnte das Zeug auf der Venus sein. Ich komme jetzt nicht dran.

Ich drehe mich wieder zum Automaten und schließe die Augen. Meine linke Hand wandert auf die Tastatur. Ich blende alle Geräusche aus und höre auf die Stimme des Universums. Um mich herum wird es ganz ruhig. So unendlich ruhig. Ich tauche in die Sterne, in die Galaxien, Raum und Zeit haben keine Bedeutung mehr. Dann durchflutet es mich wie pure Energie. Die Finger meiner linken Hand beginnen sich wie von selbst zu bewegen. Zeigefinger. Druck. Mittelfinger. Druck. Mittelfinger. Druck. Ringfinger. Druck.

Ich öffne die Augen. „Falsche PIN-Eingabe. Ihre Karte wird aus Sicherheitsgründen einbehalten“ erklärt mir der Automat, die alte Drecksau.

Ich trete enttäuscht, zornig und verwirrt einen Schritt zurück. Ich bin bis in mein tiefstes Mark erschüttert und gedemütigt. Ich bin alt. Ich weiß meine PIN-Nummer nicht mehr. Und als ich mein Portemonnaie einstecken will, fällt mir meine Bankkarte aus einem der Steckfelder.

Ich bin dann unter dem gemurmelten Beifall der anderen Wartenden gegangen. An einen anderen Automaten. Ich habe blind meine PIN eingegeben und habe Geld abgehoben. Und ich weiß bis heute nicht, welche Karte ich in den Automaten gesteckt habe. Aber sie hat mir nie gefehlt. Manchmal ist das Universum wirklich ein Arsch.


Freitag, 5. Februar 2016

Bauvorhof der Hölle

Vergesst die Navy-Seals, GSG9, KSK, Cobra, Speznas und wie sie alle heißen. Alles Luschen, Kindergarten, Anfänger und Sandkastensoldaten. Nein, die wirklich harten Jungs, die, die es echt draufhaben und Tag für Tag ihr Leben zum Wohle des Ganzen riskieren, die bei Wind und Wetter und manchmal sogar während der offiziellen Kaffeepause von 14.00 – 17.00 Uhr schwer mit Schraubenschlüsseln bewaffnet für Ordnung in der Welt des Wohlstandsmülls sorgen, sind die Mitarbeiter des Gemeindebauhofs.

Nicht jeder ist für diesen Knochenjob geeignet. Dringende Voraussetzung sind ein Alter jenseits der Fünfzig, eine chronische Krankheit, eine orange Warnweste und eine Wollmütze, auch im Sommer, und wer einen chronischen Raucherhusten und ein Päckchen Rothändle oder Overstolz einstecken hat, bekommt den Job.

Aber auch zwischen den gesundheitlich mindestens Angeschlagenen wird noch einmal kräftig gesiebt. Alleine die Ausbildung zum Hilfs-Bauhofmitarbeiter dauert Minuten. Wie findet man die richtige Geschwindigkeit zum Öffnen des Bauhoftores? Ist der Bauhofmitarbeiter zu schnell, versuchen zu viele Müllbürger gleichzeitig durchzuwitschen und es herrscht Chaos am Grünabfall. Ist er zu langsam, verziehen sich die Bürger und kippen den Rasenschnitt in die örtlichen Grünanlagen. Dann die richtige Sprechgeschwindigkeit. Autoritär, aber auch bestimmt und unfreundlich. Außer bei Frauen diesseits der 50. Hier darf der Bauhofsheriff auch mal lächeln. Ein bisschen. Dann: die Sprechgeschwindigkeit muss schnell, der Duktus kurz, knapp und militärisch sein, gewiefte Profis flechten Huster ein: „Bauschutt *hust* einmal rum, hinten *hust* links!“, oder „Sperrmüll nemmwa *hust* nich, wieder mitnehmen!“ Wichtig ist hierbei ein Tonfall, der keinen Widerspruch duldet.

Bauhofmitarbeiter dürfen nicht diskutieren. „Faustgroße Stücke Styropor“ sind faustgroße Stücke Styropor. Und zwar nicht der Faust von Wladimir Klitschko oder meiner Faust, sondern der Faust eines Neugeborenen. Wenn das der Bauhofmitarbeiter so bestimmt. Weil man ihm irgendwie blöd gekommen ist oder er nur einfach seinen Korn nicht zum Frühstück hatte. Was konkret bedeutet, dass der entsorgungswillige Bürger sich gefälligst unter den misstrauischen Augen des Wachpersonals vor die Styroportonne stellt und sein Styropor stundenlang mit Händen und Zähnen in die einzelnen Bläschen zerschnetzelt und hinterher aussieht, als wäre er durch einen Schneesturm gelaufen.  Und wehe, einer muckt auf! Dann wird der Grünabfall eben in Rasenschnitt, Äste, Pflanzen mit Wurzeln, Pflanzen ohne Wurzeln, Gemüse, Ziersträucher und Unkraut getrennt. Das Folterrepertoire des Bauhofmitarbeiters tendiert nämlich gegen unendlich.

Ich persönlich glaube, dass die Stelle des Bauhofmitarbeiters nur aus dem Grund geschaffen wurde, damit die Leute, die früher in KZ die Aufsicht hatten, eine Anschlussverwendung haben und ihre nahezu grenzenlose Macht über harmlose Bürger, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ihre vollen Abfallkübel aus dem Hof zu bekommen, ausüben können ohne dabei tödlichen Unfug zu treiben. Ich glaube sogar, dass „Bauhof“ so ein typisch deutsches Ding ist. An der Rampe stehen und selektieren. Das haben wir drauf, das machen wir gerne. Ob es nun Menschen oder Gartenabfälle sind. Und in dunklen Momenten habe ich den Verdacht, auf die Antwort „ich habe hier eine Leiche, die entsorgt werden muss“ den Hinweis „einmal rum, hinten der Container vor dem Ausgang links, aber vorher Zahngold entfernen!“ erhalte.

Daher: überlasst die Grenzsicherung den Bauhofmitarbeitern. Da wird dann zwar auf niemanden geschossen, aber bei Übertritt klargestellt, dass es hier keinen Platz gibt, an dem politischer oder religiöser Extremismus entsorgt werden kann. Dann muss der Grenzübertrittswillige eben wieder nach Hause und seinen Extremismus mitnehmen.


Bauhofmitarbeiter – die harten und unbesungenen Helden im Kampf für eine sauber sortierte Umwelt.

Samstag, 26. Dezember 2015

Was wir aus "Star Wars - das Erwachen der Macht" lernen können

1. wie man Schutzschirme ausschaltet und wo die neuralgischen Sicherheitslücken einer Militärbasis sind, ist sogar der Putzfrau bekannt
2. Wenn Ihre Militärbasis Eingänge hat - bewachen Sie diese. Pingen Sie die Wachen computerisiert alle 5 Sekunden an. Sollten Sie keine Bewegung feststellen - Schotten dicht und ausschwärmen lassen
3. Sicherheitspanels mit Codes und Fingerscan lassen sich dadurch überbrücken, dass man auf sie schießt. Dann geht die Tür automatisch auf - oder zu. Je nachdem, was Sie gerade benötigen
4. Auch auf der dunklen Seite der Macht gibt es Luschen
5. Wenn Sie ein riiiiieeeesiges Raumschiff oder einen noch riiiiieeeesigeren Planeten haben, in dessen Entwicklung Sie Jahrzehnte und Fantastillionen an galaktischen Credits investiert haben: sparen Sie nicht ausgerechnet an den 50 Credits für ein Geländer an ganz schmalen Stegen, die über riiiiieeeesig tiefe Schluchten führen. Oder suchen Sie unter ihren Männern einen Deutschen. Der spenglert Ihnen das zusammen.
6. Bei dieser Gelegenheit lassen Sie ihn für ein paar Credits auch noch ein simples Gitter oder Stahlnetz vor Einflugschneisen zum einzigen empfindlichen Punkt Ihrer Verteidigung hängen. Das kommt wesentlich billiger und effektiver als lausige Laserkanonen
7. Sofern Sie ein Raumschiff länger parken: leeren Sie den Tank, verschließen Sie die Türen und ziehen Sie den Zündschlüssel ab. Dann klaut das keiner.
8. Wenn Sie Gefangene haben - lassen Sie diese nicht ohne Aufsicht herumlaufen. Fesseln sind gut und günstig und gibt es bei jedem galaktischen Dorfpolizisten
9. Sorgen Sie für klare Kompetenzen unter Ihren subalternen Offizieren
10. Wenn Sie bei Untergebenen Eindruck schinden wollen, dann kommunizieren Sie mit übergroßen 3-D Hologrammen! Die scheissen sich ein!
11. Tragen Sie keine Familienkonflikte aus, während einer ein Laserschwert hält.
12. Du kriegst nie wieder die Jungs der alten Band zusammen
13. NUTZEN SIE RADAR!

Offene Fragen: wie nennt man die sexuelle Orientierung auf Wookies?

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Der vergessene Weihnachtsbaum

Er sitzt etwas verdrießlich auf der Couch. „Du hast den Weihnachtsbaum vergessen“ sagt er. „Weihnachten ohne Weihnachtsbaum ist kein Weihnachten“ sagt er auch.

„Doch“ sagt sie „doch, ich habe einen Weihnachtsbaum. Ich habe ihn nicht vergessen. Wir feiern unser erstes Weihnachten zusammen, da habe ich sehr wohl daran gedacht.“

Er lehnt sich auf dem Sofa zurück und verschränkt die Arme ineinander. „Und wo ist er dann?“ fragt er, leicht amüsiert. „Du kannst ihn nicht auf Anhieb sehen“ antwortet sie. „Das ist blöde“ gibt er zurück. „Ein Weihnachtsbaum, den man nicht auf Anhieb sehen kann, ist blöde.“ „Dann sieh mich an.“ „Du bist kein Weihnachtsbaum. Ich kann Dich zwar behängen wie einen Christbaum, trotzdem bist Du keiner.“ „Nein“ sagt sie „ich bin kein Weihnachtsbaum. Aber ich habe einen Weihnachtsbaum und wenn Du wirklich wolltest, dann würdest Du ihn sehen.“

Er ist jetzt etwas gereizt. „Das ist Schwachsinn. Du hast den Baum schlicht vergessen. Das ist alles. Der Rest ist jetzt barer und kryptischer Unsinn. Ich habe keine Zeit für derartigen Unfug. Ich gehe jetzt los und kaufe einen. Es ärgert mich, dass Du mit einfachsten Aufgaben überfordert bist.“

„Du musst wirklich nicht weg, ich habe einen Weihnachtsbaum. Er war sogar relativ teuer und hat über 200 Euro gekostet. Du müsstest nur genau hinsehen.“ Sie klingt etwas flehentlich.
„Schwachsinn, Schwachsinn, Schwachsinn. Verscheissern kann ich mich selbst. Für 200 Euronen bekäme ich einen Weihnachtsbaum für eine Kathedrale. Ich geh jetzt los und schau zu, was ich noch kriege…“ Er steht auf und schnappt sein Portemonnaie. „Weihnachten ohne Weihnachtsbaum ist für mich kein Weihnachten“ sagt er noch einmal, streift sich die Jacke über und geht zur Tür. „Wenn ich zurück komme, hast Du bitte einen Platz frei gemacht“ weist er sie an. „Ich werde einen Platz frei machen“ entgegnet sie.

Und als die Tür ins Schloss fällt, beginnt sie, im Schlafzimmer ihre Sachen zusammenzupacken. Alle. Als sie an dem Spiegelschrank vorbeikommt, sieht sie über die Schulter hinein und entblößt einen Großteil ihres Rückens, auf dem das frische Tattoo eines Weihnachtsbaumes leuchtet. Sie macht ein Photo mit ihrem Handy. Schickt ihm das Bild per Whatsapp. Schreibt „für Dich ist Weihnachten ohne Baum kein Weihnachten. Für mich ist ein Leben ohne jemanden, der genau hinsieht, wer ich bin, kein Leben. Ich habe Platz gemacht. Wie Du es wolltest.“


Frohe Weihnachten.   

Montag, 27. April 2015

Generation X bis Z

Ich danke dem Herrn, einer der Baby-Boomer und jetzt hart an den 50 zu sein. Ich hätte nie gedacht, dass das so toll ist, heutzutage. Wir Jungs sind echt coole Säue. Ohne Mist. Dadurch, dass unsere Eltern noch tief aus dem letzten Jahrhundert stammten, gab es zwar gelegentlich eine hinter den Löffel, aber wir haben noch Respekt vor Frauen, Stil und Benehmen gelernt. Kurz: wer von uns wenigstens aus dem Mittelstand kam, hat heute eine erstklassige Ausbildung zum Ritter genossen. Und das ist schwer geil.

Das ist nämlich das, was all den einsamen Jungs aus der Generation der ab 1985 Geborenen fehlt. Die armen Pfosten. Während wir alten Säcke völlig problemlos die paar Girls aus unter anderem dieser (und der vorhergehenden und unserer eigenen Generation) daten und denen einen bunten Abend bescheren können, stehen die heute 25-30 Jährigen wie die Dorftrottel nebendran und müssen wehrlos zugucken, wie ihre potentiellen Partnerinnen mit ihren Vätern an einem Tisch sitzen.

Buben, macht mal Platz und tretet zur Seite. Ihr müsst sehr stark sein. Wir, Eure Vätergeneration, haben Euch gewaltfrei sauber reingelegt.

Während Ihr den Girls gegenüber sitzt und Euch noch in Eure blöden Handys vertieft, legen wir auf die Damen Eurer Generation vollkommene und 100%tige Konzentration. Da wird, falsch interpretierte Emanzipation hin oder her, noch den Ladys in den Mantel geholfen, wahlweise die Auto- oder Lokaltüre aufgehalten und wenn Eure Frauen schweres Gepäck dabei haben, dann tragen wir das denen. Das finden die gut. Wir zahlen sogar deren Drinks. Weil wir es können. Ohne mit der Wimper zu zucken. In bar. Während Ihr verzweifelt nach der Paypal-Adresse zur Zahlung des eigenen Weizenbieres googelt. Ja, wir lachen viel.

Ihr mögt die jüngeren Körper haben, muskelgestählt und gelegentlich blöd antätowiert - aber Eure Geister sind nichts anderes als Wind, der in hohlen Gefäßen heult. Ihr könnt zwar prima SMS schreiben und Herzchen posten - aber das war dann auch schon Euer komplettes Reservoir an Romantik. "Baby, ich hab Dir ein YouTube-Video hochgeladen." Ihr Würste. Liebesbriefe, Gedichte, originelle Geschenke... Ihr habt es nicht drauf. Kurznachrichten - und die auch noch mit Abkürzungen, weil alles andere von Eurer wertlosen Computerspielzeit abgeht, und Bilder von Euren Pimmeln könnt Ihr verschicken - das war es. Und darauf sollen Eure Girls abfahren und heiß werden? Was würden Eure Mütter, bei denen Ihr immer noch wohnt, dazu sagen? Gott, seid Ihr dämlich.

Da siehst Du sie dann da hocken, beim Essen die Ellbogen auf dem Tisch wie die Rohrreiniger, mit offenem Mund kauend und als Gesprächsthemen die Software des neuen IPhone oder wahlweise das letzte Facebook-Posting von Mandy Müller besprechend, während den hübschen Endzwanziger- und Mitdreissigerinnen vor Langeweile die Augenlider auf Halbmast fallen, als würden Orks mit Vestalinnen verhandeln. Gut für uns, schlecht für Euch. Degenerierte Trauerbrigade.

Kein Wunder, dass es hierzulande bald mehr Scheidungen als Trauungen und so wenig Kinder gibt. Mal im Ernst und unter uns Pastorentöchtern: welche Frau mit Intelligenz, Klasse und Stil hat Lust, sich einen Partner aus einer Horde unerzogener und ungebildeter Drohnen auszuwählen, der zu faul ist, um sich nach dem Pissen die Hände zu waschen? Geschweige denn, eine Frau zu umwerben? Da hockt Ihr da, Ihr Löffel, und macht einen auf depressiv, damit die potentielle Mama Euch füttert und tröstet. Ein Trauerspiel. Für Euch. Ihr seid keine Männer. Ihr seid keine Ritter. Nicht einmal Knappen. Knaben seid Ihr. Und Knaben werdet Ihr bleiben.

Bärte habt Ihr Euch wachsen lassen. Bärte! Keinen Darm im Leib, keinen Arsch in der Hose, aber Gebüsch im Gesicht. Damit Ihr älter und wenigstens ansatzweise wie wir ausseht. Nur ersetzen Haare in der Fresse weder Charme, noch Witz, noch Esprit. Und weil Ihr nicht einmal ansatzweise wisst, wie man Bärte trimmt, pflegt und zur Gesichtsmodellierung nutzt, seht Ihr durch die Bank wie ungewaschene Waldschrate aus. Was Ihr auch seid. Dafür habt Ihr Helme beim Fahrradfahren getragen und Knieschoner auf dem Skateboard angehabt. Ihr seid ein trauriger Haufen von Technikfreaks auf Level 40 in Warcraft.

Mann, haben wir Alten Euch verscheissert. All your Girls belong to us. Bleibt vor Euren Rechnern und chattet mit den Fake-Profilen, die wir Euch gebastelt haben. Lauchs.

Freitag, 13. März 2015

Der Partner, seine Aufzucht und Pflege

Jetzt, kurz nach Fasching, findet man sie wieder überall. Angebunden an Fahrradständer, Laternenmasten oder ausgesetzt an Autobahnraststätten: Partner, die keiner mehr haben möchte. Meist sind sie etwas zerlumpt, in den meisten Fällen frierend und ja, auch etwas depressiv.

Bevor Sie sich also einen Partner zulegen, muss die erste Frage lauten: habe ich überhaupt einen Platz dafür? In meiner Wohnung und meinem Leben. Partner sind in der Regel sehr putzige Gesellen, mit denen man viel Spaß und Freude hat, wenn man ein paar einfache Grundregeln beachtet. Ansonsten können sie sehr schnell stressig und unangenehm und zu einem dauernden Ärgernis werden, über das sich schließlich Nachbarn und Vermieter beschweren.

Ein Partner braucht zuerst einmal Platz. Sie sollten in der Lage sein, ihm ein Bett, ein Fach im Kleiderschrank und ein Plätzchen im Badezimmerschrank zur Verfügung stellen zu können. Partner gehen zwar gerne auf die Couch, mit etwas Zureden und bei guter Erziehung setzen sie sich aber auch auf den Boden, wenn Sie dem Partner sein Lieblingskissen zur Verfügung stellen. Ein Partner im Bett ist immer eine individuelle Geschmacksache, der eine mag es, der andere nicht, aber wenn Sie einen hygienischen Partner haben, dann spricht nichts dagegen, ihn unter Ihre Decke zu lassen. Wichtig ist, dass Sie ihm seinen festen Platz zuweisen und ihm das auch erklären und beibringen können.

Der Partner benötigt nicht viel Nahrung, er lebt in der Regel von etwas Luft und viel Liebe und dem, was bei Ihnen vom Küchentisch abfällt. Als Flüssigkeit genügen bei den billigen Exemplaren Bier ("Hefeweizen" ist bei den ganz Günstigen Grundnahrungsmittel! Obacht!) und Wein aus dem Tetrapack, die etwas Besseren bevorzugen schottischen Single-Malt oder Martini oder trockene Weißweine. Füttern Sie ihren Partner zu sehr, dann wird er fett, kriegt Diabetes und dann bekommen Sie ihn auch nicht mehr vom Sofa herunter. Er vernachlässigt sich dann und beginnt zu schmutzen, was dann ein ständiges Ärgernis darstellt. Außerdem wird er faul und bräsig.

Ein Partner braucht nicht viel Auslauf, aber etwas Bewegung muss sein. Nehmen Sie ihn doch mal mit ins Kino oder in eine Kneipe. Dann wird er, wenn er gut erzogen ist, keinen Dreck machen und ein amüsanter Begleiter sein, mit dem es sich gut unterhalten lässt. Und die Rechnung übernehmen. Im Gegenzug dankt er Ihnen Ihre Behandlung, indem Sie ihn herzen und knuddeln dürfen, wie Sie möchten. Manche Partner bevorzugen lange Spaziergänge, was besonders im Winter oder bei Scheißwetter sehr lästig sein kann, wenn er es nicht gelernt hat, die Schuhe auszuziehen. Dann macht er Dreck in der Wohnung und versteht nicht, warum er ihn wieder beseitigen soll.

Gönnen Sie Ihrem Partner gelegentlich die Befriedigung seines Geschlechtstriebes. Versäumen Sie dies aus Desinteresse oder Fahrlässigkeit, dann neigt Ihr Partner dazu, sich ein anderes Herrchen oder Frauchen zu suchen oder sich anderweitig zu bedienen und Sie sind ihn los. Das geht "rubbeldiekatz" und ist besonders dann ärgerlich, wenn Sie viel Zeit und Geld in seine Erziehung und Pflege investiert haben, schlimmer noch, manche Partner tendieren dann sogar zu einer finanziellen Vernichtung ihres vorhergehenden Besitzers. Der Biologe nennt diesen Vorgang "Scheidung".

Achten Sie darauf, dass Sie, wenn Sie sich mehrere Partner gleicher oder unterschiedlicher Güte zulegen, diese stets strikt getrennt voneinander halten, da gleichgeschlechtliche Exemplare dazu neigen, ansonsten in Stress zu kommen und sich gegenseitig wegzubeißen. Das ist nicht schön und sorgt in der Regel für unangenehme Aufgeregtheiten. Meistens werden dann einer oder sogar beide Partner sehr laut, was immer unangenehm für alle Beteiligten ist, schlimmstenfalls laufen Ihnen beide davon und Sie haben gar nix mehr.

Sofern Sie in der Hege und Pflege der Partnerschaft keine allzu grossen Fehler machen und öfter auch mit Ihrem Partner reden, dann erhalten Sie einen wunderbaren Gefährten, manchmal sogar bis an Ihr oder sein Lebensende, der mit Ihnen durch dick und dünn geht und Ihnen auch die sprichtwörtliche Hand vor den Arsch hält, wenn es hart auf hart kommt. Aber etwas Beziehungsarbeit müssen Sie investieren, keine Frage.

Ausgewachsene und gut erzogene Exemplare werden für Sie und Ihren Nachwuchs sorgen und Ihnen den Lebensunterhalt sichern, wodurch Sie ihren eigentlichen Interessen nachgehen können. Allerdings sind diese Luxus-Exemplare sehr selten und scheu und benötigen viel Hingabe und Loyalität, da sie sonst dazu neigen, ihre Energie anderweitig zu fokussieren, was sehr ärgerlich sein kann.

Wenn Sie also ein geeignetes Exemplar gefunden haben, dann halten Sie es fest und geben Sie es nicht mehr her. Sollten Sie hingegen eine Niete gegriffen haben, die nicht Ihren Vorstellungen entspricht, dann werden Sie sie schnell wieder los, wenn Sie sie entweder einem Freund oder Bekannten vermitteln (falls er oder sie ein gebrauchtes Exemplar haben möchten) oder Sie erklären Ihrem Partner, dass Sie ja noch Freunde bleiben können, was in etwa das Adäquat zum Einschläfern tollwütiger Haustiere ist. Töten dürfen Sie ihn aber nicht, dies ist leider gesetzlich verboten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erfolgreiche Suche und rasche Entscheidungsfindung, greifen Sie zu, solange der Vorrat reicht. Sie finden gute neue und auch gebrauchte Exemplare in jeder guten Autorenlesung oder Kunstausstellung, billige Partner für eine Nacht erhalten Sie bereits ab zwei Drinks in jeder Nachtbar. Waidmanns Heil.