Mittwoch, 5. Dezember 2012

He, Focus-online

Hallo, Ihr Faktenfaktenfakten-Fluter!

Gelegentlich VERSUCHE ich, einen Artikel auf Eurer knallbunten Homepage zu lesen, aber Ihr lasst mich ja nicht!

Ständig haltet Ihr mir irgendein dümmliches Werbeschildchen vor die Nase, das zum Einen ewig braucht, um zu laden, zum Anderen nur dadurch wegzukriegen ist, dass ich Eure Site wieder schliesse.

Ich weiss ja, der freien Presse geht es schlecht und wenn ich schon kostenlos im Internet lesen will, dann müsst Ihr Euch über Werbung gegenfinanzieren, verstehe ich ja. All Eure Nachrichtenpraktikanten, die sich für billig Geld an der Site mal ausprobieren dürfen, sollen wenigstens ihre Mittagspausenwecken bezahlt bekommen, ist mir klar.

Nur übertreibt Ihr mittlerweile. Ihr habt da ein Werbeportal gebastelt, das mit Nachrichten hinterlegt ist und kein Nachrichtenportal mit zugeschalteter Werbung. Das geht so nicht weiter.

Also, Fiktionsfaktenfanatiker, aufgehörcht:

Ich will kein Fan von Facebook werden. Nein, niemals, auch nicht, wenn Ihr mich 130 mal fragt. Ich will nicht. Ich HASSE Facebook. Es ist öde. Und langweilig. Fast so schlimm wie Euer Online-Portal.

Ich will auch keine Deka-Fonds. Die sind miserabel und die Leute, die stolz ihren Garten "dank Deka" präsentieren, wollten von dem Geld eigentlich ein Wohnhaus kaufen und keinen Garten.
Jetzt glaubt doch nicht alles, was in der Werbung steht, herrgott!

Ich lehne Calvin-Klein-Klamotten ab. In meiner Unterhose steht mein Name und nich die von dem, der sich das Design ausgedacht hat. Auf meinem Klingelschild an der Haustüre steht ja auch nicht der Name des Klingelschilddesigners.

Ihr habt es derart überzogen, dass ich grundsätzlich keinen Kram mehr von Firmen kaufe, die Eure Werbepartner sind. Ihr geht mir gewaltig auf den Keks! Ich lese Euch bald gar nicht mehr. Wie auch. Hängt ja ständig ein Werbebanner drüber.

Ich wechsle dann lieber zu SPON. Die sind zwar links, verscheissern mich aber nicht dauernd mit sinnlosen Werbebannern. Das habt Ihr davon. Euer Nicht-mehr-Leser ThiloS

Samstag, 17. November 2012

Abenteuer46

Es ist drei Uhr nachmittags, ich habe ein halbes Stündchen Zeit und schätze, ich könnte auf kurz mal eine heiße Schokolade trinken, schräg gegenüber bei der Lieblingsitalienerin, die jeden Stammgast auf herzliche und extrem aufdringliche und unhygienische Art abbusselt, aber das ist eben die mediterrane Herzlichkeit, von der wir uns kühle Deutsche eine Scheibe abschneiden können und für die wir Steuergelder zahlen. Hol´s der Teufel, ich risikiere es.

Und da sitze ich dann nach der Knutschorgie („tschaue Bello, isse schön, dasse Du komme“) da, nehme einen tiefen Schluck meiner heißen Schokolade und da sehe ich SIE da sitzen.
SIE ist schlank, blond, gut angezogen, hübsche feste Figur und hat genau das richtige Alter für mich: nicht mehr so jung, dass SIE meine Tochter sein könnte und ich mich als Pädophiler fühlen würde, wenn ich SIE anspräche, aber auch noch nicht so alt, als dass SIE nicht mehr auf das Cover des Playboy passen würde. Perfekt. Toll. Makellos. Ein Hingucker vor dem Herrn.

Während ich an der Schokolade nippe, lege ich mir SIE auf das berühmte Eisbärfell vor dem Kamin in der Blockhütte am Kaminfeuer. Gute Güte, was könnten wir für schweinische Sachen machen. Einmal das Kamasutra rauf und wieder runter und von vorn und hinten.
Problem dabei: ich bin verheiratet. Dies bedeutet, ich bin a) aus der Übung, was das Ansprechen wildfremder Frauen angeht und b) glücklich verheiratet und c) meine Frau versteht mich sehr wohl und d) würde das allen meinen Vorstellungen von Treue und Ehre widersprechen. Außerdem e) bin ich intelligent. Und das ist das Haupthindernis.

Die blonde Göttin sieht zu mir herüber und lächelt mich an. WOW, sie hat mich bemerkt, wie geil ist DAS denn?
Ich denke einen Schritt weiter: also, die Nummer mit dem Eisbärfell in der romantischen und verschwiegenen Hütte haben wir durch und sie ist nach einer heißen Liebesnacht mit viel Wein und Romantik und scharfem Sex in meinen Armen eingeschlafen.

Geweckt wird sie am Morgen danach durch einen krachenden Furz, weil ich Rotwein normalerweise nicht vertrage, sie erschrickt dann und ich wache auch auf. Und dann hockt sie auf dem Eisbärfell, nicht mehr nackt, sondern nur noch nackig und ungepflegt. Und ihr erster Satz wird „ich muss pinkeln“ sein. Und ich sehe ihr dann hinterher, wie sie mit baumelnden Brüsten ihre Unterwäsche sucht und dann aufs Klo geht, rücksichtsvollerweise lasse ich Ihr nämlich den Vortritt, weil, wenn sie nach mir ins Bad ginge, sie an einer Gasvergiftung sterben würde.
Ich suche unterdessen meine Socken und meine Unterwäsche (was habe ich heute an? Die gute Schiesser-Doppelripp mit Eingreifschlitz, aber wenigstens ohne Muster) und ziehe mir Hose und T-Shirt an. Und sehe aufs Handy, auf denen sich drei SMS meiner Frau befinden, wo ich denn bliebe und dass ich mich melden soll, weil sie sich Sorgen macht.

Aus der Badezimmertüre kommen Kotzgeräusche, weil SIE es anscheinend entweder auch nicht so mit Wein hat oder mich bei Tageslicht gesehen hat, während ich mir fieberhaft eine Ausrede überlege, denn eines ist auch klar: mir würde die Chuzpe fehlen, nach Hause zu gehen, meiner Frau zu erklären, dass ich sie heute Nacht betrogen habe, aber es sei nur was Sexuelles und sie solle es bitte nicht persönlich nehmen und ich ihr jetzt im Übrigen meine dreckige Unterwäsche in den Wäschekorb schmeiße. Schönen Tag noch.
Während ich mir das Gesicht meiner Frau dabei vorstelle, lächelt mich die GÖTTIN am Tisch gegenüber schon wieder an und ich lächle charmant zurück. Verdammte Kacke, das wäre die Chance…

Mal so aus dem Ehetrott ausbrechen, gell? Ist ja nichts dabei. „Abenteuer 18, für Menschen, die in einer Beziehung leben und kein Geld im Bordell ausgeben wollen“. So ein kleiner Seitensprung würde natürlich auch die Ehe auffrischen, man würde zueinander finden und wüsste mal wieder, was man so aneinander hat oder auch nicht hat, es würde mal so ein bisschen Pepp in die Beziehung bringen und das Gesicht der GÖTTIN verwandelt sich in das Gesicht meiner Gefährtin und plötzlich liegt meine Frau auf dem Eisbärfell, allerdings nicht mit mir, sondern mit irgendeinem debilen Idioten, der sie in irgendeiner italienischen Szenekneipe mit aufdringlicher Wirtin aufgerissen hat.
Das wiederum ist nun eine Vorstellung, die mir so gar nicht gefällt. Denn gleiches Recht für alle. Ich würde dem dummen Arschloch zuerst die Beine und dann die Arme brechen und die Koffer meiner Frau würden schneller auf der Straße stehen, als sie den Satz „ich kann das erklären“ zu Ende bringen kann. Keiner fasst meine Frau an außer mir. Fakt. Punkt. Keine Diskussion und „nein“, wir würden auch „keine Freunde bleiben“.

Die GÖTTIN steht auf, lächelt ein letztes Mal und geht, ohne dass sie mein Eisbär- und Brusthaarfell kennengelernt hat. Ich zahle auch, gehe noch mal kurz auf Toilette und erfahre, warum sie mich angelächelt hat: mein Gesicht ist mit Schokolade verschmiert und ich sehe wie ein Clown aus, der ich wahrscheinlich auch bin.

Schön wär´s gewesen. Schön blöd.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Schnupfm

Ich hatte eine Erkältung abgegriffen. Nichts Ernstes, aber schon lästig. Schnupfen, Heiserkeit, Halsweh, Gliederschmerzen, das volle Programm aus der ratiopharm-Werbung. Und ich habe mich elend gefühlt. Und da habe ich beschlossen, zu Hause zu bleiben, es ging mir nicht gut. So allgemein.

Ich bin selbständig, ich darf das. Ohne Krankenschein. Zu Hause bleiben. Hab ich gedacht.

„Was ist mit Dir?“ hat meine Frau gefragt. „Ich bin krank“ habe ich geantwortet. „Nein, Du hast nur eine Erkältung“ hat sie gesagt.

Und das fand ich eine Unverschämtheit. „Nur“ eine Erkältung. Eine Erkältung ist eine schlimme Krankheit, damit soll man nicht spassen, ich bin bestimmt kein Weichei, aber man hat schon oft von Erkältungen gehört, die sich dann zu einer ausgewachsenen Lungenentzündung entwickelt haben und wenn man da nicht aufpasst, wacht man morgens auf und ist tot. Basierend auf diesem Gedankengang habe ich meiner Frau eröffnet, dass ich sterben könnte.

„An einer Erkältung!“ hat sie nüchtern festgestellt.

JA, VERDAMMT. An einer Erkältung kann man sterben, das geht ratz fatz, dann ist die Lunge dick, die Bronchien versagen, die Augen werden trüb, die ganzen inneren Organe schwellen an und platzen, die Viren oder Bazillen oder wie die Viecher heissen, fressen die ganzen Blutkörperchen auf und dann steht man da und stirbt einen elenden und siechen Tod, weil man eine Erkältung leichtsinnig übergangen hat.

„Nein“ hat meine Frau gesagt „Du hast nur einen Schnupfen, Du musst nicht zu Hause bleiben.“

Ach nein? Muss ich nicht? Sie geht mit meinem Leben und meiner schlimmen Erkrankung aber SEHR leichtfertig um, die Dame meines Herzens. Gut, es ist ja nicht sie, die wegen „nur“ eines Schnupfens dem grimmen Schnitter ins Auge schaut, was für uns beide, also den Schnitter und mich, sehr unangenehm ist. Aber ich gebe mich noch nicht geschlagen.

„Ein Schnupfen ist eine hochansteckende Krankheit, wusstest Du das?“ belehre ich sie. „Es handelt sich nämlich bei der Rhinitis um einen Infekt, der durch Rhinoviren (eine Abart der Picornaviren) und Adenoviren übertragen wird und wenn ich nicht aufpasse, dann entwickelt sich das zu einer Atrophie der Nasenschleimhäute und mündet in einer Ozeana, landläufig auch „Stinknase“ genannt, da die atrophische Schleimhaut Keimansiedlungen begünstigt, die einen unangenehmen, süßlich-faulen Geruch absondern. Da die Schleimdrüsen ebenfalls atrophieren, kann der Naseninnenraum nicht mehr ausreichend befeuchtet werden, was zu Trockenheit der Schleimhaut und damit zu starker, schwarzer bis gelb-grüner Borkenbildung führt. Folgen der zähen Verkrustungen können Kopf- und Nasenschmerzen, Nasenbluten sowie Vereiterungen sein. Auf Grund des Nasengeruchs erleide ich dann einen sozialen Ausschluss, weil niemand wegen meiner Nase noch etwas mit mir zu tun haben möchte und mein Betrieb geht pleite und Dein Malkurs hat sich erledigt, weil wir sparen müssen und ich kauf Dir einen Corsa oder eine Busfahrkarte. Und das ist noch nicht alles: Durch Anosmie (auf Grund der Atrophie von Geruchsnerven) und wegen der Gewöhnung der Geruchsnerven an den Eigengeruch nehme ich den Gestank selber nicht einmal wahr. Dies bedeutet, Du wirst diejenige sein, die leidet. Jedenfalls bis zur Scheidung oder meinem Tod.“

„Gute Güte, Du hast einen Schnupfen“ wiederholt sie. Und dann sagt sie: „sei nicht so eine Memme.“

Nun – anscheinend drücke ich mich für die Frau, von der ich bisher dachte, sie liebt mich, unverständlich aus. Ich probiere es anders:

„Hast Du verstanden, was ich gesagt habe? „HOCHANSTECKENDE KRANKHEIT“! Die krankheitsverursachenden Viren werden sowohl als Tröpfcheninfektion durch die Luft als auch direkt oder indirekt durch Kontakt mit Erkrankten oder über kontaminierte Gegenstände per Schmierinfektion (Kontaktinfektion) in deren Umgebung übertragen. Dies bedeutet faktisch, dass ich die komplette Stadt anstecken könnte. Das ganze kann als eine veritable Pandemie oder Epidemie enden. Menschen schleppen sich schniefend und rotzend auf die Strasse, wo sie erbärmlich in den Gossen ihr Leben aushauchen, gehüllt in einen Kokon aus Rotz und Tempotaschentüchern, unsere Stadt wird unter Quarantäne gestellt, die Bundeswehr sperrt mit Schützenpanzern und in Ganzkörperanzügen die Zufahrtsstrassen ab, in den Strassen patroulliert der Bundesgrenzschutz mit Gasmasken und räumt die Herstallstrasse von den ganzen Schnupfentoten frei. Nach 14 Tagen gehen die Impfstoffe aus und die Aktie der Firma „Tempo“ bricht durch die Börsendecke, während sie ganze Kontinente von den für die Atmosphäre wichtigen Regenwälder befreit, weil sie Nachschub für ihre Papiertaschentuchproduktion brauchen. In der Folge bricht das Weltklima zusammen und es kommt zu Hungersnöten und Unruhen weltweit. Was meinst Du, wenn die drauf kommen, wer das verursacht hat? Was dann hier los ist? Wenn ich Glück habe, dann komme ich nur mit einer Todesfatwa eines islamischen Geistlichen davon. Und das alles nur, weil Du gemeint hast, ich hätte ja „nur“ einen Schnupfen und könne arbeiten gehen. Vielen Dank für gar nichts. Aber ich werde dann mit dem Finger auf Dich zeigen und sagen: SIE WOLLTE, DASS ICH ARBEITEN GEHE. ICH HATTE SIE JA GEWARNT!“

„Du willst also heute zu Hause bleiben“ stellt sich sachlich fest.

ABER JA! DIE ZUKUNFT DES PLANETEN HÄNGT DAVON AB!

„Dann kannst DU ja mal die Ablage und die Buchführung machen, wenn Du daheim bist.“

Und da ist mir dann plötzlich eingefallen, dass mich die Welt eigentlich kreuzweise kann und ich bin arbeiten gegangen. Ich meine „hallo?“ Ist ja nur ein Schnupfen.

Donnerstag, 2. August 2012

Business all time flat professional

Ein altes Sprichwort sagt: wechsle nie die Pferde im Strom. Auf Deutsch und als Mahnung an die geneigten Leser und Hörer und Zuschauer und Mitfühlenden: wenn etwas funktioniert, dann pfusch nicht drin herum. Finger weg. Lass den Scheiß. Es funktioniert und das ist alles, was es soll. Funktionieren. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Alles gut.

Beispielsweise mein Handy. Es funktioniert. Ich kann Apps laden, SMS und MMS verschicken, Fotos machen, Spiele spielen, Musik hören und im Internet surfen. Und manchmal kann ich damit auch telefonieren. Wenn ich ein Funknetz habe. Diese archaische Kommunikationsform, wo man noch seine Stimme modulieren und gelegentlich zuhören muss und während der Unterhaltung nicht einfach aufs Klo flitzen oder nebenbei Fernsehen gucken kann oder das Ding einfach beiseite legt, damit es sich selbst Nachrichten schreibt.
Mein Iphone ist mein treuer Begleiter auf allen Wegen. Und deswegen ging ich leichtsinngerweise dran, als es mit den Glockentönen von BigBen die Anwesenheit eines Menschen signalisierte, der anscheinend zwischenmenschliche Kommunikation mit mir wünschte.

„Hallo, Herr ThiloS, mein Name ist Susanne Berger von eplusbaseoutootelecomcommunicationsinternationalmobilevodafonelimited („Ja hallo“) und Sie sind ja Kunde bei uns im Call and Surf professional. Wir wollten mal nachfragen, wie zufrieden sie sind.“

Ich habe einen guten Tag heute und schalte schnell:
„Meinen Sie generell, mit meinem Job, meiner Ehe oder mit dem Iphone oder mit Ihnen als Firma oder Ihnen persönlich?“

„Hihi, neinnein, mit Ihrem Call and Surf Tarif.“

„Ich kann telefonieren. Das ist okay.“
„Aha“ (wahrscheinlich hätte ich ihr auch sagen können, dass ich derzeit und einem Schwerlaster liege und eine schwedische Krankenschwester mich soeben beatmet, sie hätte in jedem Fall „aha“ gesagt).

„Wir hätten nämlich da einen neuen Tarif für Sie, mit dem Sie günstiger als in Zukunft telefonieren.“
…und während ich noch grüble, ob das jetzt ernst gemeint oder eine freud´sche Fehlleistung war, spricht das Susanne hemmungslos weiter:

„Wenn Sie nämlich in den Business-comfort-flat-scream-and-squeak-Tarif wechseln würden, dann erhielten Sie 120 Freisekunden in das Festnetz der Kaiman-Inseln, dazu gratis 10 SMS ab 1 Gigabyte Festplattenspeicher, ein Messerset aus chinesischem Blattgold und zehn reichverzierte Wassermühlen mit Fernbedienung. Na, wie klingt das?“
Tja.

Eigentlich ganz gut soweit.
Ich habe da allerdings eine Frage, und zwar telefoniere ich im Moment over den Fireabend-Tarif mit allen Verbindungen ins französische Festnetz, mit Standleitung zur russischen Raumstation „Glasnost“ und habe außerdem 20 Silben im Monat frei, wenn gerade Freitag ist und die Sonne nicht scheint. Was ist damit?

„Das ist gar kein Problem, Herr ThiloS, die Freisilben können wir übertragen und wenn Sie das Super-Event-Entertainment-Paket dazubuchen, dann können Sie Nachts zwischen 23 und 3 Uhr bei schönem Wetter die Sterne betrachten und dank des Star-Wars-Pakets dem Funkverkehr auf Beta Geuze folgen“
„Hmmm“… das ist natürlich ein verlockendes Angebot, andererseits…

„Gesetzt den Fall, ich würde mit meinem neuen Scram-and-Squeak-Paket einsteigen, bekäme ich dann noch ein Handy für meine Frau?“
Susanne Berger ist ein echtes Ass und reagiert schnell: „in diesem Falle können wir Ihnen das private-Talk-and-Walk-Package inklusive 120 Freischwimmer-Minuten in alle deutschen Schwimmbäder, ein Monatsabo der Zeitschrift „Frau am Herd“ via Download oder read-per-view und eine warme Mahlzeit in einer Bahnhofsmission Ihrer Wahl anbieten!“

„Das ist ja alles schön und gut, aber ich schreibe mir im Monat ca. 300 Beiträge hinter die Ohren und meine Frau geht sowieso nie dran, wenn sie sieht, dass ich es bin, könnten wir dann da eine Rufnummer- und Frauenunterdrückung einbauen und sie zwingen, an das Handy zu gehen, also so eine Art „women-suppress-force“-Paket mit cleaning-dishes-Option?“
„Hihi.“ Susanne kichert. „Das ginge, aber dann müssten Sie das Girlfriend-divorce–big-tits-mature-woman-want-you“-XXL Paket für lediglich 10,- € pro Minute in alle polnischen Sex-hotlines dazubuchen, da kämen Sie dann im Grundbetrag auf ca. 1.000,- € im Monat“

„Ja, sehr geil! Das klingt gut, das nehme ich! Nur noch eine Frage an Sie als Profi zum Schluss und im Vertrauen: welches Paket haben Sie eigentlich gebucht?“

„Ich?“ Susanne ist jetzt ehrlich überrascht. „Ich telefoniere nicht, das ist mir mit den Tarifen zu umständlich. Ich habe sozusagen ein Face-to-face-social-network-Paket und treffe mich einfach so und persönlich mit Freunden.“
Ich lege auf: jemand, der sich noch persönlich mit anderen Leuten trifft, ist mir suspekt und mit dem möchte ich auch nichts zu tun haben.

„Persönlicher Kontakt“… vielleicht sogar noch mit Händedruck zur Begrüßung oder was?
In welcher Zeit lebt die dumme Nuss eigentlich?

Donnerstag, 14. Juni 2012

Tag 6: H-Day

Es ist kalt in Deutschland. Kalt und unangenehm, Der Wind treibt die Regenschauer über verödete Strassen. Es ist H-Day. Holland-Tag.

Gut, dass meine Frau den Doppelschirm für zwei Personen mit echtem Perlmut-Griff bestellt hat, so kann ich den in die Ecke stellen, weil ich sowieso nicht ´rausgehe. Stattdessen ist vorhin die Cheerleaderin eingetroffen, die meine Frau netterweise für das heutige Spiel bestellt hat., mit schwarz-rot-güldenen Pompons. Sie hat auch so Anfeuerungssprüche drauf wie „Mit Jogi Löw und Miro Klose geht die EM nicht in die Hose, wer wird Meister, ist doch klaa, Deutschland-Allemania“ oder auch „wir haben Lahm und Ihr habt Robben, drum werden wir Euch Deppen stoppen“, nicht so gut fand ich allerdings „Das war wohl ein Griff ins Klo, im Sturm spielt Gomez Mario“.

Als Vorgruppe des heutigen Spiels simulieren die Portugiesen mit den Dänen so etwas wie ein Fussballspiel. Die Dänen haben einen Sieg, die Portugiesen eine Niderlage auf dem Buckel. Dies bedeutet, dass wenn die Portugiesen heute unentschieden spielen, dann müssten die Dänen im letzten Spiel verlieren, damit die Holländer gegen die Portugiesen gewinnen, sofern sie heute verlieren. Wenn aber die Dänen durchsetzen, dass die Regel „drei Ecken gibt einen Elfer“ ab heute, 20.45 Uhr gilt, dann würde das bedeuten, dass Deutschland wenigstens im Elfmeterschiessen nach Verlängerung nicht Lukas Podolski an den Ball lassen darf, weil der schlechter Elfer verwandeln kann, als Robben, wobei er eigentlich alles nur schlechter als Robben kann und ich mich frage, was Jogi Löw geritten hat, diesen Ruhrpottparaolympioniken ausgerechnet nach Polen mitzunehmen, vielleicht hofft er ja, die behalten ihn da – aber jetzt bin ich abgeschweift in die Fussballarithmetik, entschuldigung.

In jedem Fall beginnen die Portugiesen so, als wären sie eine der Fussballmannschaften, die man bei diesem Turnier auf dem Schirm haben sollten und spielen netten und ansprechenden Fussball – oder das, was sie dafür halten. Für die erschrockenen Nordmannen, die wie die sprichtwörtlichen Nordmanntannen herumstehen, ist das eine böse Überraschung und sie kassieren aus Unfähigkeit und Entsetzen nach 24 Minuten (immerhin!) das 1:0.

Für die Dänen ist das jetzt eine Aufforderung. Leider hören sie diese nicht und die Portugiesen machen gut gelaunt nur 12 Minuten später das 2:0.

Den Portugiesen reicht das. Den Dänen reicht es jetzt. Während man sich in Portugiesien schon mit Häppchen und Käseigeln geistig auf die Halbzeit einstellt, macht irgendein Däne, keiner weiss wie, den Anschlusstreffer und es geht mit einem charmanten 2:1 in die Pause.

In der Halbzeit gibt der portugiesische Trainer die Parole „GEWONNEN“ aus und die Portugiesen ziehen sich infolgedessen selbstzufrieden in die eigene Hälfte zurück und selbst wenn sie auf Konter lauern sollten, so sieht man das nicht. Das ist jetzt etwas bräsig aus, Ronaldo nimmt eine warme Mahlzeit zu sich und die armen Dänen zappeln sich einen weg. Höhnisch vergeben die Portugiesen, wenn sie schon gelegentlich vors dänische Tor kommen, Großchancen en gros.

Bis zur 80sten Minute: da mogelt sich der kleine Däne Bendtner in einem unbeobachteten Moment zwischen ein paar portugiesische Abwehrspieler (das sind zu diesem Zeitpunkt 10 Mann) und locht zum Ausgleich ein.

Alles wieder offen.

Schade. Für die Portugiesen. Die ja schon gewonnen hatten. Jetzt rennen plötzlich beide Mannschaften wie die Gestörten, bis der portugiesische Trainer die ´nauze voll hat und einen No Name namens Varela einwechselt. Und weil der noch frisch ist, ist er auch ungestört und macht 7 Minuten nach dem Dänentor das 3:2. Das ist ungerecht, das ist Pech und das ist ärgerlich für die Dänen. Die Portugiesen holen am tragischen Schluss 3 Punkte.

Und Olli kahn kritisiert in der Spielpause Ronaldo, weil nicht der getroffen hat, die Flasche.

Danach das Kracher-Spiel des heutigen Abends: Geheimtipp Holland gegen Offizielltipp Deutschland, ein Fussballleckerbissen, ein ewiges Duell, eine ewige Rivalität, Orange gegen Schwarz/weiß, das ist Völler gegen Rijkjard (oder wie der Idiot geschrieben wurde), das ist WM 1974 und das ist – nun ja – etwas krampfig.

Gomez, die alte Flasche, die viel geweint hat wegen Frau Scholl, spielt von Anfang an das was, was er kann, nämlich gut aussehen und beide Mannschaften beginnen nervöser als ein Selbstmordattentäter, der in Badehose ein Schwimmbad sprengen will. Löw vertreibt sich die Zeit mit Kaugummi-Kauen und Balljungen ärgern, weil sich auf dem Platz nichts tut. Klar, ist ja auch Gomez im Sturm und Podolski auf dem Platz.

Das ändert sich in der 24sten Minute. Robben hatte soeben den dritten Ballkontakt und scheint, Gewohnheit ist Gewohnheit, Schweinsteiger den Ball zugepasst zu haben, der schiesst einfach mal drauf los, trifft den unglücklichen Gomez und der macht das 1:0. Tooooooor. Erste Silvesterraketen steigen auf, in der Ferne ist ein himmlischer Chor zu hören und mein Nachbar dreht das „Halleluja“ von Händel (nicht „Hendl“, wie fälschlicherweise oft geschrieben wird) bis zum Anschlag auf. Gomez, der Suoertyp, Gomez der Held, Gomez Fussballgott. Im ARD-Studio wird Scholl mit vereinter Kraft daran gehindert, sich die Pulsadern aufzuschneiden.

Aber damit nicht genug!

Plötzlich sieht es tatsächlich so aus, als wollten unsere Jungs das Spiel gewinnen und die erstaunten Niederländer sehen plötzlich Deutsche im Vorwärtsgang und schneller als Schrittgeschwindigkeit. Um das zu verhindern, werfen sie gelegentlich ein paar deutsche Spieler um, aber während 50% der Deutschen noch am Boden liegen, haben sie vergessen, Schweinsteiger und Gomez umzuwerfen und ausgerechnet die beiden machen in trauter Zweisamkeit das 2:0. Gomez, der Fussballgott, der Held der Helden, der Franz Beckenbauer der Nationalmannschaft, der Mann mit dem Fuße Gottes locht zum zweiten Mal ein. Klose beginnt, sein Trikot zu fressen, Mehmet Scholl wird erwischt, wie er sich an einem Balken im Studio zu erhängen versucht und aus der orangenen Resignation wird Verzweiflung. Ich habe ja immer an Gomez geglaubt. Immer!

Alleine: die Holländer haben es heute eher rustikal als spielerisch. Aus Zorn wird gefoult, was die Beine hergeben, getreten wie auf der Kneipp-Kur, nur Torschüsse – die sind rar. Die deutsche Verteidigung ist besser als die Heeresgruppe Kurland ´45 und die Holländer laufen sich ein- ums andere Mal fest.

So ein Lullenfussball schlaucht mit der Zeit. Und so versinken Jogis Jungs gegen Ende der Partie in einer kleinen Lethargie, was der Holländer Van Persie dreckig ausnutzt und 17 Minuten vor Schluss den Anschlusstreffer erzielt. Mit einem bösen Grantenschuss aus der Distanz.

Jetzt wird es noch einmal eng. Die Deutschen (außer Podolski, an dem die Partie mal wieder vorbeiläuft, irgendwie habe ich das Gefühl, die schneiden den da) rennen in Richtung holländisches Tor, jetzt nicht noch den Ausgleich fangen. Und so werden es noch sehr lange 17 Minuten, bis es mal wieder heißt: am Ende gewinnt Deutschland.

Oliver Kahn wird Kathrin Müller-Dingens nach dem Spiel fragen, was Gomez so weit hinten macht, er soll sich gefälligst in der Spitze aufhalten und redet damit das direkte Gegenteil von Scholl, der sich beschwerte, dass sich Gomez zu wenig um Aushilfe in der Abwehr bemüht. So viel zum Thema „Experten“.

Prügeln wir also ab jetzt auf Podolski ein, die alte Flasche.

Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn Mehmet Scholl sagt „die Impulse müssen aus dem Mittelfeld kommen“.

Dienstag, 12. Juni 2012

Tag 5: Noch ist Polen nicht ganz verloren. Aber fast!

Ich bin wirklich überrascht, was man in Home-shopping-Kanälen bestellen kann. Zum Beispiel kam heute ein Gartengrill an, in dem ich mich später mal selbst kremieren kann, eine Hitler-Puppe mit Echthaar aus Taiwan, dann haben wir anscheinend einen Urlaub im aserbeidschanischen Hinterland gebucht (Mithilfe bei der Ernte fakultativ, nicht obligatorisch) und wo ich den Kampfhubschrauber russischer Baurt hinstelle, weiss ich auch noch nicht. Aber wenigstens ist mein blöder Nachbar neidisch.

Hansi Flick hat Sprechverbot. Heute soll er beim Frühstück gesagt haben, die Deutschen müssten die Holländer mit bedingungslosem Gehorsam und fanatischem Willen angreifen und deren Strafraum besetzen, Gott sei auf der Seite der stärkeren Sturmspitzen. So etwas darf man aber nicht sagen. Das ist fast so schlimm, wie Gomez das Wundliegen ersparen zu wollen. Fast.

Heute Abend ja im ersten Spiel ein absoluter Fussballleckerbissen in der Todeslangweilergruppe A: der nachwievor geheime Geheimtipp Griechenland gegen den noch streng geheimeren Geheimtipp Tschechien, die wirklich etwas reissen können, wenn sie gegen Mannschaften wie Luxemburg oder Vatikanstaat spielen. Von den Russkis haben sie aber eine auf den Sack gekriegt, dürften also dementsprechend motiviert sein.

Und das sind die Tschechen auch. Nach 3 Minuten, die Griechen griechen noch auf ihre Positionen, rauscht es zum ersten Mal im griechischen Tor. Und während die Griechen noch mit dem Schiri diskutieren, warum sie das jetzt irgendwie nicht so gut finden, zappelt der Ball schon wieder im griechischen Fischernetz.

Das ist doof. Für die Griechen. Und das Spiel.

Denn die Tschechen beschliessen jetzt, ihre Mitarbeit an der EM2012 einzustellen und stellen sich nur noch nach hinten und zeigen hervorragendes Stellungsspiel. Die Herren aus Hellas müssen nun plötzlich arbeiten und sie rackern auch, aber eben genau so, wie sie „rackern“ verstehen, deswegen kommt bis zur Halbzeit auch nichts zusammen.

In der Pause ruft Frau Lagarde den scechischen Torwart Tschech in der Kabine auf dem Handy an und bittet um Gnade für die armen Griechen, die ja außer Fussball nichts mehr haben. Peter mit der Zipfelmütze tut ihr den kleinen Gefallen und lässt nach der Pause beim Fangen mal einen Ball für einen griechischen Stürmer durch, der vor Schreck den Ball zum Anschlusstreffer verwandelt.

In Griechenland keimt Hoffnung auf, das kennen sie von ihrer Staatskrise. Und ebenso hier wie da wird diese Hoffnung enttäuscht werden. Die Griechen wollen zwar, können aber nicht, die Tschechen könnten, wollen aber nicht mehr. Die Hellenen zeigen zauberhaften Kombinationsfussball, sie kombinieren nämlich, dass hohe Bälle in den Rücken der griechischen Abwehr noch zum Ausgleich führen, leider vergessen sie dabei, da irgendwo auch Stürmer zu platzieren und so bleibt es bei einem sicher berechtigten, aber irgendwie langweiligen und unspektakulären 2:1 für den größeren der beiden Fussballzwerge. Die Hellenen können schon mal Koffer packen. Sie waren aber auch, das muss man fairerweise sagen, in der Slawengruppe ein echter Exot.

Der eigentliche Kracher folgt aber erst danach: Geheimtipp Polen gegen Geheimtipp Russland. Ein Leckerbissen für Fussballfans, wenigstens, wenn man auf bäuerliche Hausmannskost steht. Die Ausgangslage jedenfalls ist klar: 11 hässliche Polen spielen gegen 11 hässliche Russen.

Polen gegen Russland, das ist immer Kampf, das ist immer Leidenschaft, das ist immer Herzblut, das ist immer ganz große Kacke.

Die Polen machen mit den Russen zu Spielanfang das, was sie auch in der EU machen: sie stören früh. Nur leider sind die russischen Spieler in einem Alter, in dem man sich von Jüngeren eben nicht mehr unbedingt stören lässt und so werden die Russkis erst dann etwas aktiver, als die Polen mangels spielerischer Qualitäten den Ex-Sowjets die Gehhilfen wegtreten. Zu allem Überfluss hat die UEFA einen feinen Sinn für Ironie beweisen, als sie ausgerechnet einen deutschen Schiedsrichter das Spiel pfeifen lässt, der sich somit den Hass des kompletten ehemaligen Warschauer Paktes zuzieht und man darf auf geharnischte diplomatische Noten gefasst sein, sollte einer der beiden Mannschaften ein fälliger Elfer verweigert werden.

Wie auch immer, die Russen spielen heute spöttisch und mit angezogener Handbremse, was gegen die erschreckend schwachen Polskis immer noch zu einem 1:0 nach einer Standardsituation reicht.

In der Pause jedenfalls scheint der polnische Träner seinen Schützlingen erklärt zu haben, dass es irgendwie nett wäre, wenn sie bei einer EM im eigenen Land wenigstens die Vorrunde überstehen würden und außerdem die Fans wüssten, wo ihre Häuser stehen, denn nachdem die Toten und Schwerverletzten beider Seiten von den Rängen entfernt wurden, kommen unsere slawischen Nachbarn mit neuem Effet auf den Platz, der im Moment noch den Namen „Platz der Schande“ trägt.

Die Russen haben das jedenfalls unterschätzt oder sie wollen einfach nur nett sein: während St. Petersburg eine Großchance nach der anderen verdaddelt und abgibt, wo Direktschuss notwendig wäre und direkt schiesst, wo eine Abgabe sinnvoll gewesen wäre, machen die Polski irgendwie und mit einem ausnahmsweise schönen Tor den Ausgleich. Danach wird es etwas dramatisch, weil sich beide Mannschaften gegenseitig von den Beinen holen und gelegentlich auch einen Knäuel bilden und nur dem beherzten Eingreifen des deutschen Unparteiischen (kicher) ist es zu verdanken, dass kein Notarztwagen aufs Feld muss.

Es bleibt beim 1:1 und beide Mannschaften haben noch gute Chancen, in die nächste Runde zu kommen, weil wohl niemand mit klarem Verstand damit rechnet, dass ausgerechnet die Griechen die Russen schlagen und noch Hoffnung besteht, dass die Tschechen gegen die Polen wie gegen die Russen spielen.

Eine persönliche Anmerkung: sollte ich jemals Diktator von Deutschland werden, werde ich Waldi Hartmann und Matze Knob zwingen, sich „Waldis EM-Club“ 7 Tage in Endlosschleife anzusehen.

Schalten Sie also auch morgen wieder ein und hören Sie Mehmet Scholl sagen „es ist nicht die Aufgabe eines Verteidigers, Tore zu machen“.

Montag, 11. Juni 2012

Tag 4: Freundschaftsspiele


Die ersten Bestellungen meiner Frau vom gestrigen Tage trafen heute ein. Ein Zwiebelschneider, der auch Beton schneidet, ein Messerset, mit dem man auch Sofakissen aufschlitzen kann und ein Kirschkernkissen, auf dem man wunderbar schläft, aber nur, wenn man tot ist. Ich bin gespannt, was noch kommt.

Große Aufregung in Deutschland. Mehmet „Fußball ist ein Mannschaftssport“ Scholl hat Mario „was wollt ihr, ich hab doch getroffen“ Gomezziemlich übel beleidigt, weil er ihn vor dem Wundliegen beschützen wollte. Das nehmen dem Mehmet ziemlich viele Medien krumm, vor allem diejenigen, die „Supermario“ in den Titel setzen, wenn der zufällig in einen Ball fliegt. Merke: success counts, egal wie.

Aber kommen wir zum Knallerspiel des heutigen Abends: der Geheimfavorit Frankreich gegen den Geheimfavoriten England. Die Franzosen sind ja dafür bekannt, keine Lust mehr zu haben, wenns schief geht, während die Engländer dieses Jahr ausnahmsweise mal ihre Mannschaft nicht über den grünen Rasenklee loben, weil ihre Deppenwalze Roooooooney gesperrt ist. Wir dürfen also ein Knaller-Spiel erwarten.

Eigentlich.

Aber, sagen wir es so: wenn Fußball die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist, dann sehen wir hier zwei Verbündete miteinander und nicht gegeneinander spielen. So eine Art „Entente Cordiale“, einen Nichtangriffspakt, ein herzliches Einvernehmen, ja, eine Freundschaft gar. Anders ausgedrückt: ich habe noch nie ein Fußballspiel gesehen, das im Gehen geführt wurde.

Sicher, die Engländer machen versehentlich in der 30sten Minute das 1:0, aber beiden Mannschaften ist dieser Zufallstreffer derart peinlich, dass sie den Franzosen, die deswegen viel geweint haben, nur 9 Minuten später das 1:1 gönnen. Und nachdem es nicht gegen Deutschland geht, sind beide Mannschaften recht zufrieden damit. Der Einzige, der die Ruhe gelegentlich stört, ist Ribery, den wohl niemand informiert hat, dass heute „Dabeisein“ alles ist und weitere peinliche Tore unerwünscht sind.

Nur so ist es zu erklären, dass der kleine hässliche Franzose, der in einer feindlichen deutschen Mannschaft als Legionär dient, keine Anspielstationen findet, die am Ende vielleicht noch das Bild eines unfähigen Torwarts im englischen Tor offenlegen könnten, denn was der englische Keeper zu bieten hat, wäre bereits in der dritten deutschen Liga ein Entlassungsgrund – und zwar für jeden Feldspieler, so er im Tor Vertretung machen müsste. Der italienische Schiedsrichter gerät nur dann in haarige Situationen, wenn er ein französisch-englisches Liebespärchen auf dem Rasen unterbrechen oder irgendwelche wilden Knutschereien unterbinden muss. Ansonsten tut sich nicht viel. Beide Mannschaften schlendern im warmen ukrainischen Sommer über den Platz und betreiben Fußball als das, was er ist: die schönste Nebensache der Welt. Zumal bei einer EM.

In der Pause wird Kathrin Müller-Dingenskirchen hinter der Kamera Olli Kahn fragen, ob er das Spiel auch so endgeil wie sie findet und Olli wird „zweimal nein“ antworten.

Nach schier endlosen 90 Minuten jedenfalls geht die französisch-englische Freundschaft zuerst in die Kabine und dann zusammen ins Kino, wo sie Händchen halten und sich mental auf ein Treffen mit den bösen Deutschen vorbereiten. Auf die Frage meiner Frau „guckst Du Fußball?“ habe ich jedenfalls wahrheitsgemäß mit „nein, einen Liebesfilm“ geantwortet.

Dementsprechend gruselt es mich auch vor dem zweiten Knallerhammerspiel des Abends: der Geheimtipp Ukraine gegen den noch viel geheimeren Geheimtipp Schweden. Der Bär trifft den Elch, der Mongole trifft den Wikinger, gelbe Trikots treffen auf gelbe Trikots.

Wer nun erwartet hat, dass das ein langweiliges und hilfloses Spiel wird, der wurde nicht enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass man die Fans, die alle einheitlich in Gelb gekleidet sind, nicht auseinanderhalten kann, vielleicht sind die Ukraianer und die Schwedianer von den gelben Schärpen in den blauen Trikots der alten Schweden irritiert, es tut sich nichts. In den ersten 5 Minuten tasten sich die beiden Langweiler noch ab, in den anderen 40 Minuten tun sie das auch.

Es ist ja nicht so, dass das Kanonenfutter da unten ohne Herz spielen würde, nur leider ist es anscheinend das Herz von Synchronschwimmern und nicht von Fußballern. Ich gebe gerne zu, dass ich ein wenig eingenickt bin und mich nur die Feststellung von Olli „ich kahn nicht mehr“, „die Mannschaften würden sich abtasten“ aus meinem erotischen Traum geweckt hat.

Allerdings haben wohl die Trainer beider Mannschaften ihren Gelbsüchtigen in der Pause erklärt, dass, wenn sie es schon nicht gegen so einen drittklassigen Gegner wie den derzeitigen packen, es gegen England und Frankreich so ein ganz kleines bisschen noch viel schwieriger werden könnte, hier bei der EM weiterzukommen.

In jedem Fall regt sich nach der Halbzeit so etwas wie intelligentes Leben auf dem Platz, denn zuerst dürfen die Schweden ein Tor schießen, danach die Ukrainier zwei davon. Nach 90 Minuten und einer Nachspielzeit, die den sich abwechselnd auf dem Boden windenden Memmen gewidmet ist, endet eine sehr – nennen wir sie nett: „durchwachsene“ - Partie mit einem nicht unverdienten aber auch nicht verdienten Sieg der Ukraine über die entsetzlich bemitleidenswert spielenden Schweden und ich frage mich, warum die UEFA darauf besteht, eine EM ausgerechnet in Ländern auszurichten, deren Nationalmannschaften an besseren Tagen Pausenfüller und Sparringspartner für ernsthafte Teams sind. Was kommt als Übernächstes? EM in der Türkei oder in Albanien oder San Marino?

Insgesamt war der heutige Spieltag so spannend wie eine Kerner-Show. Schalten Sie also auch morgen wieder ein, wenn Mehmet Scholl solche Sätze sagt wie „das Spiel wird anhand der Tore entschieden“.