Berlin: nach neuesten Studien der Agentur für Arbeit in Zusammenarbeit mit infratest dimap müssen knapp 80% aller Arbeitnehmer arbeiten. Wie der Sprecher der Bundesagentur, Dr. Rainer Hohn, am Montag verlautbaren lies, seien diese Zahlen alarmierend. Ein Hochtechnologieland wie Deutschland könne es sich eigentlich nicht leisten, Arbeitnehmer zur Arbeit zu zwingen. Vor allem in der Privatwirtschaft seien viele Arbeitnehmer gezwungen, während ihrer Arbeitszeit unter teilweise unmenschlichen Bedingungen tätig zu sein. „Arbeitszeiten ab beispielsweise 8 Uhr morgens sind keine Seltenheit“ so Hohn wörtlich. „Bis zu 6, teilweise bis zu 8 Stunden am Tag werden so Familien ein Teil der Eltern oder sogar beide Eltern entzogen“ so Hohn weiter. Etwas besser sähe die Lage im öffentlichen Dienst und bei Beamten aus, hier würden Arbeitnehmer während der Arbeitszeit nicht voll durch Arbeit belastet. Insgesamt aber sei die Situation unbefriedigend.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Gewerkschaft Verdi haben bereits umfangreiche Maßnahmen und Protestaktionen angekündigt. Sie wollen verstärkt darauf aufmerksam machen, dass Arbeit im Grunde nur mehr Arbeit nach sich zieht. Es könne nicht sein, so Gewerkschaftssprecher, dass Menschen während ihrer Arbeitszeit einem Leistungsdruck ausgesetzt würden, der in einzelnen Fällen sogar bis zur Rente andauere. Unter dem Motto „Arbeit adelt, aber der Feudalismus wurde abgeschafft“ sind in mehreren Städten Aktionen gegen Arbeit am Arbeitsplatz geplant.
Auch der Weihbischoff von Fulda und Herleshausen, Konterkardinal Klappstuhl, hat die Ergebnisse der Studie, so wörtlich, als „erschreckend und unchristlich“ bezeichnet. „Gott hat schon genug gearbeitet und wer schläft, sündigt nicht. So gesehen ist jeder Zwang zur Arbeit gleichzeitig auch eine Aufforderung, Sünde zu begehen. Dies kann nicht im Sinne christlicher Toleranz und Nächstenliebe sein“, so Kardinal Klappstuhl, bevor er sich in den Feierabend verabschiedete.
„Nicht überraschend“ nennt hingegen der Zentralrat der Muslime ZdM die Ergebnisse der Studie und forderte eine breite gesellschaftliche Integrationsdebatte. Viele Zuwanderer seien mit der Forderung nach Leistung während der Arbeitszeit überfordert und unangenehm überrascht, insbesondere dort, wo auf religiöse oder kulturelle Eigenarten keinerlei Rücksichten genommen werde. So hätten sich auf vielen Arbeitsplätzen die Forderungen nach Gebetspausen oder getrennten Räumlichkeiten für männliche und weibliche Arbeitnehmer noch immer nicht durchgesetzt. Dies treibe ausländische Mitbürger in die gesellschaftliche Isolation und Ausgrenzung und führe zu einer Arbeitsverweigerungshaltung und letztlich zu Extremismus.
Unterdessen erwägt die Linksfraktion im Bundestag eine Verfassungsklage. „Die Zeiten, wo Arbeit frei macht, sollten endgültig hinter uns liegen“ sagt die Vorsitzende der Parlamentarischen Ausschussgruppe im Bundestag, Birke-Frauke Rotkehl-Dompfaff. „Der Zwang zu Arbeit und Leistung ist nur eine Weiterführung der faschistischen Ideologie im neuen Gewand.“ Als Beispiel, dass es auch anders geht, nannte Rotkehl-Dompfaff die Kaimann-Inseln und das Mururoa-Atoll. Sicher seien die Verhältnisse nicht 1:1 auf die Bundesrepublik übertragbar, aber hier sei dafür das Wetter auch schlechter. Daher fordere die Linke schon seit langem hitze- und regen- und schneefreie Tage für Arbeitnehmer und Geringverdiener. „Aber uns hört ja sowieso keiner zu“, so Rotkehl-Dompfaff weiter.
Scharfe Kritik an der Studie kommt hingegen von der FDP. So seien in der Studie reine Beschäftigungsverhältnisse ohne konkrete Arbeitsvorgaben und Künstler völlig unberücksichtigt geblieben. Es könne nicht sein, dass lediglich Arbeitnehmer betrachtet würden, das ganze Gesocks aber, das täglich in Talkshows, Dschungelcamps und Reality-Dokumentationen abhinge, nicht in die Studie mit einbezogen worden wäre. Hier würde Geld verdient, ohne dass konkrete Leistungen erbracht würden. Gleiches gälte auch für Parlamentarier und Bundespräsidenten. Aus diesem Blickwinkel sei die Studie zumindest unvollständig, wenn nicht wertlos.
SPD und Grüne haben sich unterdessen auf ein gemeinsames Thesenpapier zur Bundestagswahl geeinigt, in dem ein unbeschränkter Zugang zu Freizeit sowie eine völlig flexibilisierte und freie Einteilung der Arbeit während der Arbeitszeit grundgesetzlich verankert werden soll. „Jeder Arbeitnehmer muss selbst entscheiden können, ob er während der Arbeitszeit auch tatsächlich arbeiten möchte oder nicht“ so ein namentlich nicht genannt werden wollender Parlamentarier. „Auch Beginn und Ende der Arbeitszeit sowie Urlaub und Krankheitstage müssen flexibler gestaltet werden, ist zwar Quatsch, aber mit irgendetwas müssen wir ja an den Start gehen, egal, wie absurd“ so der Sprecher weiter.
Die Bundeskanzlerin selbst will erst die weiteren Studien und vor allem die Reaktionen in der Bevölkerung abwarten, bevor sie sich weiter äußert. Wie die Bundeskanzlerin am Abend weiter sagte, wolle sie erst wissen, wie sie sich verhalten soll, um wieder gewählt zu werden. Hierfür seien noch tiefere Untersuchungen der Stimmungslage in der Bevölkerung und den Medien notwendig.
Klar Stellung bezogen hat hingegen ThiloS. Er sagte, so wörtlich, „lasst mich in Ruhe meinen Schaff machen und geht mir mit Eurem Geschiss nicht auf den Sender.“
Die Welt ist nicht so, wie wir sie wünschen, sondern so, wie sie will (ist von mir - gut, gell?)
Dienstag, 29. Januar 2013
Freitag, 25. Januar 2013
Servicewüste Deutschland
Also, das war so: ich hatte mir im Baumarkt eine Digitalwaage gekauft, nichts Dolles, eine „Venus“ für 29,90 €, dafür aber konnte sie nicht nur das Gewicht anzeigen, sondern auch den Körperfettanteil, die Schuhgröße, die Uhrzeit, die Körpertemperatur und den Intelligenzquotienten. Das fand ich ganz cool. Ich habe die Waage an der Kasse bezahlt, wurde noch gefragt, ob ich den Einkaufsbeleg möchte, was ich dankend abgelehnt habe, weil es nur eine Waage und damit in meinem Beruf nicht steuerlich absetzbar war und habe das Teil mit nach Hause genommen. Bis hierher banal.
Gleich bei der Erstbesteigung habe ich allerdings zu meinem Unwillen bemerken müssen, dass zwei Digitalstellen der Gewichtsanzeige fehlten. Die waren nicht da.
Wenn man bei einer Digitalanzeige so schräg guckt, dann sieht man ja, ob da im Rohzustand Achten stehen. Wenn da also vier Achten stehen, dann sind alle Digitalanzeigen vom Grundsatz her vorhanden und darstellbar. Theoretisch. Ich hatte aber bei den letzten beiden Stellen tatsächlich nur zwei E´s da stehen, was als Anzeige wie 8E,E und am Tag drauf wie 8E,C aussah (gewogen mit Unterhose und Brille). Aber eigentlich wollte ich mich wiegen und kein Algebra machen.
Nun könnte man ja sagen, „hey ThiloS“ könnte man sagen, „denk Dir die fehlenden Zeichen doch einfach dazu“, aber wenn ich eine Hochgeschwindigkeitswaage von „Venus“ für satte 29 €uronen und 90 Centinen kaufe, dann will ich dafür auch vier Digitalachten kriegen und nicht nur zwei. Das ist so ein prinzipielles Ding. Außerdem stand auch nicht auf der Packung „zahl vier Achten und bekomme nur zwei“. Stand nicht drauf, ich habe extra noch einmal nachgeguckt.
Nun hätte ich die Waage gerne zurückgegeben, umgetauscht, gewandelt, gemindert, was auch immer der Gesetzgeber vorsieht, sofern man einen Kassenzettel hat. Hatte ich nicht.
Es war also klar, was kommen würde. Ich würde zum Baumarkt gehen, die unwägbare Waage vorlegen, die Ladendunsel würde eine Quittung verlangen, die ich nicht vorlegen könnte, sie würde sich natürlich weigern, die Dreckswaage umzutauschen, ich würde sie sehr laut beschimpfen müssen, was der Baumarkt für ein Saftladen wäre, so einen Müll zu verkaufen, sie würde mit der Polizei drohen, ich würde lautstark den Geschäftsführer verlangen, sie würde zwei Mitarbeiter aus der Garten- und Baustoffabteilung rufen, die würden mich unterhaken und ´rausschmeißen, ich würde dann meinen Rechtsanwalt aufsuchen und den Baumarkt und den Waagenhersteller wegen Betruges anzeigen und wir würden die Bänder der Überwachungskamera zwecks Beweisaufnahme meines legalen Einkaufs anfordern, der Baumarkt würde eine Gegenanzeige wegen Hausfriedensbruch starten und mir außerdem ein lebenslanges Hausverbot für die Sanitärabteilung erteilen und in letzter Instanz würde ich vor dem Europäischen Gerichtshof zu meinem Recht kommen – spätestens, nachdem ich an die Verbraucherschutzministerin geschrieben hätte. Mit mir nicht!
Nun, ein guter Schlachtplan ist bereits ein halber Sieg. Am Abend laufe ich also in Hochstimmung und Kampfbereitschaft in jenem kleinen sympathischen Baumarkt ein, steuere kerzengerade auf die Information zu, knalle die Waage auf den Tresen und spreche „Geht nicht. Die Digitalanzeige ist unvollständig. Ich will das Ding umtauschen. Hab ich am Freitag hier gekäuft!“
Natürlich reagiert die Informationsschalterfrau wie erwartet: „Haben Sie den Kassenzettel?“
Na klar. Ich wusste es. Das wird jetzt hart werden. Ich fixiere sie aus zusammengekniffenen Augen, das macht Eindruck. „Nein“ sage ich „den habe ich weggeschmissen. Was machen wir jetzt?“
Ich meine, ihr eine Spur Agressivität anzusehen. Sie sagt, und ich merke ihr da bereits die Beherrschung an: „Ich mache Ihnen da jetzt einen Musteraufkleber drauf, dann gehen Sie zum Schalter in der Sanitärabteilung und sie bekommen eine neue Waage.“
Aha.
So eine ist das also.
Meint wohl, nur, weil ich keinen Kassenzettel dabei habe, lasse ich mich so einfach abfertigen. Ich wiederhole mich noch einmal langsam, da sie mich anscheinend nicht richtig verstanden hat: „Ich habe aber keinen Kassenzettel.“
„Kein Problem. Gehen Sie einfach in die Sanitärabteilung, die tauschen das um.“
Vielleicht ist sie ja taub oder grenzdebil. Ich gehe auf Nummer Sicher: „Ohne Kassenzettel?“
Sie bleibt aber hart. „Ja, kein Problem, hinten in der Sanitär…“ Ich unterbreche ihren Redeschwall, da sie anscheinend unwillig ist: „Hören Sie, ich habe keinen Kassenzettel, ich kann das nicht so einfach umtauschen. HALLOOOO! Sprechen Sie Deutsch? Verstehen Sie meine Sprache? KEIN KASSENZETTEL. ICH HABE KEINEN VERDAMMTEN KASSENZETTEL!!! NIX DA! ICH HABE NICHT DEN HAUCH EINES BEWEISES, DASS ICH DIESE FORMSCHÖNE NULLNUMMER DA BEI IHNEN GEKAUFT HABE!“
Sie sieht mich irritiert an. Wahrscheinlich gibt es irgendwo ein Baumarkt-Trainingslager, in dem man lernt, mit unzufriedenen Kunden umzuspringen. Aber auf die Tricks falle ich nicht rein! Sie lächelt, wie ich meine, frech: „Ich habe schon verstanden, dass Sie keinen Kassenzettel haben, ich bin weder taub noch grenzdebil. Wir sind der einzige Laden, der diesen Hersteller führt, es ist wirklich kein Problem, wir tauschen die Ware um…“
„Wirklich?“ Ich bin mir immer noch sicher, sie stellt mir eine Falle. Wahrscheinlich tauschen sie in der Sanitärabteilung tatsächlich die Waage um, wenn ich aber aus dem Laden wieder ´raus will, dann steht mir der Baumarktdetektiv gegenüber und verhaftet mich wegen illegalem Umtausch einer Waage. Kennt man ja, die Tricks. Oder ruft „haltet den Dieb, er hat unsere Venus-Waage geklaut“.
Ich fasse die Informationsbarfrau scharf ins Auge: „Und Sie verbürgen sich dafür, dass mir nach dem Umtausch freies Geleit zugesichert wird? Keine Tricks, keine Polizei? Ich kann also in die Sanitärabteilung gehen, die Waage umtauschen und einfach wieder so, mirnixdirnix, ganz unbehelligt aus dem Laden marschieren? Das wollen Sie mir wirklich erzählen?“
Wieder diese irritierte Blick. Wo lernt man das? „Ja natürlich. Kein Problem. Wir legen großen Wert auf zufriedene Kunden. Wollen Sie die Waage jetzt umtauschen oder nicht?“
Eigentlich habe ich zum Umtauschen jetzt so gar keine Lust mehr. Am liebsten würde ich den Geschäftsführer rufen lassen, um ihm mitzuteilen, dass sein Personal überhaupt nicht konfliktfreudig oder wenigstens –fähig ist. Ich möchte nicht wissen, wie viel betriebs- oder gar volkswirtschaftlicher Schaden so im Jahr durch kassenzettellose Warenumtauscher entsteht, nur, weil das Personal konfliktscheu ist. Ob sich meine Info-Frau wohl ihrer Verantwortung gegenüber ihrer Firma und der Gesamtwirtschaft bewusst ist?
„Na gut, ich riskiere es. Aber eines sage ich Ihnen gleich: Ich mache Sie PERSÖNLICH dafür verantwortlich, wenn das jetzt hier schiefgeht!“
Sie bleibt gelassen: „Guter Gott, vertrauen Sie mir. Gehen Sie nach hinten und tauschen Sie die Höllenwaage einfach um.“ „Aber Sie gehen mit!“ versuche ich einen letzten Widerstand.
Endlich wird sie aggressiv: „Gut, Programmwechsel. Sie bleiben hier stehen und ich tausche die Waage für Sie um. Danach komme ich wieder her, wir testen die Waage gemeinsam, dass sie auch wirklich einwandfrei funktioniert und Sie sind dann hoffentlich zufrieden. Und wissen Sie was? Den Kassenzettel drucken wir Ihnen auch gleich mit aus, damit Sie den auch haben. Wäre das so für Sie in Ordnung?“
„Kassenzettel?“ habe ich geantwortet „den brauch ich nicht“.
Der Notarzt hat dann drei Stunden gebraucht, um mir die Splitter der Venus-Waage aus dem Kopf zu holen. Es lohnt sich eben, wenn man nur hartnäckig genug auf seinem Recht besteht!
Gleich bei der Erstbesteigung habe ich allerdings zu meinem Unwillen bemerken müssen, dass zwei Digitalstellen der Gewichtsanzeige fehlten. Die waren nicht da.
Wenn man bei einer Digitalanzeige so schräg guckt, dann sieht man ja, ob da im Rohzustand Achten stehen. Wenn da also vier Achten stehen, dann sind alle Digitalanzeigen vom Grundsatz her vorhanden und darstellbar. Theoretisch. Ich hatte aber bei den letzten beiden Stellen tatsächlich nur zwei E´s da stehen, was als Anzeige wie 8E,E und am Tag drauf wie 8E,C aussah (gewogen mit Unterhose und Brille). Aber eigentlich wollte ich mich wiegen und kein Algebra machen.
Nun könnte man ja sagen, „hey ThiloS“ könnte man sagen, „denk Dir die fehlenden Zeichen doch einfach dazu“, aber wenn ich eine Hochgeschwindigkeitswaage von „Venus“ für satte 29 €uronen und 90 Centinen kaufe, dann will ich dafür auch vier Digitalachten kriegen und nicht nur zwei. Das ist so ein prinzipielles Ding. Außerdem stand auch nicht auf der Packung „zahl vier Achten und bekomme nur zwei“. Stand nicht drauf, ich habe extra noch einmal nachgeguckt.
Nun hätte ich die Waage gerne zurückgegeben, umgetauscht, gewandelt, gemindert, was auch immer der Gesetzgeber vorsieht, sofern man einen Kassenzettel hat. Hatte ich nicht.
Es war also klar, was kommen würde. Ich würde zum Baumarkt gehen, die unwägbare Waage vorlegen, die Ladendunsel würde eine Quittung verlangen, die ich nicht vorlegen könnte, sie würde sich natürlich weigern, die Dreckswaage umzutauschen, ich würde sie sehr laut beschimpfen müssen, was der Baumarkt für ein Saftladen wäre, so einen Müll zu verkaufen, sie würde mit der Polizei drohen, ich würde lautstark den Geschäftsführer verlangen, sie würde zwei Mitarbeiter aus der Garten- und Baustoffabteilung rufen, die würden mich unterhaken und ´rausschmeißen, ich würde dann meinen Rechtsanwalt aufsuchen und den Baumarkt und den Waagenhersteller wegen Betruges anzeigen und wir würden die Bänder der Überwachungskamera zwecks Beweisaufnahme meines legalen Einkaufs anfordern, der Baumarkt würde eine Gegenanzeige wegen Hausfriedensbruch starten und mir außerdem ein lebenslanges Hausverbot für die Sanitärabteilung erteilen und in letzter Instanz würde ich vor dem Europäischen Gerichtshof zu meinem Recht kommen – spätestens, nachdem ich an die Verbraucherschutzministerin geschrieben hätte. Mit mir nicht!
Nun, ein guter Schlachtplan ist bereits ein halber Sieg. Am Abend laufe ich also in Hochstimmung und Kampfbereitschaft in jenem kleinen sympathischen Baumarkt ein, steuere kerzengerade auf die Information zu, knalle die Waage auf den Tresen und spreche „Geht nicht. Die Digitalanzeige ist unvollständig. Ich will das Ding umtauschen. Hab ich am Freitag hier gekäuft!“
Natürlich reagiert die Informationsschalterfrau wie erwartet: „Haben Sie den Kassenzettel?“
Na klar. Ich wusste es. Das wird jetzt hart werden. Ich fixiere sie aus zusammengekniffenen Augen, das macht Eindruck. „Nein“ sage ich „den habe ich weggeschmissen. Was machen wir jetzt?“
Ich meine, ihr eine Spur Agressivität anzusehen. Sie sagt, und ich merke ihr da bereits die Beherrschung an: „Ich mache Ihnen da jetzt einen Musteraufkleber drauf, dann gehen Sie zum Schalter in der Sanitärabteilung und sie bekommen eine neue Waage.“
Aha.
So eine ist das also.
Meint wohl, nur, weil ich keinen Kassenzettel dabei habe, lasse ich mich so einfach abfertigen. Ich wiederhole mich noch einmal langsam, da sie mich anscheinend nicht richtig verstanden hat: „Ich habe aber keinen Kassenzettel.“
„Kein Problem. Gehen Sie einfach in die Sanitärabteilung, die tauschen das um.“
Vielleicht ist sie ja taub oder grenzdebil. Ich gehe auf Nummer Sicher: „Ohne Kassenzettel?“
Sie bleibt aber hart. „Ja, kein Problem, hinten in der Sanitär…“ Ich unterbreche ihren Redeschwall, da sie anscheinend unwillig ist: „Hören Sie, ich habe keinen Kassenzettel, ich kann das nicht so einfach umtauschen. HALLOOOO! Sprechen Sie Deutsch? Verstehen Sie meine Sprache? KEIN KASSENZETTEL. ICH HABE KEINEN VERDAMMTEN KASSENZETTEL!!! NIX DA! ICH HABE NICHT DEN HAUCH EINES BEWEISES, DASS ICH DIESE FORMSCHÖNE NULLNUMMER DA BEI IHNEN GEKAUFT HABE!“
Sie sieht mich irritiert an. Wahrscheinlich gibt es irgendwo ein Baumarkt-Trainingslager, in dem man lernt, mit unzufriedenen Kunden umzuspringen. Aber auf die Tricks falle ich nicht rein! Sie lächelt, wie ich meine, frech: „Ich habe schon verstanden, dass Sie keinen Kassenzettel haben, ich bin weder taub noch grenzdebil. Wir sind der einzige Laden, der diesen Hersteller führt, es ist wirklich kein Problem, wir tauschen die Ware um…“
„Wirklich?“ Ich bin mir immer noch sicher, sie stellt mir eine Falle. Wahrscheinlich tauschen sie in der Sanitärabteilung tatsächlich die Waage um, wenn ich aber aus dem Laden wieder ´raus will, dann steht mir der Baumarktdetektiv gegenüber und verhaftet mich wegen illegalem Umtausch einer Waage. Kennt man ja, die Tricks. Oder ruft „haltet den Dieb, er hat unsere Venus-Waage geklaut“.
Ich fasse die Informationsbarfrau scharf ins Auge: „Und Sie verbürgen sich dafür, dass mir nach dem Umtausch freies Geleit zugesichert wird? Keine Tricks, keine Polizei? Ich kann also in die Sanitärabteilung gehen, die Waage umtauschen und einfach wieder so, mirnixdirnix, ganz unbehelligt aus dem Laden marschieren? Das wollen Sie mir wirklich erzählen?“
Wieder diese irritierte Blick. Wo lernt man das? „Ja natürlich. Kein Problem. Wir legen großen Wert auf zufriedene Kunden. Wollen Sie die Waage jetzt umtauschen oder nicht?“
Eigentlich habe ich zum Umtauschen jetzt so gar keine Lust mehr. Am liebsten würde ich den Geschäftsführer rufen lassen, um ihm mitzuteilen, dass sein Personal überhaupt nicht konfliktfreudig oder wenigstens –fähig ist. Ich möchte nicht wissen, wie viel betriebs- oder gar volkswirtschaftlicher Schaden so im Jahr durch kassenzettellose Warenumtauscher entsteht, nur, weil das Personal konfliktscheu ist. Ob sich meine Info-Frau wohl ihrer Verantwortung gegenüber ihrer Firma und der Gesamtwirtschaft bewusst ist?
„Na gut, ich riskiere es. Aber eines sage ich Ihnen gleich: Ich mache Sie PERSÖNLICH dafür verantwortlich, wenn das jetzt hier schiefgeht!“
Sie bleibt gelassen: „Guter Gott, vertrauen Sie mir. Gehen Sie nach hinten und tauschen Sie die Höllenwaage einfach um.“ „Aber Sie gehen mit!“ versuche ich einen letzten Widerstand.
Endlich wird sie aggressiv: „Gut, Programmwechsel. Sie bleiben hier stehen und ich tausche die Waage für Sie um. Danach komme ich wieder her, wir testen die Waage gemeinsam, dass sie auch wirklich einwandfrei funktioniert und Sie sind dann hoffentlich zufrieden. Und wissen Sie was? Den Kassenzettel drucken wir Ihnen auch gleich mit aus, damit Sie den auch haben. Wäre das so für Sie in Ordnung?“
„Kassenzettel?“ habe ich geantwortet „den brauch ich nicht“.
Der Notarzt hat dann drei Stunden gebraucht, um mir die Splitter der Venus-Waage aus dem Kopf zu holen. Es lohnt sich eben, wenn man nur hartnäckig genug auf seinem Recht besteht!
Mittwoch, 5. Dezember 2012
He, Focus-online
Hallo, Ihr Faktenfaktenfakten-Fluter!
Gelegentlich VERSUCHE ich, einen Artikel auf Eurer knallbunten Homepage zu lesen, aber Ihr lasst mich ja nicht!
Ständig haltet Ihr mir irgendein dümmliches Werbeschildchen vor die Nase, das zum Einen ewig braucht, um zu laden, zum Anderen nur dadurch wegzukriegen ist, dass ich Eure Site wieder schliesse.
Ich weiss ja, der freien Presse geht es schlecht und wenn ich schon kostenlos im Internet lesen will, dann müsst Ihr Euch über Werbung gegenfinanzieren, verstehe ich ja. All Eure Nachrichtenpraktikanten, die sich für billig Geld an der Site mal ausprobieren dürfen, sollen wenigstens ihre Mittagspausenwecken bezahlt bekommen, ist mir klar.
Nur übertreibt Ihr mittlerweile. Ihr habt da ein Werbeportal gebastelt, das mit Nachrichten hinterlegt ist und kein Nachrichtenportal mit zugeschalteter Werbung. Das geht so nicht weiter.
Also, Fiktionsfaktenfanatiker, aufgehörcht:
Ich will kein Fan von Facebook werden. Nein, niemals, auch nicht, wenn Ihr mich 130 mal fragt. Ich will nicht. Ich HASSE Facebook. Es ist öde. Und langweilig. Fast so schlimm wie Euer Online-Portal.
Ich will auch keine Deka-Fonds. Die sind miserabel und die Leute, die stolz ihren Garten "dank Deka" präsentieren, wollten von dem Geld eigentlich ein Wohnhaus kaufen und keinen Garten.
Jetzt glaubt doch nicht alles, was in der Werbung steht, herrgott!
Ich lehne Calvin-Klein-Klamotten ab. In meiner Unterhose steht mein Name und nich die von dem, der sich das Design ausgedacht hat. Auf meinem Klingelschild an der Haustüre steht ja auch nicht der Name des Klingelschilddesigners.
Ihr habt es derart überzogen, dass ich grundsätzlich keinen Kram mehr von Firmen kaufe, die Eure Werbepartner sind. Ihr geht mir gewaltig auf den Keks! Ich lese Euch bald gar nicht mehr. Wie auch. Hängt ja ständig ein Werbebanner drüber.
Ich wechsle dann lieber zu SPON. Die sind zwar links, verscheissern mich aber nicht dauernd mit sinnlosen Werbebannern. Das habt Ihr davon. Euer Nicht-mehr-Leser ThiloS
Gelegentlich VERSUCHE ich, einen Artikel auf Eurer knallbunten Homepage zu lesen, aber Ihr lasst mich ja nicht!
Ständig haltet Ihr mir irgendein dümmliches Werbeschildchen vor die Nase, das zum Einen ewig braucht, um zu laden, zum Anderen nur dadurch wegzukriegen ist, dass ich Eure Site wieder schliesse.
Ich weiss ja, der freien Presse geht es schlecht und wenn ich schon kostenlos im Internet lesen will, dann müsst Ihr Euch über Werbung gegenfinanzieren, verstehe ich ja. All Eure Nachrichtenpraktikanten, die sich für billig Geld an der Site mal ausprobieren dürfen, sollen wenigstens ihre Mittagspausenwecken bezahlt bekommen, ist mir klar.
Nur übertreibt Ihr mittlerweile. Ihr habt da ein Werbeportal gebastelt, das mit Nachrichten hinterlegt ist und kein Nachrichtenportal mit zugeschalteter Werbung. Das geht so nicht weiter.
Also, Fiktionsfaktenfanatiker, aufgehörcht:
Ich will kein Fan von Facebook werden. Nein, niemals, auch nicht, wenn Ihr mich 130 mal fragt. Ich will nicht. Ich HASSE Facebook. Es ist öde. Und langweilig. Fast so schlimm wie Euer Online-Portal.
Ich will auch keine Deka-Fonds. Die sind miserabel und die Leute, die stolz ihren Garten "dank Deka" präsentieren, wollten von dem Geld eigentlich ein Wohnhaus kaufen und keinen Garten.
Jetzt glaubt doch nicht alles, was in der Werbung steht, herrgott!
Ich lehne Calvin-Klein-Klamotten ab. In meiner Unterhose steht mein Name und nich die von dem, der sich das Design ausgedacht hat. Auf meinem Klingelschild an der Haustüre steht ja auch nicht der Name des Klingelschilddesigners.
Ihr habt es derart überzogen, dass ich grundsätzlich keinen Kram mehr von Firmen kaufe, die Eure Werbepartner sind. Ihr geht mir gewaltig auf den Keks! Ich lese Euch bald gar nicht mehr. Wie auch. Hängt ja ständig ein Werbebanner drüber.
Ich wechsle dann lieber zu SPON. Die sind zwar links, verscheissern mich aber nicht dauernd mit sinnlosen Werbebannern. Das habt Ihr davon. Euer Nicht-mehr-Leser ThiloS
Samstag, 17. November 2012
Abenteuer46
Es ist drei
Uhr nachmittags, ich habe ein halbes Stündchen Zeit und schätze, ich könnte auf
kurz mal eine heiße Schokolade trinken, schräg gegenüber bei der
Lieblingsitalienerin, die jeden Stammgast auf herzliche und extrem
aufdringliche und unhygienische Art abbusselt, aber das ist eben die
mediterrane Herzlichkeit, von der wir uns kühle Deutsche eine Scheibe
abschneiden können und für die wir Steuergelder zahlen. Hol´s der Teufel, ich
risikiere es.
Die GÖTTIN steht auf, lächelt ein letztes Mal und geht, ohne dass sie mein Eisbär- und Brusthaarfell kennengelernt hat. Ich zahle auch, gehe noch mal kurz auf Toilette und erfahre, warum sie mich angelächelt hat: mein Gesicht ist mit Schokolade verschmiert und ich sehe wie ein Clown aus, der ich wahrscheinlich auch bin.
Und da sitze
ich dann nach der Knutschorgie („tschaue Bello, isse schön, dasse Du komme“)
da, nehme einen tiefen Schluck meiner heißen Schokolade und da sehe ich SIE da
sitzen.
SIE ist
schlank, blond, gut angezogen, hübsche feste Figur und hat genau das richtige
Alter für mich: nicht mehr so jung, dass SIE meine Tochter sein könnte und ich
mich als Pädophiler fühlen würde, wenn ich SIE anspräche, aber auch noch nicht
so alt, als dass SIE nicht mehr auf das Cover des Playboy passen würde. Perfekt.
Toll. Makellos. Ein Hingucker vor dem Herrn.
Während ich
an der Schokolade nippe, lege ich mir SIE auf das berühmte Eisbärfell vor dem
Kamin in der Blockhütte am Kaminfeuer. Gute Güte, was könnten wir für
schweinische Sachen machen. Einmal das Kamasutra rauf und wieder runter und von
vorn und hinten.
Problem
dabei: ich bin verheiratet. Dies bedeutet, ich bin a) aus der Übung, was das
Ansprechen wildfremder Frauen angeht und b) glücklich verheiratet und c) meine
Frau versteht mich sehr wohl und d) würde das allen meinen Vorstellungen von
Treue und Ehre widersprechen. Außerdem e) bin ich intelligent. Und das ist das
Haupthindernis.
Die blonde
Göttin sieht zu mir herüber und lächelt mich an. WOW, sie hat mich bemerkt, wie
geil ist DAS denn?
Ich denke
einen Schritt weiter: also, die Nummer mit dem Eisbärfell in der romantischen
und verschwiegenen Hütte haben wir durch und sie ist nach einer heißen Liebesnacht
mit viel Wein und Romantik und scharfem Sex in meinen Armen eingeschlafen.
Geweckt wird
sie am Morgen danach durch einen krachenden Furz, weil ich Rotwein normalerweise
nicht vertrage, sie erschrickt dann und ich wache auch auf. Und dann hockt sie
auf dem Eisbärfell, nicht mehr nackt, sondern nur noch nackig und ungepflegt.
Und ihr erster Satz wird „ich muss pinkeln“ sein. Und ich sehe ihr dann
hinterher, wie sie mit baumelnden Brüsten ihre Unterwäsche sucht und dann aufs
Klo geht, rücksichtsvollerweise lasse ich Ihr nämlich den Vortritt, weil, wenn
sie nach mir ins Bad ginge, sie an einer Gasvergiftung sterben würde.
Ich suche unterdessen
meine Socken und meine Unterwäsche (was habe ich heute an? Die gute
Schiesser-Doppelripp mit Eingreifschlitz, aber wenigstens ohne Muster) und ziehe
mir Hose und T-Shirt an. Und sehe aufs Handy, auf denen sich drei SMS meiner
Frau befinden, wo ich denn bliebe und dass ich mich melden soll, weil sie sich
Sorgen macht.
Aus der
Badezimmertüre kommen Kotzgeräusche, weil SIE es anscheinend entweder auch
nicht so mit Wein hat oder mich bei Tageslicht gesehen hat, während ich mir
fieberhaft eine Ausrede überlege, denn eines ist auch klar: mir würde die
Chuzpe fehlen, nach Hause zu gehen, meiner Frau zu erklären, dass ich sie heute
Nacht betrogen habe, aber es sei nur was Sexuelles und sie solle es bitte nicht
persönlich nehmen und ich ihr jetzt im Übrigen meine dreckige Unterwäsche in
den Wäschekorb schmeiße. Schönen Tag noch.
Während ich
mir das Gesicht meiner Frau dabei vorstelle, lächelt mich die GÖTTIN am Tisch
gegenüber schon wieder an und ich lächle charmant zurück. Verdammte Kacke, das
wäre die Chance…
Mal so aus
dem Ehetrott ausbrechen, gell? Ist ja nichts dabei. „Abenteuer 18, für
Menschen, die in einer Beziehung leben und kein Geld im Bordell ausgeben wollen“.
So ein kleiner Seitensprung würde natürlich auch die Ehe auffrischen, man würde
zueinander finden und wüsste mal wieder, was man so aneinander hat oder auch
nicht hat, es würde mal so ein bisschen Pepp in die Beziehung bringen und das
Gesicht der GÖTTIN verwandelt sich in das Gesicht meiner Gefährtin und
plötzlich liegt meine Frau auf dem Eisbärfell, allerdings nicht mit mir,
sondern mit irgendeinem debilen Idioten, der sie in irgendeiner italienischen
Szenekneipe mit aufdringlicher Wirtin aufgerissen hat.
Das wiederum
ist nun eine Vorstellung, die mir so gar nicht gefällt. Denn gleiches Recht für
alle. Ich würde dem dummen Arschloch zuerst die Beine und dann die Arme brechen
und die Koffer meiner Frau würden schneller auf der Straße stehen, als sie den
Satz „ich kann das erklären“ zu Ende bringen kann. Keiner fasst meine Frau an
außer mir. Fakt. Punkt. Keine Diskussion und „nein“, wir würden auch „keine
Freunde bleiben“.Die GÖTTIN steht auf, lächelt ein letztes Mal und geht, ohne dass sie mein Eisbär- und Brusthaarfell kennengelernt hat. Ich zahle auch, gehe noch mal kurz auf Toilette und erfahre, warum sie mich angelächelt hat: mein Gesicht ist mit Schokolade verschmiert und ich sehe wie ein Clown aus, der ich wahrscheinlich auch bin.
Schön wär´s
gewesen. Schön blöd.
Donnerstag, 25. Oktober 2012
Schnupfm
Ich hatte eine Erkältung abgegriffen. Nichts Ernstes, aber schon lästig. Schnupfen, Heiserkeit, Halsweh, Gliederschmerzen, das volle Programm aus der ratiopharm-Werbung. Und ich habe mich elend gefühlt. Und da habe ich beschlossen, zu Hause zu bleiben, es ging mir nicht gut. So allgemein.
Ich bin selbständig, ich darf das. Ohne Krankenschein. Zu Hause bleiben. Hab ich gedacht.
„Was ist mit Dir?“ hat meine Frau gefragt. „Ich bin krank“ habe ich geantwortet. „Nein, Du hast nur eine Erkältung“ hat sie gesagt.
Und das fand ich eine Unverschämtheit. „Nur“ eine Erkältung. Eine Erkältung ist eine schlimme Krankheit, damit soll man nicht spassen, ich bin bestimmt kein Weichei, aber man hat schon oft von Erkältungen gehört, die sich dann zu einer ausgewachsenen Lungenentzündung entwickelt haben und wenn man da nicht aufpasst, wacht man morgens auf und ist tot. Basierend auf diesem Gedankengang habe ich meiner Frau eröffnet, dass ich sterben könnte.
„An einer Erkältung!“ hat sie nüchtern festgestellt.
JA, VERDAMMT. An einer Erkältung kann man sterben, das geht ratz fatz, dann ist die Lunge dick, die Bronchien versagen, die Augen werden trüb, die ganzen inneren Organe schwellen an und platzen, die Viren oder Bazillen oder wie die Viecher heissen, fressen die ganzen Blutkörperchen auf und dann steht man da und stirbt einen elenden und siechen Tod, weil man eine Erkältung leichtsinnig übergangen hat.
„Nein“ hat meine Frau gesagt „Du hast nur einen Schnupfen, Du musst nicht zu Hause bleiben.“
Ach nein? Muss ich nicht? Sie geht mit meinem Leben und meiner schlimmen Erkrankung aber SEHR leichtfertig um, die Dame meines Herzens. Gut, es ist ja nicht sie, die wegen „nur“ eines Schnupfens dem grimmen Schnitter ins Auge schaut, was für uns beide, also den Schnitter und mich, sehr unangenehm ist. Aber ich gebe mich noch nicht geschlagen.
„Ein Schnupfen ist eine hochansteckende Krankheit, wusstest Du das?“ belehre ich sie. „Es handelt sich nämlich bei der Rhinitis um einen Infekt, der durch Rhinoviren (eine Abart der Picornaviren) und Adenoviren übertragen wird und wenn ich nicht aufpasse, dann entwickelt sich das zu einer Atrophie der Nasenschleimhäute und mündet in einer Ozeana, landläufig auch „Stinknase“ genannt, da die atrophische Schleimhaut Keimansiedlungen begünstigt, die einen unangenehmen, süßlich-faulen Geruch absondern. Da die Schleimdrüsen ebenfalls atrophieren, kann der Naseninnenraum nicht mehr ausreichend befeuchtet werden, was zu Trockenheit der Schleimhaut und damit zu starker, schwarzer bis gelb-grüner Borkenbildung führt. Folgen der zähen Verkrustungen können Kopf- und Nasenschmerzen, Nasenbluten sowie Vereiterungen sein. Auf Grund des Nasengeruchs erleide ich dann einen sozialen Ausschluss, weil niemand wegen meiner Nase noch etwas mit mir zu tun haben möchte und mein Betrieb geht pleite und Dein Malkurs hat sich erledigt, weil wir sparen müssen und ich kauf Dir einen Corsa oder eine Busfahrkarte. Und das ist noch nicht alles: Durch Anosmie (auf Grund der Atrophie von Geruchsnerven) und wegen der Gewöhnung der Geruchsnerven an den Eigengeruch nehme ich den Gestank selber nicht einmal wahr. Dies bedeutet, Du wirst diejenige sein, die leidet. Jedenfalls bis zur Scheidung oder meinem Tod.“
„Gute Güte, Du hast einen Schnupfen“ wiederholt sie. Und dann sagt sie: „sei nicht so eine Memme.“
Nun – anscheinend drücke ich mich für die Frau, von der ich bisher dachte, sie liebt mich, unverständlich aus. Ich probiere es anders:
„Hast Du verstanden, was ich gesagt habe? „HOCHANSTECKENDE KRANKHEIT“! Die krankheitsverursachenden Viren werden sowohl als Tröpfcheninfektion durch die Luft als auch direkt oder indirekt durch Kontakt mit Erkrankten oder über kontaminierte Gegenstände per Schmierinfektion (Kontaktinfektion) in deren Umgebung übertragen. Dies bedeutet faktisch, dass ich die komplette Stadt anstecken könnte. Das ganze kann als eine veritable Pandemie oder Epidemie enden. Menschen schleppen sich schniefend und rotzend auf die Strasse, wo sie erbärmlich in den Gossen ihr Leben aushauchen, gehüllt in einen Kokon aus Rotz und Tempotaschentüchern, unsere Stadt wird unter Quarantäne gestellt, die Bundeswehr sperrt mit Schützenpanzern und in Ganzkörperanzügen die Zufahrtsstrassen ab, in den Strassen patroulliert der Bundesgrenzschutz mit Gasmasken und räumt die Herstallstrasse von den ganzen Schnupfentoten frei. Nach 14 Tagen gehen die Impfstoffe aus und die Aktie der Firma „Tempo“ bricht durch die Börsendecke, während sie ganze Kontinente von den für die Atmosphäre wichtigen Regenwälder befreit, weil sie Nachschub für ihre Papiertaschentuchproduktion brauchen. In der Folge bricht das Weltklima zusammen und es kommt zu Hungersnöten und Unruhen weltweit. Was meinst Du, wenn die drauf kommen, wer das verursacht hat? Was dann hier los ist? Wenn ich Glück habe, dann komme ich nur mit einer Todesfatwa eines islamischen Geistlichen davon. Und das alles nur, weil Du gemeint hast, ich hätte ja „nur“ einen Schnupfen und könne arbeiten gehen. Vielen Dank für gar nichts. Aber ich werde dann mit dem Finger auf Dich zeigen und sagen: SIE WOLLTE, DASS ICH ARBEITEN GEHE. ICH HATTE SIE JA GEWARNT!“
„Du willst also heute zu Hause bleiben“ stellt sich sachlich fest.
ABER JA! DIE ZUKUNFT DES PLANETEN HÄNGT DAVON AB!
„Dann kannst DU ja mal die Ablage und die Buchführung machen, wenn Du daheim bist.“
Und da ist mir dann plötzlich eingefallen, dass mich die Welt eigentlich kreuzweise kann und ich bin arbeiten gegangen. Ich meine „hallo?“ Ist ja nur ein Schnupfen.
Ich bin selbständig, ich darf das. Ohne Krankenschein. Zu Hause bleiben. Hab ich gedacht.
„Was ist mit Dir?“ hat meine Frau gefragt. „Ich bin krank“ habe ich geantwortet. „Nein, Du hast nur eine Erkältung“ hat sie gesagt.
Und das fand ich eine Unverschämtheit. „Nur“ eine Erkältung. Eine Erkältung ist eine schlimme Krankheit, damit soll man nicht spassen, ich bin bestimmt kein Weichei, aber man hat schon oft von Erkältungen gehört, die sich dann zu einer ausgewachsenen Lungenentzündung entwickelt haben und wenn man da nicht aufpasst, wacht man morgens auf und ist tot. Basierend auf diesem Gedankengang habe ich meiner Frau eröffnet, dass ich sterben könnte.
„An einer Erkältung!“ hat sie nüchtern festgestellt.
JA, VERDAMMT. An einer Erkältung kann man sterben, das geht ratz fatz, dann ist die Lunge dick, die Bronchien versagen, die Augen werden trüb, die ganzen inneren Organe schwellen an und platzen, die Viren oder Bazillen oder wie die Viecher heissen, fressen die ganzen Blutkörperchen auf und dann steht man da und stirbt einen elenden und siechen Tod, weil man eine Erkältung leichtsinnig übergangen hat.
„Nein“ hat meine Frau gesagt „Du hast nur einen Schnupfen, Du musst nicht zu Hause bleiben.“
Ach nein? Muss ich nicht? Sie geht mit meinem Leben und meiner schlimmen Erkrankung aber SEHR leichtfertig um, die Dame meines Herzens. Gut, es ist ja nicht sie, die wegen „nur“ eines Schnupfens dem grimmen Schnitter ins Auge schaut, was für uns beide, also den Schnitter und mich, sehr unangenehm ist. Aber ich gebe mich noch nicht geschlagen.
„Ein Schnupfen ist eine hochansteckende Krankheit, wusstest Du das?“ belehre ich sie. „Es handelt sich nämlich bei der Rhinitis um einen Infekt, der durch Rhinoviren (eine Abart der Picornaviren) und Adenoviren übertragen wird und wenn ich nicht aufpasse, dann entwickelt sich das zu einer Atrophie der Nasenschleimhäute und mündet in einer Ozeana, landläufig auch „Stinknase“ genannt, da die atrophische Schleimhaut Keimansiedlungen begünstigt, die einen unangenehmen, süßlich-faulen Geruch absondern. Da die Schleimdrüsen ebenfalls atrophieren, kann der Naseninnenraum nicht mehr ausreichend befeuchtet werden, was zu Trockenheit der Schleimhaut und damit zu starker, schwarzer bis gelb-grüner Borkenbildung führt. Folgen der zähen Verkrustungen können Kopf- und Nasenschmerzen, Nasenbluten sowie Vereiterungen sein. Auf Grund des Nasengeruchs erleide ich dann einen sozialen Ausschluss, weil niemand wegen meiner Nase noch etwas mit mir zu tun haben möchte und mein Betrieb geht pleite und Dein Malkurs hat sich erledigt, weil wir sparen müssen und ich kauf Dir einen Corsa oder eine Busfahrkarte. Und das ist noch nicht alles: Durch Anosmie (auf Grund der Atrophie von Geruchsnerven) und wegen der Gewöhnung der Geruchsnerven an den Eigengeruch nehme ich den Gestank selber nicht einmal wahr. Dies bedeutet, Du wirst diejenige sein, die leidet. Jedenfalls bis zur Scheidung oder meinem Tod.“
„Gute Güte, Du hast einen Schnupfen“ wiederholt sie. Und dann sagt sie: „sei nicht so eine Memme.“
Nun – anscheinend drücke ich mich für die Frau, von der ich bisher dachte, sie liebt mich, unverständlich aus. Ich probiere es anders:
„Hast Du verstanden, was ich gesagt habe? „HOCHANSTECKENDE KRANKHEIT“! Die krankheitsverursachenden Viren werden sowohl als Tröpfcheninfektion durch die Luft als auch direkt oder indirekt durch Kontakt mit Erkrankten oder über kontaminierte Gegenstände per Schmierinfektion (Kontaktinfektion) in deren Umgebung übertragen. Dies bedeutet faktisch, dass ich die komplette Stadt anstecken könnte. Das ganze kann als eine veritable Pandemie oder Epidemie enden. Menschen schleppen sich schniefend und rotzend auf die Strasse, wo sie erbärmlich in den Gossen ihr Leben aushauchen, gehüllt in einen Kokon aus Rotz und Tempotaschentüchern, unsere Stadt wird unter Quarantäne gestellt, die Bundeswehr sperrt mit Schützenpanzern und in Ganzkörperanzügen die Zufahrtsstrassen ab, in den Strassen patroulliert der Bundesgrenzschutz mit Gasmasken und räumt die Herstallstrasse von den ganzen Schnupfentoten frei. Nach 14 Tagen gehen die Impfstoffe aus und die Aktie der Firma „Tempo“ bricht durch die Börsendecke, während sie ganze Kontinente von den für die Atmosphäre wichtigen Regenwälder befreit, weil sie Nachschub für ihre Papiertaschentuchproduktion brauchen. In der Folge bricht das Weltklima zusammen und es kommt zu Hungersnöten und Unruhen weltweit. Was meinst Du, wenn die drauf kommen, wer das verursacht hat? Was dann hier los ist? Wenn ich Glück habe, dann komme ich nur mit einer Todesfatwa eines islamischen Geistlichen davon. Und das alles nur, weil Du gemeint hast, ich hätte ja „nur“ einen Schnupfen und könne arbeiten gehen. Vielen Dank für gar nichts. Aber ich werde dann mit dem Finger auf Dich zeigen und sagen: SIE WOLLTE, DASS ICH ARBEITEN GEHE. ICH HATTE SIE JA GEWARNT!“
„Du willst also heute zu Hause bleiben“ stellt sich sachlich fest.
ABER JA! DIE ZUKUNFT DES PLANETEN HÄNGT DAVON AB!
„Dann kannst DU ja mal die Ablage und die Buchführung machen, wenn Du daheim bist.“
Und da ist mir dann plötzlich eingefallen, dass mich die Welt eigentlich kreuzweise kann und ich bin arbeiten gegangen. Ich meine „hallo?“ Ist ja nur ein Schnupfen.
Donnerstag, 2. August 2012
Business all time flat professional
Ein altes
Sprichwort sagt: wechsle nie die Pferde im Strom. Auf Deutsch und als Mahnung
an die geneigten Leser und Hörer und Zuschauer und Mitfühlenden: wenn etwas
funktioniert, dann pfusch nicht drin herum. Finger weg. Lass den Scheiß. Es
funktioniert und das ist alles, was es soll. Funktionieren. Nicht weniger, aber
auch nicht mehr. Alles gut.
„Hallo, Herr ThiloS, mein Name ist Susanne Berger von eplusbaseoutootelecomcommunicationsinternationalmobilevodafonelimited („Ja hallo“) und Sie sind ja Kunde bei uns im Call and Surf professional. Wir wollten mal nachfragen, wie zufrieden sie sind.“
„Hihi, neinnein, mit Ihrem Call and Surf Tarif.“
„Ja, sehr geil! Das klingt gut, das nehme ich! Nur noch eine Frage an Sie als Profi zum Schluss und im Vertrauen: welches Paket haben Sie eigentlich gebucht?“
Beispielsweise
mein Handy. Es funktioniert. Ich kann Apps laden, SMS und MMS verschicken,
Fotos machen, Spiele spielen, Musik hören und im Internet surfen. Und manchmal
kann ich damit auch telefonieren. Wenn ich ein Funknetz habe. Diese archaische
Kommunikationsform, wo man noch seine Stimme modulieren und gelegentlich
zuhören muss und während der Unterhaltung nicht einfach aufs Klo flitzen oder
nebenbei Fernsehen gucken kann oder das Ding einfach beiseite legt, damit es
sich selbst Nachrichten schreibt.
Mein Iphone
ist mein treuer Begleiter auf allen Wegen. Und deswegen ging ich
leichtsinngerweise dran, als es mit den Glockentönen von BigBen die Anwesenheit
eines Menschen signalisierte, der anscheinend zwischenmenschliche Kommunikation
mit mir wünschte.„Hallo, Herr ThiloS, mein Name ist Susanne Berger von eplusbaseoutootelecomcommunicationsinternationalmobilevodafonelimited („Ja hallo“) und Sie sind ja Kunde bei uns im Call and Surf professional. Wir wollten mal nachfragen, wie zufrieden sie sind.“
Ich habe
einen guten Tag heute und schalte schnell:
„Meinen Sie
generell, mit meinem Job, meiner Ehe oder mit dem Iphone oder mit Ihnen als
Firma oder Ihnen persönlich?“„Hihi, neinnein, mit Ihrem Call and Surf Tarif.“
„Ich kann
telefonieren. Das ist okay.“
„Aha“
(wahrscheinlich hätte ich ihr auch sagen können, dass ich derzeit und einem
Schwerlaster liege und eine schwedische Krankenschwester mich soeben beatmet,
sie hätte in jedem Fall „aha“ gesagt).
„Wir hätten
nämlich da einen neuen Tarif für Sie, mit dem Sie günstiger als in Zukunft
telefonieren.“
…und während
ich noch grüble, ob das jetzt ernst gemeint oder eine freud´sche Fehlleistung
war, spricht das Susanne hemmungslos weiter:
„Wenn Sie
nämlich in den Business-comfort-flat-scream-and-squeak-Tarif wechseln würden,
dann erhielten Sie 120 Freisekunden in das Festnetz der Kaiman-Inseln, dazu
gratis 10 SMS ab 1 Gigabyte Festplattenspeicher, ein Messerset aus chinesischem
Blattgold und zehn reichverzierte Wassermühlen mit Fernbedienung. Na, wie
klingt das?“
Tja.
Eigentlich
ganz gut soweit.
Ich habe da
allerdings eine Frage, und zwar telefoniere ich im Moment over den Fireabend-Tarif
mit allen Verbindungen ins französische Festnetz, mit Standleitung zur
russischen Raumstation „Glasnost“ und habe außerdem 20 Silben im Monat frei,
wenn gerade Freitag ist und die Sonne nicht scheint. Was ist damit?
„Das ist gar
kein Problem, Herr ThiloS, die Freisilben können wir übertragen und wenn Sie
das Super-Event-Entertainment-Paket dazubuchen, dann können Sie Nachts zwischen
23 und 3 Uhr bei schönem Wetter die Sterne betrachten und dank des
Star-Wars-Pakets dem Funkverkehr auf Beta Geuze folgen“
„Hmmm“… das
ist natürlich ein verlockendes Angebot, andererseits…
„Gesetzt den
Fall, ich würde mit meinem neuen Scram-and-Squeak-Paket einsteigen, bekäme ich
dann noch ein Handy für meine Frau?“
Susanne
Berger ist ein echtes Ass und reagiert schnell: „in diesem Falle können wir
Ihnen das private-Talk-and-Walk-Package inklusive 120 Freischwimmer-Minuten in
alle deutschen Schwimmbäder, ein Monatsabo der Zeitschrift „Frau am Herd“ via
Download oder read-per-view und eine warme Mahlzeit in einer Bahnhofsmission
Ihrer Wahl anbieten!“
„Das ist ja
alles schön und gut, aber ich schreibe mir im Monat ca. 300 Beiträge hinter die
Ohren und meine Frau geht sowieso nie dran, wenn sie sieht, dass ich es bin,
könnten wir dann da eine Rufnummer- und Frauenunterdrückung einbauen und sie
zwingen, an das Handy zu gehen, also so eine Art „women-suppress-force“-Paket
mit cleaning-dishes-Option?“
„Hihi.“
Susanne kichert. „Das ginge, aber dann müssten Sie das Girlfriend-divorce–big-tits-mature-woman-want-you“-XXL
Paket für lediglich 10,- € pro Minute in alle polnischen Sex-hotlines
dazubuchen, da kämen Sie dann im Grundbetrag auf ca. 1.000,- € im Monat“„Ja, sehr geil! Das klingt gut, das nehme ich! Nur noch eine Frage an Sie als Profi zum Schluss und im Vertrauen: welches Paket haben Sie eigentlich gebucht?“
„Ich?“ Susanne
ist jetzt ehrlich überrascht. „Ich telefoniere nicht, das ist mir mit den
Tarifen zu umständlich. Ich habe sozusagen ein
Face-to-face-social-network-Paket und treffe mich einfach so und persönlich mit
Freunden.“
Ich lege auf:
jemand, der sich noch persönlich mit anderen Leuten trifft, ist mir suspekt und
mit dem möchte ich auch nichts zu tun haben.
„Persönlicher
Kontakt“… vielleicht sogar noch mit Händedruck zur Begrüßung oder was?
In welcher
Zeit lebt die dumme Nuss eigentlich?
Donnerstag, 14. Juni 2012
Tag 6: H-Day
Es
ist kalt in Deutschland. Kalt und unangenehm, Der Wind treibt die
Regenschauer über verödete Strassen. Es ist H-Day. Holland-Tag.
Prügeln wir also ab jetzt auf Podolski ein, die alte Flasche.
Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn Mehmet Scholl sagt „die Impulse müssen aus dem Mittelfeld kommen“.
Gut,
dass meine Frau den Doppelschirm für zwei Personen mit echtem
Perlmut-Griff bestellt hat, so kann ich den in die Ecke stellen, weil
ich sowieso nicht ´rausgehe. Stattdessen ist vorhin die
Cheerleaderin eingetroffen, die meine Frau netterweise für das
heutige Spiel bestellt hat., mit schwarz-rot-güldenen Pompons. Sie
hat auch so Anfeuerungssprüche drauf wie „Mit Jogi Löw und Miro
Klose geht die EM nicht in die Hose, wer wird Meister, ist doch klaa,
Deutschland-Allemania“ oder auch „wir haben Lahm und Ihr habt
Robben, drum werden wir Euch Deppen stoppen“, nicht so gut fand ich
allerdings „Das war wohl ein Griff ins Klo, im Sturm spielt Gomez
Mario“.
Als
Vorgruppe des heutigen Spiels simulieren die Portugiesen mit den
Dänen so etwas wie ein Fussballspiel. Die Dänen haben einen Sieg,
die Portugiesen eine Niderlage auf dem Buckel. Dies bedeutet, dass
wenn die Portugiesen heute unentschieden spielen, dann müssten die
Dänen im letzten Spiel verlieren, damit die Holländer gegen die
Portugiesen gewinnen, sofern sie heute verlieren. Wenn aber die Dänen
durchsetzen, dass die Regel „drei Ecken gibt einen Elfer“ ab
heute, 20.45 Uhr gilt, dann würde das bedeuten, dass Deutschland
wenigstens im Elfmeterschiessen nach Verlängerung nicht Lukas
Podolski an den Ball lassen darf, weil der schlechter Elfer
verwandeln kann, als Robben, wobei er eigentlich alles nur schlechter
als Robben kann und ich mich frage, was Jogi Löw geritten hat,
diesen Ruhrpottparaolympioniken ausgerechnet nach Polen mitzunehmen,
vielleicht hofft er ja, die behalten ihn da – aber jetzt bin ich
abgeschweift in die Fussballarithmetik, entschuldigung.
In
jedem Fall beginnen die Portugiesen so, als wären sie eine der
Fussballmannschaften, die man bei diesem Turnier auf dem Schirm haben
sollten und spielen netten und ansprechenden Fussball – oder das,
was sie dafür halten. Für die erschrockenen Nordmannen, die wie die
sprichtwörtlichen Nordmanntannen herumstehen, ist das eine böse
Überraschung und sie kassieren aus Unfähigkeit und Entsetzen nach
24 Minuten (immerhin!) das 1:0.
Für
die Dänen ist das jetzt eine Aufforderung. Leider hören sie diese
nicht und die Portugiesen machen gut gelaunt nur 12 Minuten später
das 2:0.
Den
Portugiesen reicht das. Den Dänen reicht es jetzt. Während man sich
in Portugiesien schon mit Häppchen und Käseigeln geistig auf die
Halbzeit einstellt, macht irgendein Däne, keiner weiss wie, den
Anschlusstreffer und es geht mit einem charmanten 2:1 in die Pause.
In
der Halbzeit gibt der portugiesische Trainer die Parole „GEWONNEN“
aus und die Portugiesen ziehen sich infolgedessen selbstzufrieden in
die eigene Hälfte zurück und selbst wenn sie auf Konter lauern
sollten, so sieht man das nicht. Das ist jetzt etwas bräsig aus,
Ronaldo nimmt eine warme Mahlzeit zu sich und die armen Dänen
zappeln sich einen weg. Höhnisch vergeben die Portugiesen, wenn sie
schon gelegentlich vors dänische Tor kommen, Großchancen en gros.
Bis
zur 80sten Minute: da mogelt sich der kleine Däne Bendtner in einem
unbeobachteten Moment zwischen ein paar portugiesische Abwehrspieler
(das sind zu diesem Zeitpunkt 10 Mann) und locht zum Ausgleich ein.
Alles
wieder offen.
Schade.
Für die Portugiesen. Die ja schon gewonnen hatten. Jetzt rennen
plötzlich beide Mannschaften wie die Gestörten, bis der
portugiesische Trainer die ´nauze voll hat und einen No Name namens
Varela einwechselt. Und weil der noch frisch ist, ist er auch
ungestört und macht 7 Minuten nach dem Dänentor das 3:2. Das ist
ungerecht, das ist Pech und das ist ärgerlich für die Dänen. Die
Portugiesen holen am tragischen Schluss 3 Punkte.
Und
Olli kahn kritisiert in der Spielpause Ronaldo, weil nicht der
getroffen hat, die Flasche.
Danach
das Kracher-Spiel des heutigen Abends: Geheimtipp Holland gegen
Offizielltipp Deutschland, ein Fussballleckerbissen, ein ewiges
Duell, eine ewige Rivalität, Orange gegen Schwarz/weiß, das ist
Völler gegen Rijkjard (oder wie der Idiot geschrieben wurde), das
ist WM 1974 und das ist – nun ja – etwas krampfig.
Gomez,
die alte Flasche, die viel geweint hat wegen Frau Scholl, spielt von
Anfang an das was, was er kann, nämlich gut aussehen und beide
Mannschaften beginnen nervöser als ein Selbstmordattentäter, der in
Badehose ein Schwimmbad sprengen will. Löw vertreibt sich die Zeit
mit Kaugummi-Kauen und Balljungen ärgern, weil sich auf dem Platz
nichts tut. Klar, ist ja auch Gomez im Sturm und Podolski auf dem
Platz.
Das
ändert sich in der 24sten Minute. Robben hatte soeben den dritten
Ballkontakt und scheint, Gewohnheit ist Gewohnheit, Schweinsteiger
den Ball zugepasst zu haben, der schiesst einfach mal drauf los,
trifft den unglücklichen Gomez und der macht das 1:0. Tooooooor.
Erste Silvesterraketen steigen auf, in der Ferne ist ein himmlischer
Chor zu hören und mein Nachbar dreht das „Halleluja“ von Händel
(nicht „Hendl“, wie fälschlicherweise oft geschrieben wird) bis
zum Anschlag auf. Gomez, der Suoertyp, Gomez der Held, Gomez
Fussballgott. Im ARD-Studio wird Scholl mit vereinter Kraft daran
gehindert, sich die Pulsadern aufzuschneiden.
Aber
damit nicht genug!
Plötzlich
sieht es tatsächlich so aus, als wollten unsere Jungs das Spiel
gewinnen und die erstaunten Niederländer sehen plötzlich Deutsche
im Vorwärtsgang und schneller als Schrittgeschwindigkeit. Um das zu
verhindern, werfen sie gelegentlich ein paar deutsche Spieler um,
aber während 50% der Deutschen noch am Boden liegen, haben sie
vergessen, Schweinsteiger und Gomez umzuwerfen und ausgerechnet die
beiden machen in trauter Zweisamkeit das 2:0. Gomez, der
Fussballgott, der Held der Helden, der Franz Beckenbauer der
Nationalmannschaft, der Mann mit dem Fuße Gottes locht zum zweiten
Mal ein. Klose beginnt, sein Trikot zu fressen, Mehmet Scholl wird
erwischt, wie er sich an einem Balken im Studio zu erhängen versucht
und aus der orangenen Resignation wird Verzweiflung. Ich habe ja
immer an Gomez geglaubt. Immer!
Alleine:
die Holländer haben es heute eher rustikal als spielerisch. Aus Zorn
wird gefoult, was die Beine hergeben, getreten wie auf der
Kneipp-Kur, nur Torschüsse – die sind rar. Die deutsche
Verteidigung ist besser als die Heeresgruppe Kurland ´45 und die
Holländer laufen sich ein- ums andere Mal fest.
So
ein Lullenfussball schlaucht mit der Zeit. Und so versinken Jogis
Jungs gegen Ende der Partie in einer kleinen Lethargie, was der
Holländer Van Persie dreckig ausnutzt und 17 Minuten vor Schluss den
Anschlusstreffer erzielt. Mit einem bösen Grantenschuss aus der
Distanz.
Jetzt
wird es noch einmal eng. Die Deutschen (außer Podolski, an dem die
Partie mal wieder vorbeiläuft, irgendwie habe ich das Gefühl, die
schneiden den da) rennen in Richtung holländisches Tor, jetzt nicht
noch den Ausgleich fangen. Und so werden es noch sehr lange 17
Minuten, bis es mal wieder heißt: am Ende gewinnt Deutschland.
Oliver
Kahn wird Kathrin Müller-Dingens nach dem Spiel fragen, was Gomez so
weit hinten macht, er soll sich gefälligst in der Spitze aufhalten
und redet damit das direkte Gegenteil von Scholl, der sich
beschwerte, dass sich Gomez zu wenig um Aushilfe in der Abwehr
bemüht. So viel zum Thema „Experten“.
Prügeln wir also ab jetzt auf Podolski ein, die alte Flasche.
Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn Mehmet Scholl sagt „die Impulse müssen aus dem Mittelfeld kommen“.
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