Mittwoch, 23. Februar 2011

Ein Satz zu Ex-Dr. von Guttenberg

Ich habe gleich zu meiner Frau gesagt: "Frau" hab ich gesagt "nie im Leben ist der Doktor! Der hat ja nichtmal Medizin studiert!"

Dienstag, 1. Februar 2011

Warum Direktversicherer so günstig sind

Eigentlich ist es keine große Sache. Irgendein junger und etwas übereifriger, da frischer Kraftfahrer nimmt mir die Vorfahrt und donnert in den vorderen rechten Kotflügel vom Renault. Verletzt ist niemand, Schleudertrauma habe ich auch nicht, weil ich das Geld nicht nötig habe, wir rufen auch keine Polizei, weil der Jungspund da sonst seinen nagelneuen Lappen gleich wieder los ist, der Schädiger gibt mir sein Versicherungskärtchen, ich bring den Wagen in die Werkstatt und dann will ich mit der Versicherung des armen Teufels Kontakt aufnehmen.

Natürlich ist das Auto auf dessen Vater zugelassen und weil der ein Sparbrötchen zu sein scheint, hat er sich einen astreinen Direktversicherer ausgesucht, die „Erste- Deutsche-Internet-Allgemeine-Direct-Insurance-Coburg“.

Auf der Homepage der „Erste-Deutsche-Internet-Allgemeine-Direct-Insurance-Coburg“, kurz www.ediadic.com, gibt es ein ganz schickes Schadenformular für Geschädigte. Das möchte ich ausfüllen.

Die ersten Fragen sind einfach: Meine Daten, die Daten meines Fahrzeugs, der Schadentag, der Schadenort, der Schädiger und dessen Versicherungsnummer. Habe ich alles dank jenes kleinen knuffigen Kärtchens, wie ich heiße, weiß ich auswendig, ich gebe also alles tapfer ein und drücke auf „absenden“.

„HAAALT“ blökt mich die website an. „Bitte ergänzen Sie vor dem Absenden das Formular an den kenntlich gemachten Stellen.“ Ah, da habe ich was übersehen. Richtig, da steht es: Geburtsdatum des Fahrers des gegnerischen Fahrzeugs.

Tja.

Das habe ich nicht notiert. Ich muss ihn schätzen. Er sah jung aus und hatte seinen Führerschein neu, deswegen ja keine Polizei. Ich nehme das gestrige Datum minus 18 Jahre. Und „absenden“.

Von wegen. „Bitte ergänzen Sie vor dem Absenden das Formular an den kenntlich gemachten Stellen.“ Was jetzt? Ah, ich soll das Führerscheindatum des Fahrers ergänzen. Gut, nehmen wir das gestrige Datum. Ich bin flexibel. „Absenden“.

Geht aber nicht. Denn jetzt soll ich die Führerscheinklasse und die Nummer des Fahrers eingeben. Eigentlich geht mich als Geschädigten das einen feuchten Kehricht an, aber wenn´s der Versicherer will... Ich nehme mal Klasse C und die Nummer meines eigenen Führerscheins. Vielleicht jetzt - „absenden“?

Nein, wie durch Zauberhand gehen neue unausgefüllte Felder auf.

Personalausweisnummer, Musterungsbescheid, Schufa, Kontostand des Schädigers, Geburtsdatum von dessen Vater, Beruf der Geschwister sowie deren Namenstage, Fahrgestellnummern aller Fahrzeuge der Schädigerfamilie, kurz, wollte ich sämtliche Daten des vermaledeiten Formulars ausfüllen, dann müsste ich ein halbes Jahr in der Familie meines Unfallgegners, den ich mittlerweile als Unfallfeind betrachte, recherchieren und wahrscheinlich auch mit jedem Familienmitglied schlafen.

Möchte ich nicht.

Aber die Rettung steht rechts oben: „Unsere Hotline nimmt Ihre Schadenmeldung gerne telefonisch entgegen: Dubiose Nummer mit 0190er Vorwahl.“

Na gut. Dann mache ich den Mitarbeitern der
„Erste-Deutsche-Internet-Allgemeine-Direct-Insurance-Coburg“ eben die Freude und rufe an.

Gleich nach dem ersten Klingeln meldet sich eine freundliche Frauenstimme. Zuerst im Tonfall „glücklich“: „Guten Tag, lieber Anrufer. Wir freuen uns, Sie bei der „Erste- Deutsche-Internet-Allgemeine-Direct-Insurance-Coburg“ begrüßen zu dürfen.

Dann „sachlich eifrig“: „Der nächste freie Mitarbeiter ist bereits für Sie reserviert. Legen Sie nicht auf. Die Kosten für dieses Telefonat betragen nur 49 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunk sind Abweichungen möglich.“

Soso. Klasse. Einen halben Euro pro Minute und ich höre dafür das gute alte Volkslied „Üb´ immer Treu und Redlichkeit“, während bei der „Erste- Deutsche-Internet-Allgemeine-Direct-Insurance-Coburg“ eine verzweifelte Sachbearbeiterin versucht, einen Anrufer abzuwimmeln, damit sie sich mir widmen kann. Immerhin hab ich sie jetzt ja reserviert!

Die Zeit tropft, meine Telefonrechnung auch. Nach 7,- € (ja, auch ich kann stur sein!) hebt endlich jemand den Hörer ab:

„„Erste- Deutsche-Internet-Allgemeine-Direct-Insurance-Coburg“, meine Name äst Tatjana-Maria Slonskaja Prawdaswezda, wä kann äch ähnen chälfen““ schnarrt mich eine Kasernenhofstimme so unvermittelt an, dass ich mich plötzlich wie beim Soldatenaustausch mit der Roten Armee fühle.

„Ja, also, äh, guten Tag, mein Name ist ThiloS, mir ist ein Kunde von Ihnen reingefahren, also nicht in mich, auch nichts Ernstes, aber der Kotflügel ist kaputt. Vorne rechts. Vom Renault.“

„Wä äst passierrrt?“ fragt Tatjana-Maria schlecht gelaunt.

„Ja, also, das war so, ich war auf der Vorfahrtstraße und da kam Ihr Kunde aus einer Seitenstraße geschossen, weil er mich nicht gesehen hat. Ich wollte noch ausweichen, aber er hat mich erwischt. Vorne rechts.“

„Sä sänd därr Gäschädägtä“ schlussfolgert der osteuropäische Engel und seine Stimme wird noch eine Spur kälter. „Wär äst schold?“

„Ihr Kunde“ helfe ich ihr. „Der ist mir draufgefahren. Vorne rechts.“

Kurzes Schnauben am anderen Ende. Dann nur ein Wort:

„Nain.“

Möglicherweise habe ich mich verhört. „Wie bitte?“

„Nain.“

„Wie „nein““?

„Wär send Derekversächerong, onsäre Konden bauen keinä Onfälle.“
Ich bin, und das passiert mir selten, ob dieser klaren und unmissverständlichen Ansage, sprachlos. Volle zwei Sekunden. Das ist sehr lange für mich. Dann sage ich langsam und in einfachen Sätzen, weil sie mich wohl nicht verstanden hat, die Kröte:

„Doch, cheute morgen. Ihr Kunde. Mir Vorfahrt genommen. Auto kaputt. Vorne rechts. Ihr Kunde. Mir reingefahren. Aua aua.“

Aber nicht mit ihr!

„Sä waren zo schnääl. Sonst onsäre Konde hätte sä gäsähän.“

„Nein, war ich garnicht. Er hat mir die Vorfahrt genommen. Hören Sie? VORFAHRT! ICH! VORFAHRT! IHR VERDAMMTER KUNDE IST MIR REINGEFAHREN!“

„Sä schraiän.“ stellt sie, sachlich richtig, fest. „Wär schrait hat Onrächt.“

„Moment“ mein Blutdruck beschleunigt schneller als ein Maserati „Nur, damit ich das richtig auf die Kette kriege: Sie erzählen mir allen Ernstes, Sie nehmen meinen Schaden nicht auf, weil die Kunden von Ihrem Billigheimerverein keine Schäden verursachen?“

„Rächtäg“ kommt es trocken zurück „Wär sänd Deutschlaands gönstägster Autoversächerer. Onsere Konden machän keinä Schäden. Sage auch Werrbessslogän.“

„ICH SCHEISS AUF IHREN WERBESLOGAN. MIR IST EINER IHRER GEHIRNAMPUTIERTEN SCHWACHMATENKUNDEN REINGEFAHREN UND MEIN AUTO IST SCHROTT!“

„Wänn äst Schrott, Sä waren zo schnäll. Sä sänd schold.“

„DAS KÖNNEN SIE ÜBERHAUPT NICHT BEURTEILEN, SIE DÄMLICHE BEUTEDEUTSCHE. SIE WAREN NICHT DABEI, SIE TELEFONPARTISANIN.“

„Wänn noch ain Tonn, äch bäände dem Gäsprrach. Sä machen Onfall ond wollän dann Gäld von ons. Was Sä sagän, kann jädärr bechaupten. Schäcken Sä ons Rächt san walld.“ Genau so betont. Dann legt sie auf und ich führe einen kleinen, nichtsdestoweniger heftigen Zornestanz vor meinen Schreibtisch auf.

Na klar beauftrage ich einen Rechtsanwalt. Ich rufe Andy an, mit dem ich im Gymnasium schon die Schulbank gedrückt habe und schildere ihm meinen Fall.

„„Erste-Deutsche-Internet-Allgemeine-Direct-Insurance-Coburg““ ist der Gegner, sagst Du? Vergiss es. Das macht kein Anwalt in dieser Republik.“

„Was? Warum?“

„Es ist der Ruf der Gesellschaft. Bisher gab es noch keinen einzigen Prozess gegen die, weil jeder Anwalt, der das versucht hat, vorher einen Herzinfarkt bekommen hat. Und, ganz im Ernst: Da ist mir mein Leben lieber. Aber wenn ich Dir trotzdem einen Tipp geben darf: versichere Dich künftig bei denen. Du sparst Geld und Schäden hast Du auch nicht mehr.“

Tja. Ich habe den Gegenwert meines Schadens ja bereits vertelefoniert. Dann werde ich wohl auch mal Kunde bei denen. Und dann muss ich nur noch einen finden, dem ich beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt nehmen kann. Dann bekomme ich auch meinen Schaden bezahlt. Von der armen Sau, die nicht bei der „Erste-Deutsche-Internet-Allgemeine-Direct-Insurance-Coburg“ versichert ist.

Dienstag, 25. Januar 2011

Die wirklich allerletzen Worte

Liebe anwesende Trauergäste: ich freue mich wirklich und aufrichtig, dass Ihr heute zu meiner Beerdigung erschienen seid. Ihr habt es sicher schon erraten: wenn Ihr diesen Videoclip seht, dann bin ich wahrscheinlich schon unter der Erde, auf jeden Fall aber tot. Oder, für die Esoteriker unter Euch – Hilde, Du darfst Dich jetzt angesprochen fühlen – „hinübergegangen“, wie es so schön dämlich heißt.

Über Tote darf man ja bekanntlich nichts Schlechtes sagen – über Lebende dürfen die Toten sicher mal was sagen. Und deswegen, gerade weil dies meine letzte Gelegenheit dazu ist, werde ich Euch versammelter Mannschaft einmal ein paar Dinge stecken. Denn in die Hölle kann ich gar nicht mehr kommen – ich war ja dank Euch schon dort. Wer sich also vor unangenehmen Wahrheiten fürchtet, darf jetzt auch den Raum verlassen.

Man sagt, wenn ein Mensch stirbt, dann bleibt so viel ungesagt – aber nicht bei mir!

Ich fange der Einfachheit halber mit Gerhard an:
Gerhard, mein lieber Geschäftspartner, Du magst es glauben oder nicht: natürlich ist mir aufgefallen, dass Du mehr als einmal herzhaft in die Firmenkasse gegriffen hast, um Deine Spielschulden zu begleichen. Ich verzeihe Dir. Ob Dir aber die Steuerfahndung verzeiht, der ich in einem Anfall von bedauerlicher Schwäche Deine seltsamen Transaktionen auf Schweizer Nummernkonten mitgeteilt habe, vermag ich nicht zu sagen. Ich wünsche mir allerdings sehr, dass sie es nicht tut.

Dir, liebe Schwester Hilde, möchte ich hier und heute gestehen, dass die „Original-Erde vom Golgatha“, die ich Dir für teuer Geld aus Israel mitgebracht habe, in Wahrheit von der Baustelle an der Ausfahrt Wuppertal von der A1 stammt, ich konnte einfach der Versuchung nicht widerstehen, Dir für 150,- € sprichwörtlichen Dreck anzudrehen und „ja“, ich habe sehr über Deine Einfalt gelacht, so innerlich. Immerhin weißt Du jetzt, warum Deine Aura nach wie vor flackert. Ich nenne dieses imaginäre Phänomen „Deppenstroboskop“.

Was nun meinen „lieben“ Neffen Kevin, diesen ungezogenen, schlechtgekleideten Rotzlöffel, dessen Taufpate ich bedauerlicherweise bin, pardon, „war“, angeht: hör auf mit den Drogen, da liegt kein Segen drin. Dein Vater ist daran zu Recht gestorben und falls Du nun zweifelnd zu Herbert ´rüberschielst – ich rede von Deinem Vater und nicht von dem Mann, den Du dafür hältst. Viel Spaß beim Nachforschen wünsche ich Dir.

Apropos Herbert: Du bist der Glückspilz unter den Anwesenden – denn Du musst nun die schätzungsweise zweitausend Darlehen, um die Du mich im Laufe der Zeit angepumpt hast, um Deine diversen Tussen auszuhalten, nicht mehr an mich zurückzahlen. Allerdings: vielleicht interessiert sich ja die Polizei für ein mögliches Mordmotiv an mir.

Lisa, meine liebe Nichte: Dir wünsche ich alles Gute auf Erden und den Mut, Herbert und Inge endlich zu gestehen, dass sie sich die Sache mit den Enkeln in die Haare schmieren können, weil Du lesbisch bist. Zumindest hast Du mir in dem Pornofilm, der mir durch Zufall in die Hände fiel, sehr danach ausgesehen.

Zwischendurch möchte ich bemerken, dass es mir sehr angenehm auffällt, dass sich Eure ohnehin geheuchelte Trauer mittlerweile doch ziemlich in Grenzen halten dürfte.

Weiter im Text und kommen wir zu meinem Bruder Alfred: falls Du es nicht wissen solltest – und ich bin sicher, Du hast nicht den Hauch einer Ahnung - ich habe mit Deiner Frau geschlafen. Mehrmals. Das war nicht besonders aufregend, weil sie doch ziemlich frigide ist, damit hast Du recht gehabt, ich habe es eigentlich nur getan, um Dich zu ärgern und weil ich auf große Brüste stehe. Und weil Du Dich immer für superklug und megaclever gehalten hast. Das war mir wirklich Befriedigung genug.

In diesem Zusammenhang, liebe Inge, Deine Lamentos über Alfreds Impotenz haben mich mehr als einmal gelangweilt, ich kann Dir aus sehr sicherer Quelle berichten, dass die Damen im „Club Cherie d´amour“ da völlig anderer Meinung sind. Vielleicht liegts ja doch an Dir. Wahrscheinlich sogar.

Abschließend möchte ich bemerken, dass es bei solch einer Verwandtschaft wie der Euren eine wahre Wohltat war, abzutreten. Ich möchte mich bei Euch dafür bedanken, dass Ihr es mir so leicht gemacht habt, Euch zu verachten, der Tod ist in Eurem Falle Eurer elenden Heuchelei, Eurer abgrundtiefen Dummheit und grenzenlosen Einfalt vorzuziehen und ich bitte Euch höflich, Eure verdammten Kränze wieder mit nach Hause zu nehmen. Ihr könnt im Advent ja vier lustige Kerzen darauf stecken oder sie als Siegerkranz um den Hals Eures Lieblingshaustieres hängen. Denn ich kann darauf verzichten.

Zu erben – nur, falls sich da irgendjemand Hoffnungen oder Illusionen gemacht haben sollte – gibt es natürlich nichts. Ich habe einen Großteil meines Geldes für Alkohol und Weiber ausgegeben und den Rest schlicht verballert und was noch übrig war, durfte ich meinem lieben Freund und Hausarzt, Dr. Habib Salim, dessen Fachkompetenz sich indirekt proportional zu seinen bewundernswerten Fähigkeiten als Bombenbauer und Terrorhelfer verhält, in den gierigen Rachen schieben.

Bedanken möchte ich mich zum Schluss noch bei Pfarrer Asmus, diesem ortsbekannten homosexuellen Päderasten, dass er diese Videoaufzeichnung ohne sie vorher angesehen zu haben, auf meiner Beerdigung, die ja immerhin die letzte Party meines Lebens ist, ermöglicht hat.

In diesem Sinne rufe ich Euch ein gutgelauntes „Geht sterben, Pack“ aus dem Jenseits zu. Man sieht sich! Oder hoffentlich auch nicht!

Dienstag, 18. Januar 2011

Feuerwerk

Neben der Frage „wen laden wir zu Silvester ein“ und „warum laden wir den ein“ und „welch exklusive Mahlzeit werden wir kredenzen“ (Fondue. Wir machen IMMER Fondue. Mit fetter Brühe und Fleisch. Jedes Jahr.) steht natürlich auch die Frage „was jagen wir in die Luft“?

Bei Aldi hat es da so Feuerwerkstüten mit so klingenden Namen wie „Las Vegas“ (fünf Silvesterraketen mit Leuchtkugeln, zwei Böller und Chinakracher), „New York“ ( drei Raketen, dafür aber Leuchtstäbe en massé), „Rio de Janeiro“ (fünf Raketen, drei Leuchtvulkane, zwei Sambatänzerinnen), „Hongkong“ (China-Kracher und Böller), „Paris“ (da ist garnichts drin, weil in Paris kein Feuerwerk 2010/2011 stattfindet), „Bagdad“ (Sprengstoffgürtel) und „Kabul“ (Anti-Panzer-Minen und selbstgebaute Sprengsätze aus Kinderarbeit).

Während ich mir die Auslagen noch anschaue, ziehen zwei grinsende Zehnjährige an mir vorbei, von denen einer stolz ein Kinderfeuerwerk mit dem Namen „Tombstone“ unter dem kleinen Arm trägt, in dem lustig Revolverkugeln vor sich hin rollen, der andere hat sich von seinem Taschengeld das Set „Little Big Horn“ gekauft, in dem sich ein gutes Dutzend Pfeile und diverse Gewehrmunition befindet.

Hinten am Kindertisch könnte ich mich für die Kleinen aber noch mit dem Feuerwerk „Orleans“ eindecken, hier gibt es immerhin ein schickes Set Armbrustpfeile, ein Katapult mit griechischem Feuer sowie Pech, das man anzünden und auf die Nachbarskinder tropfen lassen kann.

Ich bin aber erwachsen. Ich könnte mich, wenn ich wollte, traditionell, aber nicht übertrieben, für „Stalingrad“ (Zehn Raketenwerfer, Zwanzig Handgranaten), „Hamburg“ (zwei 250-Kilo Brandbomben, fünf Sprengbomben ), „Dresden“ (nur zwei Sprengbomben, dafür aber eine fette Luftmine und mehrere kleine Brandbomben) oder „Verdun“ (diverse Artilleriegeschosse, ein Mörser und zwei Gasgranaten mit Senfgas) entscheiden.

Wer es gerne einfach, aber hübsch mag, der kann auch zum Set „Ghasa-Stadt“ greifen, da sind dann Steine, zwei Kazam-„Raketen“ und mehrere Phosphorgranaten drin, die so hübsche kleine Wölkchen machen. Richtig hell wird es jedoch in der Silvesternacht mit dem Set „Saigon“, weil sich da unheimlich viele Napalm-Granaten und einige „Agent Orange“ – Geschosse finden, die nicht nur hübsch aussehen, sondern im neuen Jahr auch komplett von der Gartenarbeit befreien werden.

Sogar an die Gartenteichbesitzer und Flussbewohner ist gedacht: im Set „Atlantik“ finden sich zwei MarkIV-Torpedos mit Aufschlagzünder, ganze zehn fette Schiffsminen mit Magnetzündern sowie eine Wasserbombe, falls es Überlebende geben sollte, etwas modernere Silvesterfreunde können sich aber auch mit dem Set „Falklands“ vergnügen, in dem es zu den obligatorischen Torpedos noch zehn lustige Luft-Boden-Anti-Schiffs-Raketen gibt . Da fällt die Auswahl natürlich schwer.

Und dann schweift mein Blick in die Ecke. Auf das Set „Hiroshima“: nur ein Artikel, nicht ganz billig – aber WOW!

Silvester ist gerettet.

Dienstag, 11. Januar 2011

Terminsache

Neulich war ich beim Arzt. Nichts Ernstes, nur hatte ich mich im Verdacht, an einer sehr schlimmen Nasennebenhöhlenentzündung zu leiden, weil ich am rechten unteren Backenzahn Zahnschmerzen hatte, ohne jedoch da einen Zahn zu haben. Nicht schön.

Auf jeden Fall hatte ich einen wunderbaren Kaffee getrunken und kam am Schild jener sympathischen kleinen HNO-Arztpraxis vorbei und da ich Privatpatient bin, dachte ich mir, ich gehe mal kurz da rein und kaufe mir eine gute Besserung.

Ich öffne also die Tür, grüße zünftig mit „Grüß Gott“, gehe an den Tresen, sage artig meinen Namen und bekomme als Entgegnung ein mürrisches „haben Sie einen Termin?“

Tja.

Ja, ich habe einen Termin. Mit meinem Steuerberater. Nachher. Um Fünf. Und um Sieben habe ich auch einen Termin. Zum Abendessen. Aber mit seiner Frau. Aber das weiß er nicht, der Steuerberater. Seine Frau weiß es. Und ich. Und jetzt auch die Arzthelfertussi.

„Nein“ sagt die Hals-Nasen-Ohren-Klingelfee am Empfang „ich meine, ob Sie HIER einen Termin haben.“

Habe ich natürlich nicht. Ich bin ja hier weder in einer Steuerberatungskanzlei, noch bezweifle ich, dass die Steuerberatergattin mit mir in einer Hals-Nasen-Ohren-Arztpraxis dinieren wird.

„Sie sind ja ein ganz Lustiger“ knurrt mich der Zerberus der Schädelinnereien an. „Ohne Termin kann Sie der Herr Doktor nicht empfangen.“

„Ich habe aber Schmerzen. Ziemlich schlimme Schmerzen“ erkläre ich brav.

„Aber nicht ohne Termin“ klärt mich Xanthippe auf.

„Es tut aber weh.“ „Aber nicht ohne Termin.“ „Doch, ohne Termin, ich habe die Schmerzen nicht geplant und kann mit Schmerzen weder das Finanzamt bescheißen noch anschließend meinen Steuerberater.“

„Hören Sie“ sagt das Engelchen ungeduldig „ohne Termin gibt’s keinen Termin beim Doktor. Wie kann ich es Ihnen noch sagen, dass Sie es verstehen?“

„Ich bin Privatpatient.“

„Aber ohne Termin.“

„Ich zahle mehr als die Anderen.“

„Nicht ohne Termin.“

Ich ziehe meine Trumpfkarte: „Ihr Chef hat den hippokatischen Eid geschworen, er muss mir helfen. Entgegenkommenderweise erkläre ich mich jedoch bereit, sexuelle Handlungen an mir vornehmen zu lassen, wenn er mich drannimmt. Jetzt. Gleich.“

Sie seufzt.

„Hören Sie: der Herr Doktor ist beschäftigt und kann Sie jetzt nicht drannehmen. Nicht ohne Termin. Nur, wenn Sie ein blutender Notfall wären.“

Ich greife über den Tresen, schnappe mir einen Tacker und hämmere mir eine Nadel in die linke Hand.

„Da. Jetzt blute ich. Ich bin jetzt ein blutender Notfall.“

Sie zieht ihre Schreibtischschublade auf, entnimmt dieser ein Heftpflaster mit einem „Schweinchen Dick“ – Motiv und klebt es mir auf die Wunde.

„Jetzt nicht mehr.“ triumphiert sie.

Aber nicht mit mir!

„Oh, dahinten, sehen Sie mal: Brad Pitt“ rufe ich aufgeregt und deute auf einen unbestimmten Punkt hinter ihr. Und während sie verwirrt den Kopf dreht, versuche ich, an Ihr vorbeizuwitschen, stolpere jedoch über ein paar Schuhe, die eine schlampige Hals-Nasen-Ohren-Arzt-Assistentin im Gang neben dem Tresen abgelegt habe und schlage im Fallen mit dem Gesicht in den Heizkörper, was meine Nase mit einem trockenen Knirschen quittiert.

Als ich aus der Ohnmacht erwache blicke ich in das besorgte Gesicht eines Mannes im weißen Kittel, offensichtlich Arzt.

„Doppelter Nasenbeinbruch“ sagt er. „Sie haben Glück gehabt, dass das hier passiert ist“ sagt er. „Das dauert locker 14 Tage mit absoluter Bettruhe, bis das verheilt ist“ sagt er auch.

„Das geht nicht“ stöhne ich. „Ich habe doch Termine“.

Er lächelt: „jetzt nicht mehr“.

Donnerstag, 25. November 2010

Jesus ist sauer

Angeregt durch eine kleine Diskussion in einem Internetforum habe ich mich mal mit der Frage beschäftigt, wer wohl dieser Jesus wirklich war.

Wir kennen ja alle mehr oder weniger die Bibel. Da heisst es im Johannes-Evangelium 2, 1-11:

Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kanaan in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm:. Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weibe, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: was er euch sagt, daß tut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen:. Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen:. Schöpfet nun, und bringt es dem Speisemeister. Uns sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam (die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpft hatte), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht:. Jedermann gibt zuerst den guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, daß Jesus tat, geschehen zu Kanaan in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Jesus und Maria hocken also da auf einer Hochzeit. Die Mutter bemerkt so mehr oder weniger beiläufig, dass es nichts zu trinken gibt. Und prompt KACKT sie Jesus an - "Was geht mich das an, ich hab doch damit nichts zu schaffen. Wunder sind nicht zur Volksbelustigung da" (trinkt er keinen Alkohol?). Seine Mutter aber ignoriert das anscheinend und steckt den Dienern, sie sollten sich an Anweisungen ihres Sohnes halten, so er welche gäbe.

Nun scheint sie den doch leicht angefressenen Jesus irgendwie dazu gebracht zu haben, sich doch um Wein zu bemühen (so, wie Mütter das wohl seit Menschengedenken machen: "Ich hab Dich neun Monate im Bauch herumgetragen auf der Flucht waren wir gewesen und im Stall haben wir gepennt und da bittet Dich Deine Mutter EIN MAL um einen Gefallen und dann weigerst Du Dich. Kinder sind der reinste Segen. Na klasse. So "Mutter ehren", Jesus, hast Du das schonmal gehört? Ja? Kommt Dir das bekannt vor? Aber wenns dann ernst wird, dann hat der feine Herr nichts anderes zu tun, als pampig zu werden, schliesslich ist er ja Gottes Sohn" uswusf. ).

Auf jeden Fall lässt Jesus nun den Catering-Service sechs Krüge mit Wasser füllen, dann Wein schöpfen und diesen dem Maitre de Cuisine bringen. Der, ein Kenner scheint er zu sein, geht nun auf den Bräutigam los und erklärt ihm, dass man normalerweise zuerst guten Wein reicht und erst dann, wenn alle rappeldicht sind, den billigen Fusel aus dem Tetrapack. Es sei wohl eine Unverschämtheit, dass das in diesem Falle umgekehrt sei.

Mal neben dem, dass Jesus hier sein erstes Wunder gewirkt hat - stelle ich mir den Hintergrund nun plastisch vor, hat Jesus seinen Gastgeber erste Sahne düpiert, indem es sich nicht nur herausgestellt hat, dass der nicht nur billigen Fusel gereicht hat, sondern obendrein auch noch zu wenig von dem Gesöff geordert hat, was nicht gerade für eine gute Organisation seitens des an diesem Tage wohl eher weniger glücklichen Brautpaares spricht.

Und, besonders charmant, Jesus scheint ebenfalls Weinkenner gewesen zu sein, denn zumindest hat er ja nicht irgendeinen Wein gezaubert, sondern einen, der sogar den Kellermeister überzeugte.

Was war eigentlich das Motiv von Maria, ihren Sohn zum Wundern zu zwingen? Geltungssucht? Eitelkeit? "Wollt Ihr mal sehen, was mein Sohn machen kann"? Oder haben ihr die Hochzeitsleute einfach leid getan und sie wollte ihnen einen Gefallen tun?

Wie ging das weiter? Was haben die gemacht, als sie dann alle blitzeblau waren? Getanzt? Maria an den Hintern gefasst, wie das bei Besoffenen üblich ist? Wann ist Jesus gegangen? Oder hat er mitgepichelt?

Was waren das für Leute, die da die Familie Christus eingeladen haben? Verwandte? Bekannte? Nachbarn? Wo war Josef? Was haben die zur Hochzeit mitgebracht? Wein war es jedenfalls nicht!

Allemal spannende Fragen. Und nur ganz wenige Menschen können wohl sagen, sie hatten den leibhaftigen Jesus als Hochzeitsgast. Was haben die später wohl ihren Kindern von jener denkwürdigen Hochzeit erzählt?

Das war wohl sein erstes Wunder überhaupt, aber am Ende des Tages hat er Jünger, die an ihn glauben. Und hackezu sind. Natürlich glauben die an ihn - der hat ständig Wein dabei. Nächste Frage also: "Jünger"? "Saufkumpane" wäre wohl passender! Und welche Typen waren das? Unterm Strich hat Jesus also seine Jünger durch die Ausgabe von kostenlosem Alkohol gewonnen. Das muss man sich mal reinziehen!
Der Gedanke lässt mich nicht mehr los...

Mittwoch, 24. November 2010

Endlich - wahrer Grund für "Neinillevens" entdeckt

...ein erst jetzt aufgetauchtes Videobild zeigt den wahren Grund für die Katastrophe des WTC.

Da ich aufgrund der Zensur das Originalbild nicht bringen kann (und an wikileaks und den Kopp-Verlag verkauft habe), hier eine originalgetreue Nachzeichnung:



Tja, damit hätten sich dann wohl sämtliche anderen Verschwörungstheorien allesamt erledigt!